Testbericht: Citroën DS3

Vier Meter Stil, Freundlichkeit und feingliedrig gewachsene Anmut. Und dabei nicht die leiseste Gefahr von Retro-Alarm.

01.04.2010 Autorevue Magazin

Verhandlung der Feldforschungsergebnisse, erste Frage: Was kostet das Hübschsein? So wie der DS3 dasteht – in Obsidian-Schwarz-Metallic mit weißem Dach, 120 Benzin-PS, spiegelnden Zierleisten und verchromten Seitenspiegeln –, exakt 17.990 plus 590 Euro für die äußerlich sichtbaren Extras. Aus Achtung vor der Kohle und ihrer mühevollen Beschaffung muss man festhalten, dass für diese Summe ein Student schon ordentlich lange Packel-Schupfen muss. Verglichen damit, dass es viel langweiligere Autos für ungefähr dasselbe Geld gibt, ist es aber ein recht attraktives Angebot. Wenn sonst im Kleinwagensegment Anflüge von Mut erkennbar werden, geht das oft in die Manga-Glupschaugen-Kuscheltier-Richtung oder ins pubertär-großspurige Pseudo-Tuning-Fach (oder es wird preislich echt schmerzhaft).

Anders der DS3. Da liegt gewachsene Anmut ohne lautes Marketing-Gewachel drin. Ein Kopfverdreher ist er, vor allem in dieser puristischen Farbgebung. Klassisches Schwarz/Weiß, angenehm resistent gegen Geschmacksdiskussionen. Es herrscht keinerlei Retro-Alarm, keine Kreativitäts-Überfrachtung.

Die ästhetischen Mittel, die Citroën beim DS3 wählt, sind fein über die gesamte Strukturtiefe verteilt. Völlig verblüfft ist man etwa über die enorme Stille in Innenraum. Ja, der Motor läuft schon, und ja, er wird knapp unterm Begrenzer bei 6000 Umdrehungen, wo die vollen 120 PS abzuholen sind, auch eine entsprechende Kleinwagen-auf-Hochtouren-Akustik entwickeln. Der Normal-Cruise-Modus durchs Stadtgebiet jedoch verläuft nahezu ohrenschmeichlerisch.

Verhandlung der Feldforschungsergebnisse, zweite Frage: Ja, er ist auf eine gewisse Art sportlich. Der Punkt ist die Zusammenführung von solider Substanz und fein dimensionierter Leistung. 120 PS sind ein erstaunlich gutes Mittelmaß, vor allem, wenn man einen Blick rundum tut, da gibt’s entweder nur deutlich weniger oder deutlich mehr anzukreuzen. Als Saugmotor ist der 1,6-Liter-Vierzylinder ohne Tücke. Wer aufdreht, kriegt etwas. 160 Nm bei 4000 Touren, zum Beispiel. Das ist nicht die Welt, aber immerhin. Die Fünfganggetriebe ist relativ lang übersetzt, man muss dranbleiben in jedem Gang, um das Potenzial auszuschöpfen, und vor allem zwischen Dritter, Vierter und Fünfter fleißig hin- und herschalten, um gut am Ball zu bleiben. Die Lenkung des DS3 ist, na sagen wir: ausreichend präzise und das Fahrwerk spürbar straff abgestimmt, was in glatten Kurven fein ist, einen aber die volle Härte der Kanaldeckelbuckelpisten spüren lässt.

Was dem Citroën abgeht, ist eine Start-Stopp-Automatik. Aus Gründen der inneren Ruhe. Man fühlt sich heute ohne nicht mehr ganz zeitgemäß. Zumal man mit all dem Style ja auch ziemlich in der Auslage steht. 8,1 Liter Durchschnittsverbrauch reichen jedenfalls nicht zum Angeben.

Verhandlung der Feldforschungsergebnisse, dritte Frage: Die überaus attraktiven Sport-Ledersitze unseres Testwagens kosten 1.200 Euro (= drei Monate länger Packel-Schupfen). Sie zahlen sich aber aus, weil sie raumfüllend Wirkung verbreiten, man sich ganz für sich daran erfreuen kann und auch vor allfälligen Mitfahrern als geschmackssicherer Zeitgenosse dasteht. An kühlen bis normalen Tagen wärmt man sich an der Sitzheizung, das Hellgrau wird hoffentlich der sommerlichen Hitzeaufladung die Spitze nehmen. Sehr apart finden wir auch die Cockpit-Landschaft aus hochglänzendem Kunststoff, der täuschend echt auf Klavierlack macht (leider gibt es serienmäßig kein Staubtuch im Handschuhfach). Das Aludekor ist natürlich auch nicht aus echtem Alu, wirkt jedoch würdig. Wie generell kein übertriebener Luxus vorgetäuscht, aber mit guten Materialien gearbeitet wird.

Frage vier beschäftigt sich mit allfälligen Schwachstellen. Der DS3 ist ein vier Meter langer dreitüriger Fünfsitzer. Das beschreibt alles, was an Engpässen da ist. Um hinten Platz nehmen zu können, muss man mit einigem Kraftaufwand den Sitzlehnenentriegler bedienen, die Lehne nach vorne klappen, dann den ganzen Vordersitz ein kleines – leider unzureichendes – Stück nach vorne schieben und sich durch die Öffnung zwicken. Raum erwartet einen dann ausreichend, solange die, die vorne sitzen, nicht sehr beleibt sind oder besonders lange Beine haben.

Am Weg in den Kofferraum gibt es eine deutliche Bordkante zu überwinden, und die umgeklappten Rücksitze ergeben keine ebene Ladefläche. Für einen Dreitürer sind das lässliche Makel, dieses Raumwunder-kann-alles-Getue geht einem weltoffenen Schöngeist ohnehin eher auf die Nerven. Immerhin hat man im Ernstfall knapp 1200 Liter Volumen zu füllen, das reicht. Dafür hat der DS3 eine neckisch abgesetzte Fensterkante, die schwarz auf schwarz leider nur unzureichend zur Geltung kommt. Und weil wir grad von Witz reden: das weiße Dach ist geklebt. Man kann es auch in anderen Farben, mit Zebramuster oder getupft bestellen. Das kommt auch aufs Punktekonto.

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