Testbericht: Citroën Nemo 1,4i Emotion

Immer mehr Autohersteller verstehen, dass man auch die Kundschaft mit klar begrenztem Budget fair zu behandeln hat.

01.10.2009 Autorevue Magazin

Vielleicht sollten wir doch zuerst einmal in der Preisliste nachschauen: 12.490 Euro inklusive Mehrwertsteuer und NoVA. Extras gibt es dann gar nicht mehr so viele: Metallic-Lack und MP3-Radio für zusammen 762 Euro hatten wir auch noch. Darüber hinaus gäbe es noch beheizbare Sitze, ein Reisepaket (Nebelscheinwerfer, Gepäcknetz, Dachreling) und ein Assistenzpaket mit Bluetooth-Radio und Einparkhilfe hinten. Das ist eine verlockende Ansage.

Jetzt fügen wir noch hinzu, dass dieser Mini-Minivan keine vier Meter lang ist, enorm viel Platz bietet und mit tadellosen Manieren daherkommt. Genetisch ist das Auto ein Lieferwagen und wird in einer Kooperation mit Fiat (Fiorino) und Peugeot (Bipper) in der Türkei hergestellt. Bei Fiat heißt die „Zivilversion“ mit Seitenfenstern hinten Qubo. Die blechernen Lieferwagenvarianten wollen wir jetzt aber schnell vergessen, mit dem einzigen Hinweis, dass die Hinterachse im Interesse einer hohen Nutzlast relativ hart gefedert ist, womit das Auto in Kombination mit dem kurzen Radstand auf schlechter Autobahn in eine Art Hoppelbewegung gerät. Das ist aber weiter nicht tragisch, solange man nicht täglich hunderte Kilometer über die Tangenten und Transversalen unseres Landes glüht.

Erstaunlich der Wohlfühlfaktor: Der Wagen ist bis in die hintersten Winkel hinein sehr sauber verarbeitet. Man könnte sagen, endlich wurde mit der Unsitte aufgeräumt, Menschen, die preisgünstige Autos kaufen, auch noch mutwillig zu quälen, um die etwas teureren Modelle besser dastehen zu lassen. Hier sind Klimaanlage und Fensterheber serienmäßig, genauso ist die Rücksitzbank geteilt, in jeweils einen herausnehmbaren Einzel- und Doppelsitz. Allerdings lassen sich die Seitenscheiben nicht ganz versenken. So kann man den Arm zwar noch am Fensterrahmen ablegen, aber nicht hinaushängen lassen.

Als alleinige Motorisierung dient das bewährte Peugeot-Aggregat mit 1360 Kubikzentimeter und 73 PS. Diesel gibt’s nur in der Nutzfahrzeugabteilung oder im Fiat Qubo. Der Benziner vereint jedenfalls ein kultiviertes Motorgeräusch mit tadellosen Fahrleistungen. Und wenn man ihn nicht gnadenlos über Autobahnen tritt, bleibt auch der Verbrauch unter 8,0 l/100 km. Dass die hinteren Schiebetüren eine feine Sache sind, brauchen wir wohl nicht zu erwähnen, genauso die niedrige Ladekante mit dem ebenen Kofferraumboden.

Die Nobelvariante eines Lieferwagens entwickelt sich hier zu einem eigenen starken Charakter: Reduktion des Automobils auf seine wichtigsten Aufgaben, ohne dem Besitzer ständig mitzuteilen, dass er ein armer Hund ist, weil er mit diesem Auto fahren muss.

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