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EU-Grenzwerte 2021: Vier schaffen das!

Gerade einmal vier Autohersteller werden die Vorgaben zum Flottenverbrauch 2021 einhalten, sagt die Unternehmensberatung PA Consulting. Auf hohe Strafzahlungen dürfen sich unter anderem VW und Fiat einstellen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 10.01.2018

Vier Automobilhersteller werden die CO2-Grenzwerte der EU für das Jahr 2021 nicht überschreiten: Volvo, Toyota sowie die Allianzen Renault-Nissan und Jaguar-Land-Rover. Alle anderen Marken werden die Hürde reißen und haben zum Teil empfindliche Strafzahlungen zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung PA Consulting.

Strafzahlungen für CO2-Sünder

© Bild: laggers.at

Die Regelung der EU sieht derzeit vor, dass die Flotte eines Herstellers ab 2021 nur noch einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer haben darf. Doch die derzeitigen Trends einerseits und die hausgemachten Probleme andererseits bereiten den Herstellern enorme Probleme. Das süße Gift des SUV-Booms hat zwar die Kassen geflutet, aber eben auch den Flottenverbrauch nach oben getrieben. Dazu kommt, dass Dieselmotoren derzeit ein erhebliches Imageproblem haben. Auf der anderen Seite der Modellpalette wollen Elektroautos nicht durchstarten.

Zwei Hersteller treffen diese Trends besonders hart. Zum einen Volkswagen. Zwar dürfte der Konzern das vorgegebene Ziel lediglich um 2,8 Gramm überschreiten, wenn es nach den Kalkulationen von PA Consulting geht, durch die hohe Zahl an abgesetzten Autos in Europa steht aber eine Strafzahlung von etwa 1,2 Milliarden Euro unterm Strich.

So funktioniert die Strafzahlung

Denn die setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Hersteller müssen pro Gramm, das über dem Richtwert liegt, und pro verkauftem Fahrzeug 95 Euro bezahlen. Da Volkswagen, so PA Consulting, im Jahr 2021 etwa 4,6 Millionen Autos in den EU28-Staaten zulassen wird, kommt eine vergleichsweise hohe Strafzahlung raus. Bei Fiat-Chrysler liegt Fall anders. Zwar geht PA Consulting bei den Italo-Amerikanern lediglich von 1,3 Millionen verkauften Autos aus, jedes einzelne reißt die Hürde allerdings gleich um 10,1 Gramm pro Kilometer.

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Bis zu 500 Euro Mehrkosten pro Jahr.

Bei PSA tritt jetzt ein, was Carlos Tavares, der Chef von PSA, bei der Übernahme von Opel bereits erwähnt hatte: die deutsche Marke reißt die Zielvorgaben, was jetzt jedoch den Franzosen auf die Füße fällt und nicht mehr nur den Deutschen allein. Immerhin rollte gerade eine Welle des Badge-Engineering und des Technologietransfers durch den Konzern, was zu einer deutlichen Verbesserung beitragen könnte.

Die prognostizierten Strafzahlungen im Überblick:

Daimler – 200 Millionen Euro (1,5 Millionen Fahrzeuge – 1,4 Gramm Überschreitung)
Hyundai-Kia – 290 Millionen Euro (1,3 Millionen Fahrzeuge – 2,4 Gramm)
PSA (inklusive Opel) – 570 Millionen Euro (2,5 Millionen Fahrzeuge – 2,4 Gramm)
VW – 1,2 Milliarden Euro (4,6 Millionen Fahrzeuge – 2,8 Gramm)
BMW – 500 Millionen Euro (1,4 Millionen Fahrzeuge – 3,7 Gramm)
Ford – 455 Millionen Euro (1,2 Millionen Fahrzeuge – 4,0 Gramm)
FCA – 1,3 Milliarden Euro (1,3 Millionen Fahrzeuge – 10,1 Gramm)

Immerhin vier Marken werden das Ziel einhalten:

Volvo – 385.000 Fahrzeuge, 13,4 Gramm unter dem Richtwert
Toyota – 830.000 Fahrzeuge, 11,0 Gramm unter dem Richtwert
Renault-Nissan – 2,3 Millionen Fahrzeuge, 4,6 Gramm unter dem Richtwert
Jaguar-Land-Rover – 256.000 Fahrzeuge, 1,1 Gramm unter dem Richtwert

Mercedes C 350 Plug-in Hybrid

Die Ausnahmeregelungen

Grundsätzlich gilt jedoch nicht für jeden Hersteller der gleiche Richtwert. So kalkuliert PA Consulting bei Jaguar-Land-Rover mit einem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß pro Kilometer im Jahr 2021 von 130,9 Gramm. Da die Marke jedoch unter 300.000 Fahrzeugen verkaufen dürfte, gilt eine Ausnahmeregelung.

Überhaupt ist die Regelung, die jetzt bereits existiert, mit einigen Sonderregelungen verziert. So dürfen Fahrzeuge mit einem Ausstoß von weniger als 50 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer mehrfach in die Berechnung des Flottenverbrauchs aufgenommen. Das betrifft vor allem Toyota und Volvo, die eine konsequente Hybrid-Strategie mit einigen Plug-in-Modellen fahren und für die nahe Zukunft weitere entsprechende Autos angekündigt haben. Auch Elektrofahrzeuge haben einen entsprechenden Multiplikator, was Renault-Nissan freuen dürfte.

Überstunden bei den Lobbyisten

Doch noch müssen die betroffenen Hersteller keine Rückstellungen bilden, denn die Politik werkelt bereits an einer Strafzahlungs-Vermeidungs-Strategie. Zum einen kommt der Brexit. Damit werden aus den EU28-Statten die EU27-Staaten werden, was die Größe der Flotte schlagartig drastisch verkleinert.

© Bild: Ben Pruchnie Getty Images News

Zum anderen prüft die EU-Kommission gerade eine neue Festlegung der Grenzwerte. So soll statt einer fixen Anzahl Gramm eine prozentuale Verbesserung erreicht werden. Hintergrund ist – neben reichlich Lobbyarbeit – die Einführung des neuen Testverfahrens (WLTP), der zu einer spürbaren Erhöhung der angegeben Werte zum Durchschnittsverbrauch führen dürfte. Das neue System soll die Schlupflöcher schließen, die der NEFZ-Zyklus den Herstellern gelassen hat. Auf dessen Werten basieren allerdings die Zielvorgaben von einst.

Die neue Berechnungsmethode der Zielvorgaben hat sich übrigens nicht die EU ausgedacht sondern der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA). Den drei Herstellern, die ihr Modellprogramm in den letzten zehn Jahren schrittweise umgestellt und neue Schwerpunkte gesetzt haben (Volvo, Toyota, Nissan-Renault – allesamt nicht aus Deutschland), muss das wie eine Verhöhnung vorkommen.


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