Weniger Alkolenker, mehr Drogenlenker: Ein neuer Trend?

So viele Drogenlenker wie noch nie zuvor wurden 2017 von der Polizei angezeigt, während die Zahl der Alkolenker rückläufig ist. Wie groß ist das Problem wirklich?

21.10.2017 Online Redaktion

Aber lässt sich aus diesen Zahlen wirklich ein aussagekräftiger Trend ableiten? Alles Wissenswerte dazu hier im Überblick:

Verkehrsstatistik zu Alkohol- und Drogendelikten

  • Von Anfang 2017 bis Ende September wurden in Österreich 1.504 Autofahrer angezeigt, weil sie unter Drogeneinfluss gefahren sind – das sind durchschnittlich immerhin über fünf Anzeigen pro Tag.
  • Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 wurden insgesamt 1.491 Anzeigen erstattet, 2015 waren es noch 1.068, 2014 847 und im Jahr 2013 732. Die Zahl der angezeigten Autofahrer wegen Drogenkonsums am Steuer hat sich also innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt.
  • Gleichzeit sind die Anzeigen wegen Alkoholdelikten stetig gesunken (Rückgang von 44.500 Delikten im Jahr 2007 auf knapp 30.300 Delikte im Jahr 2016).
  • In absoluten Zahlen bedeutet das aber auch, dass die Anzahl der Drogenlenker immer noch einen kleinen Bruchteil von der Anzahl der Autofahrer darstellt, die sich alkoholisiert hinters Lenkrad klemmen.

Was sind die Gründe für den prozentual massiven Anstieg von Drogenlenkern?

Wer hinter dem Anstieg einen generellen Anstieg an drogenkonsumierenden Menschen in Österreich vermutet, liegt laut eines Statements von Steve Müller (Drogenberatungsstelle Checkit Wien) falsch. Demnach ist die Anzahl der Drogenkonsumenten in Österreich seit Jahren stabil. Der Grund für den massiven Anstieg an Anzeigen sind verstärkte Polizeikontrollen hinsichtlich Drogenkonsums, die seit März auch im Rahmen eines Pilotprojekts des Innenministeriums österreichweit durchgeführt werden. Dabei kommen neun Drogenvortestgeräte zum Einsatz, der Probebetrieb läuft aber laut Angaben des Innenministeriums nicht problemlos.

Probleme bei den Kontrollen

Der Einsatz von Drogenvortestgeräten macht beispielsweise in Ballungsräumen wie Wien eher wenig Sinn, da es dort ohnehin ausreichend Amtsärzte zur Feststellung einer Beeinträchtigung bzw. von Fahruntauglichkeit gibt. Sinnvoller ist der Einsatz der Geräte somit eher im ländlichen Gebiet, wo es Engpässe bei der Verfügbarkeit von Amtsärzten gibt.

Aber: Um einen Drogenlenker auch rechtlich belangen zu können, ist zwingend ein Bluttest durch einen Amtsarzt notwendig.

Das Drogenvortestgerät ist somit nur Hilfsmittel für die Polizei, um festzustellen, ob Drogen konsumiert wurden und ein Amtsarzt verständigt werden sollte.

Die Geräte selbst können zwar innerhalb zehn Minuten Drogen im Speichel nachweisen, die Menge der Substanz in der Probe allerdings nicht. Immerhin kann mit den Vortestern aber festgestellt werden, ob der Drogenkonsum bereits länger zurückliegt oder zeitnah erfolgte.

Die Probleme bei der Feststellung von Fahruntauglichkeit

Da es aus gesetzlicher Sicht in erster Linie um die Beeinträchtigung des Fahrers geht, die festgestellt werden soll, wird in Österreich seitens des Verkehrsministeriums über die Einführung von Grenzwerten nachgedacht. Da es aber eine Vielzahl von Berauschungsmitteln gibt, muss eruiert werden, ob und bei welchen Substanzen solche Grenzwerte auch sinnvoll erscheinen.

Am Beispiel Deutschland sieht man, dass die Problematik dahinter nicht ganz einfach ist. Dort existiert bereits ein Grenzwert für Cannabis bzw. den Wirkstoff THC von 1 Nanogramm/ml im Blut.

Solche starren Grenzwerte mögen zwar leichter zu exekutieren sein. Da 1 Nanogramm/ml aber bei jedem Cannabiskonsumenten sehr unterschiedlich wirken kann, lässt sich daraus im individuellen Fall nur wenig über den tatsächlichen Grad der Fahruntauglichkeit ableiten.

Wie groß ist das Problem “Drogenlenker” wirklich?

Diese Frage lässt sich schwer beurteilen, da bisher wenig statistisches Material zur Auswertung verfügbar ist.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit nimmt aber an, dass etwa vier Prozent der Autofahrer in Europa unter Drogeneinfluss stehen. Andere Experten sprechen aber von einer Dunkelziffer, die wesentlich höher liegt.

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