Der Druck am Elektro-Automarkt steigt

Ein neues E-Auto aus den USA: der Lucid Air. 1.000 PS, über 600 Kilometer Reichweite – und ein Problem.

radical mag
Veröffentlicht am 19.12.2016

Es geht in dieser Geschichte um Lucid, einen neuen E-Auto-Hersteller aus den USA. Es geht in dieser Story aber auch um Tesla – und darum, wie weit abgeschlagen die europäischen Hersteller hinter den Amerikanern zurückliegen. Denn schon Lucid liegt Lichtjahre vor VW, Benz und Co. – und wird wahrscheinlich trotzdem keine Chance gegen Tesla haben.

Lucid Air, der Luxus-Tesla

Doch beginnen wir beim Lucid Motors Air, wie das neue Gerät heißt, das 2018 auf den Markt kommen soll. Es ist so etwas wie ein Model S, aber grösser, luxuriöser – ein E-Auto, das alle Vorteile eines E-Autos auch wirklich nutzt, also: mehr Platz und Luxus bietet. Außen wie innen ist der Air großartig, er ist im Vergleich zum Tesla ein bisschen wie First Class gegen Holzklasse auf einem Langstreckenflug. Der Touchscreen ist noch einmal 25 Prozent grösser, die Bedienung soll extrem einfach sein, dafür die Materialien so, wie man sich das bei einem 150.000-Dollar-plus-Auto vorstellt. Die Top-Version soll über eine 130-kWh-Batterie verfügen, also etwa 1.000 PS und eine Reichweite von über 600 Kilometer; es wird das alles auch günstiger geben.

Der Druck am Elektro-Automarkt steigt
© Bild: Lucid Motors

Der große Vorteil von Tesla, Ford und Volvo

Selbstverständlich soll der Lucid auch autonom fahren können. In der ersten Vorserien-Produkten sind sechs Radargeräte und eine Unmenge von Kameras montiert, dazu nutzt man die Software von LiDAR. Das ist heute «state of the art», noch fortschrittlicher als Tesla – doch wie sieht das 2018 aus? Tesla hat hier den großen Vorteil, dass seine Software jetzt schon auf der Straße ist, dass die Kunden die Versuchskaninchen sind – und dass die Updates quasi täglich passieren. Das Konzept von Tesla ist hervorragend: am meisten lernt man im Alltag, denn das wahre Leben können auch die besten Ingenieure nicht simulieren. Alle Hersteller, die jetzt mit echten Autos für richtige Menschen auf die Straße gehen, also Tesla, Ford und Volvo, werden in ein, zwei Jahren eine dermaßen großen Vorteil haben vor dem Theoretikern, dass sich dieser kaum mehr aufholen lässt. Ob Lucid Motors auch dazu gehören wird, muss sich noch weisen.

Der große Vorsprung Teslas

Was Lucid nicht haben und was auch allen Herstellern noch so richtig Kopfzerbrechen bereiten wird: die Infrastruktur. Da hat sich Tesla mit seinen Superchargern einen derart großen Vorteil verschafft, dass es fast schon beängstigend ist. Einen so großen Vorteil, dass es sich die Amerikaner sogar erlauben können, für das «Tanken» in Zukunft Geld zu verlangen (und damit dann auch Geld zu verdienen). Zwar haben sich Mercedes, Ford, BMW und VW jetzt zusammengeschlossen, um schon ab 2017 ein eigenes Netz von «charging stations» aufzubauen, doch: da springen sie reichlich spät auf den Zug auf. Zu spät, die Kosten werden immens sein – und der Vorsprung von Tesla eigentlich nicht mehr aufholbar. Ganz besonders nicht, weil in einer ersten Phasen nur gerade 400 Stationen geplant sind; Tesla wird weltweit bis Ende 2017 stolze 7.200 Supercharger in Betrieb haben. Und wer glaubt, dass die Amerikaner aus Fairness-Gründen nicht mehr weiter aufrüsten werden, der glaubt auch noch an den Osterhasen. Der Lucid Motors Air ist trotzdem eine feine Sache. Und er wird auf der Straße sein, wenn die bekannten Hersteller immer noch die Euros zählen, die sie investieren wollen. Und nein, wir gehören definitiv nicht zu den Tesla-Jüngern.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com


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