Wie man dreckige Lkw in Kunst verwandelt

Der Russe Nikita Golubew nutzt stark verschmutzte Lkw als Leinwände für seine beeindruckenden Kunstwerke.

05.05.2017 Online Redaktion

Mit Pinseln und Wollhandschuhen bewaffnet zieht Nikita Golubew durch Moskau – immer auf der Suche nach dreckigen Lastwagen. Für diese hat der Russe nämlich eine ganz besondere Verwendung: Er nutzt sie als Leinwände für seine ungewöhnlichen Kunstwerke. Wenn die ehemals weiße Rückwand eines Lkw ein sattes Grau-Braun aufweist, ist sie für Golubews Zwecke gerade richtig: Der 35-jährige rückt dem Dreck mit dem Malerpinsel Schicht für Schicht zu Leibe, bis ein Bild überbleibt, das er mit seinem Künstlernamen “ProBoyNick” versieht. Meist zeigen seine Kunstwerke Tiere.

“Es ist wichtig, dass der Dreck dicht ist, um einen möglichst starken Kontrast herausarbeiten zu können”, so Golubew im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. “Zu fest sollte der Schmutz aber auch nicht sein.” Auf Instagram veröffentlicht “ProBoyNick” regelmäßig neue Fotos seiner Schmutz-Grafittis. Ein Video zeigt, wie der Dreck auf einem Lkw zum Kunstwerk wird:

See the video of the process on youtube (the link is on profile)

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Seit einem Monat zieht Golubew zwei bis drei Mal pro Woche im Morgengrauen durch seinen Stadtteil im Süden Moskaus. Auf seinen Streifzügen hat er bereits zahlreiche Fahrzeuge verschönert. Neben Lastwägen bekommen auch andere Fahrzeuge die Künstler-Spezialbehandlung – sofern die Schmutzschicht stimmt. Probleme hat ProBoyNick wegen seiner Straßenkunst noch nie bekommen. “Einmal kam ein Lkw-Fahrer und war so begeistert, dass er mich gefragt hat, ob ich das Bild nicht auch in Farbe malen kann”, erzählt der Künstler. “Niemand hat etwas gegen meine Arbeit. Das ist ja auch nur Dreck.”

Seit einigen Jahren arbeitet Golubew als freier Illustrator in der russischen Millionenmetropole. Neulich habe ein russischer Fernsehsender angefragt, ob er vor laufender Kamera ein Bild zum Tag des Sieges am 9. Mai – einem der wichtigsten Feiertage in Russland – machen könne. Dieses Angebot habe er abgelehnt, wie Golubew erzählt – denn er wolle mit seiner Kunst nicht politisch sein. Die Lkw-Fahrer der Stadt dürfen sich aber auch weiterhin über spontane Verschönerungs-Aktionen freuen. Eventuell wird man Golubews Bilder demnächst auch andernorts finden: “Der Sommer fängt gerade erst an”, so Golubew. “Vielleicht überlege ich mir auch einmal Straßenkunst mit Farben. Irgendwo, wo es niemanden stört.”

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