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Goldrausch: Europa auf der Jagd nach den Batterie-Milliarden

Elektroautos kommen. Und sie brauchen Batterien. Die Batterieproduktion wird 2025 einen Markt von 250 Milliarden Euro haben. Und vier bis fünf Millionen Arbeitsplätzen bieten. Und das bitte in Europa.

25.10.2017 Online Redaktion

Die Elektromobilität wird in den kommenden Jahren der Mikronische entwachsen. Das eröffnet einen enormen Markt für Batterien, den Experten auf 250 Milliarden Euro im Jahr 2025 schätzen. Diskussionen um die Ladeinfrastruktur, die tatsächliche CO2-Belastung oder die Preise dürften sich dabei erübrigen, denn Regierungen werden Elektroautos per Gesetzgebung in den Markt drücken.

Batterieproduktion in Europa

Dabei muss man gar nicht bis nach China oder Shanghai geblickt werden, wo Elektroautoquoten und festgeschriebene Zulassungszahlen längst beschlossen sind. Auch hier in Europa gibt es umfangreiche Pläne. Ab 2025 dürfen in Norwegen nur noch Fahrzeuge neu zugelassen werden, die lokal emissionsfrei fahren. In Paris sollen ab 2030 keine entsprechenden Fahrzeuge mehr fahren. Die Briten verfolgen ähnliche Pläne für das Jahr 2040.

© Bild: BMW

Der Mehraufwand an Ressourcen bei der Herstellung wird  beim Fahren durch den  Wirkungsgrad des elektrischen Systems ausgeglichen.

Um einen einheitlichen und möglichst profitablen Kurs bei dieser Thematik zu fahren, hat sich jetzt auch die EU eingeschaltet. So gab es einen „Batteriegipfel“ unter der Leitung von Maros Sefcovic. Der ist EU-Kommissar für die Energieunion und damit zuständig für die Weiterentwicklung der Energiepolitik.

Das erarbeitete Strategiepapier wird dann im Februar 2018 präsentiert. Darin voraussichtlich verankert: Eine Elektroautoquote von 15 Prozent und ein europäischer Ansatz für eine Batterie-Allianz. Ähnlich dem Deutsch-Französischen Airbus-Projekt.

Elektroautoquote der EU

Über die Quote von 15 Prozent ab dem Jahr 2025 dürfte dann ab Februar viel diskutiert werden. Sefcovic verwies präventiv schon auf Studien, die einen Anteil der Elektrofahrzeuge von 25 Prozent im Jahr 2025 prognostizieren. Bei der Pressekonferenz im Februar würden wir dann gerne die Frage stellen, wozu es denn dann eine Quote von 15 Prozent braucht. Aber egal.

Tesla "D" Model S

Den europäischen Elektroautomarkt per Quotenregelung quasi zu subventionieren ist legitim. Die Mobilität der kommenden Jahrzehnte wird stark von den Ansprüchen des asiatischen Marktes geprägt sein. Und der verlangt nach Elektroautos und scheut die entsprechenden Gesetze und Subventionen nicht. Manchen Nachteil der Elektroautos gäbe es heute vielleicht auch gar nicht, würden Dieselantriebe nicht seit Jahrzehnten milliardenschwer unterstützt werden. Wer von freier Marktwirtschaft spricht, sollte auch entsprechende Chancengleichheiten schaffen.

Angebot und Nachfrage

Doch Elektroautos müssen mit Batterien ausgestattet werden – und genau hier will die Europäische Union den Rahm, respektive die Arbeitsplätze und Steuern abschöpfen. Beim Batteriegipfel trafen sich Vertreter von 40 Unternehmen (Auto- und Chemiebranche), die gemeinsam die entsprechende Akkus produzieren sollen.

Das hat seine Gründe. Zwar variieren die Kosten pro Fahrzeug und Batterie stark, die Faustregel ist jedoch, dass etwa ein Drittel der Kosten eines Elektroautos durch die Batterie verursacht werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Geld auch an den Batterieproduzenten geht, denn auch hier gibt es eine stark differenzierte Wertschöpfungskette.

© Bild: Smart

Die Energieversorgung ist seit Anfang der springende Punkt für die Elektromobilität.

Etwa ein Drittel der Batteriekosten wiederum müssen für die Rohstoffe aufgewendet werden. Also für Metalle und Metallsalze wie Lithiumkarbonat, Nickel, Kobalt und Mangan. Das Problem ist, dass die hierzulande allesamt nicht vorkommen. Dazu kommen noch Kosten für chemische Produkte und die Rohstoffverarbeitung.

Wo Geld verdient wird

Spannend wird es bei der Zellproduktion, die ein weiteres Drittel der Batteriekosten verursacht und um die es bei der europäischen Batterie-Allianz gehen soll. Das Problem ist, dass die Zellproduktion selbst nur Teil einer längeren Produktionskette sein soll. Dem angeschlossen ist noch die eigentliche Batteriemodulfertigung, die für ein Viertel der Batteriekosten verantwortlich ist. Hier finden sich auch die eigentlichen Unterscheidungsmerkmale der Hersteller, da jeder mit einer anderen Programmierung und Konfiguration arbeitet. Knowhow, das jede Automarke gern für sich behalten würde.

In diesen letzten Schritten steckt Potential für vier bis fünf Millionen Arbeitsplätze und 250 Milliarden Euro Umsatz. Zwar mag die EU eine Batterie-Allianz formen. Die Unternehmen sind aber freilich schon weiter. Und zwar ausgerechnet asiatische Firmen, die man eigentlich rechts überholen wollte.

© Bild: Mercedes-Benz

Die 48-Volt-Batterie wird in Lithium-Ionen-Technik ausgeführt und hat einen Energieinhalt von etwa 1,5 kWh.

Nicht abhängen lassen

So hat Samsung SDI in Ungarn bereits eine Batteriefabrik fertig gestellt. Die Produktion wird 2018 aufgenommen . Es werden Batterien für rund 50.000 Elektroautos gefertigt. Bereits im Bau ist ein Werk der Firma LG Chem aus Korea. In Breslau sollen ab 2018 rund 100.000 Akkus produziert werden – mittelfristig sogar 300.000.

Doch auch europäische Firmen haben schon Pläne. Mitte 2018 will Northvolt im Norden Schwedens eine riesige Gigafactory eröffnen – mit einer Maximalkapazität im letzten Ausbauschritt von 680.000 Akkus. Bosch und Volkswagen prüfen ebenfalls schon Investitionen. Dazu kommen neue Player wie TerraE – ein Konsortium deutscher Unternehmen. Angeblich stecken, neben kleineren Firmen, auch BMW und ThyssenKrupp dahinter.

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