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Elektromobilität: was erwartet uns 2016?

Die wichtigste neue Strömung beim Auto heißt Elektroantrieb. Durch ein größeres Angebot an ­Fahr­zeugen, ein stetig wachsendes Netz an Ladesäulen und steuerliche Anreize soll die lokal abgas­freie Mobilität Schub bekommen.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 28.12.2015

Das Thema Elektromobilität nimmt Fahrt auf, könnte man sagen. Mittlerweile ist der Elektromotor der beliebteste alternative Antrieb in Österreich, hat in der Zulassungsstatistik bereits das Erdgasauto überholt. Neue Technologie, neues Interesse, neue Interessenten, und erstaunlich: Am erfolgreichsten ist der teuerste Anbieter. Rund 400 Stück wurden 2015 von der Luxuslimousine Tesla bisher verkauft, gefolgt von Renault Zoe und Nissan Leaf, die gemeinsam auch fast so viele Exemplare abgesetzt haben. Nur etwa 100 Stück wurden vom BMW i3, VW Golf und Kia Soul an die Kundschaft gebracht. Und das Interesse an Elektroautos bekommt gleich noch einmal neuen Schub, denn ab 2016 gelten einige Vergünstigungen für Unternehmen und die private Nutzung von Dienstwagen, in Finanzsprech ausgedrückt: Vorsteuerabzug und Befreiung vom Sachbezug. Das macht tausende Euro beim Kauf aus und unter Umständen mehrere tausend Euro jährlich im Betrieb. Außerdem gibt es auch regional Förderungen und Unterstützung von Landesregierungen, Gemeinden und Elektrizitätsversorgern.

Das ist kein unwichtiges Argument für den Kauf eines Elektroautos, denn Elektroautos sind noch immer recht teuer. Zwar werden die Batterien im Jahresrhythmus billiger, aber die neue Technologie muss erst in die Stückzahlen kommen, damit auch die Preise attraktiver werden. Da sind Förderungen natürlich ein gutes Instrument.

Wichtig ist auch, dass die Menschen Vertrauen gewinnen in die neue Technologie. Derzeit werden viele Themen rund um das Elektroauto zum Teil kontroversiell diskutiert, was mitunter für Unsicherheit sorgt. Dabei sind die wichtigsten Eckpunkte längst klar: Es gibt bereits eine attraktive Auswahl an Fahrzeugen von mehreren Herstellern. Das Aufladen der Batterien wird einfacher, weil es zusehends schneller geht und immer mehr öffentliche Ladestationen errichtet werden. Und wer daheim einen Starkstromanschluss in der Garage oder an seinem Parkplatz hat, ist überhaupt schon gut versorgt. Durchaus erhebliches Potenzial liegt allerdings noch in der Verbesserung der Reichweite. Theoretische Angaben liegen bei rund 200 Kilometer, in Wirklichkeit kann man nur mit 100 bis 150 Kilometer fix rechnen, stark abhängig vom Fahrstil und von den Temperaturverhältnissen. Bei sehr hohen und tiefen Temperaturen wird für Kühlen und Heizen entsprechend viel Energie verbraucht, die dann bei der Reichweite abgeht. Warum ist das beim Elektroauto so ausgeprägt? Weil der Elektroantrieb extrem energieeffizient arbeitet, da spürt man zusätzliche Verbraucher umso stärker.

Die E-Autos

Für die unterschiedlichen Hersteller sind die Elektroautos noch kein großes Geschäft. Sie mussten in die Entwicklung hohe Summen investieren, die erst längerfristig wieder hereingespielt werden können. Umso mehr nutzen sie ihre Elektroautos, um mit ihrer Hilfe ein fortschrittliches Image zu bilden, zu unterstützen, zu unterstreichen. Natürlich wird über das Elektroauto auch sehr viel Unternehmensphilosophie nach außen gerichtet. Der Spitzenreiter in der Verkaufsstatistik, die Oberklasselimousine Tesla, will nicht weniger ausdrücken als: Wir machen alles neu und besser. Und die Zielgruppe sind auch jene, die immer das Neuste und Beste haben müssen – nicht so wichtig, wie viel es kostet.

bmw i3 2015
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Die meisten Hersteller bieten sehr universell verwendbare und großstadtaugliche Elektroautos an. BMW hat mit dem i3 einen echten Technologieträger, der sich durch extremen Leichtbau mit Kohlefaserwerkstoffen auszeichnet. Ihn gibt es auf Wunsch auch mit Range-Extender, einem kleinen Benzinmotor, der an Bord Strom erzeugt, wenn die Batterie leer ist.

Auf die Gruppe der Opinion Leader setzt auch BMW mit dem i3: Das Fahrzeugkonzept bietet mehr als nur eine Umstellung des Bewährten auf Elektroantrieb. Durch umfangreichen Einsatz von höchstwertigen Leichtbaumaterialien wie Aluminium, Magnesium und Kohlenstofffaser will man technologische Führungskompetenz zeigen. Eine intensive Vernetzung des Fahrzeugs mit seiner Umgebung ist Kernbestandteil des Konzepts, vom automatischen Notrufsystem bis zur Fernabfrage wichtiger Fahrzeugdaten übers Handy.

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Renault Zoe und Nissan Leaf sind eigens konstruierte Kompaktwagen mit Elektroantrieb.

 

Renault und Nissan bieten ebenfalls eigenständige Modelle mit Elektroantrieb an, sie sind über den Elektroantrieb hinaus aber relativ konventionelle Fahrzeuge, was sich günstig auf den Preis auswirkt. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, nur das Auto zu kaufen und die Batterien im Leasing zu nehmen, was nicht nur den Preis besser aussehen lässt, sondern auch ein wenig die Hemmschwelle vor der neuen Technologie senken soll.

Zwei Beispiele für bekannte Modelle, wo der Elektroantrieb anstatt des Verbrennungsmotors integriert wurde, sind Mercedes B-Klasse und Kia Soul. Eine Lösung, die bei Tests durchaus überzeugte, ja sogar dem ganz normalen Autofahren am nächsten kam – bis auf die Reichweite.

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Bei VW Up und Golf ebenso wie Mercedes B-Klasse und Kia Soul handelt es sich um bewährte Großserienmodelle, die auch mit Elektroantrieb angeboten werden.

 

Die angebotenen Modelle unterscheiden sich erheblich in ihren Leistungsangaben, aber alle fühlen sich beim Fahren sehr gut motorisiert an – und alle haben das gleiche Problem: Je inten-siver man ihr Leistungspotenzial nützt, umso dramatischer sinkt die Reichweite.

Das Laden der Elektroautos

Wenn immer wieder von der geringen Reichweite der Elektroautos die Rede ist, vergisst man schnell eines: Auch die Zeit, die man zum Aufladen der Batterien benötigt, kann einen entscheidenden Beitrag zur Attraktivität eines Elektroautos leisten. Denn die Spanne der Möglichkeiten erstreckt sich von einer halben Stunde bis acht Stunden und mehr.  Und hier gilt es doch einiges zu beachten: Ein Modul zum Schnellladen am Auto muss beim Autokauf meist extra geordert werden und kostet oft mehrere tausend Euro zusätzlich. Die Installation einer echten Schnelllade-Einrichtung zu Hause ist technisch meist gar nicht möglich und sehr teuer, da mehr als ein 400-Volt-Starkstromanschluss in Wohnhäusern selten zur Verfügung steht.

Zum Schnellladen ist also eine öffentliche Ladeinfrastruktur notwendig, die gerade von Energieversorgern aufgebaut wird. Im Großraum Wien etwa bietet Wien-Energie Ladesäulen unterschiedlichster Ausstattung an. Das Netz der Verbund-Tochter Smatrics erstreckt sich über ganz Österreich und umfasst mittlerweile 300 Ladepunkte, viele davon schon als Schnellladestationen ausgeführt, wo ein schnellladefähiges Auto in einer Kaffeepause zu 80 Prozent geladen werden kann, also in rund zwanzig Minuten. Darüber hinaus bieten auch andere Energieversorger Ladesysteme an, allerdings gibt es noch kein Anbieter-übergreifendes Bezahlsystem. Aber auch das wird kommen.

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Es gibt mehrere Leistungsstufen und Technikstandards zum Laden von Elektroautos. Ganz oben der Stecker zum Laden von Wechselstrom, darunter das europäische und das asiatische System zum Laden von Gleichstrom an Schnellladestationen. Alles erscheint von Ferne sehr kompliziert, lässt sich aber im konkreten Fall leicht erklären.


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