Testbericht: Citroën C3

Ein Kleinwagen. Oder: wie der Franzose die Welt sieht.

26.03.2010 Online Redaktion

Wir befinden uns direkt vor dem Aufstieg, vor einer Steilwand der Verkaufszahlen. Dem Gipfelsturm im kleinen Segment. Oh doch. Denn aus der Mittelklasse kommt jetzt die einstige Leistungselite runter­gerauscht. Die Autoindustrie begegnet diesem Trend mit neuem Design und macht die Kleinen erwachsener. Selbst in einen Renault Twingo und Ford Ka kann man heute schon ohne Würdeabrieb einsteigen, vom VW Polo und Mazda 2 ganz zu schweigen. Und jetzt also ­Citroëns neuer C3.
Auch wenn einem das optisch auf Anhieb nicht so klar wird. Man beließ es bei einem grundlegend kindlichen, rundlichen Design vulgo „Knutschkugel“. So würde ein Plüsch­auto aussehen, gäbe es den ­Teddybären nicht. Die Scheinwerfer laufen etwas spitzer zu, das war’s an Design-Aggressivität aber auch schon. Gut so. So mancher wird sich nach diesem Optik-Statement sehnen.

Gut auch der Innenraum. Die Qualitätsanmutung offensiv aufgetragenen Zwei-Komponenten-Klebers aus der ­Vergangenheit der Marke wich ­einer grundsoliden Verschraubung, gepaart mit dem guten Plastik. Nichts rappelt, nichts scheppert, und Motorengeräusche finden anderswo statt. ­Citroën weiß dies sogar in ­Zahlen zu pressen: das Dämm­material im Motorbereich wurde mehr als verdreifacht, jenes in den Türen verdoppelt.

Über mehr Gewicht muss man sich dennoch nicht ärgern. So wurde allein die Hinterachse um 13 Kilo leichter, was die Dämmung locker ausgleicht. Wer sich für das Topmodell entscheidet, bekommt 120 PS (zuständig für schlanke 1,1 Tonnen), segmentiert von einer 4-Gang-Automatik. Eine Wandlerautomatik. Das sei hervor­gehoben, weil man es anfangs nicht glaubt – die Schaltvorgänge werden derart ruckfrei­ ­erledigt, dass man ein CVT-­Getriebe vermutet.

Nein, Wandlerautomatik. Und die ist auf Stadtverkehr ausgelegt. Von unten raus flippert der C3 nur so von jeder Ampel weg. BMWs werden ­gebügelt, Audis gedemütigt, Porsche in Staunen versetzt. Wenn man den Tacho etwas weiter ausreizt, werden einem die Grenzen von vier Gängen (der oberste liegt schon bei Tempo 50 in der Stadt an) schnell bewusst und materialisieren sich in hohen Dreh­zahlen und entsprechender ­Geräuschentwicklung – wenn auch nicht so stark, wie befürchtet. Das Niveau, auf dem man bei Citroën mittlerweile jammern muss, hat erstaunliche Höhen erreicht.

Heißt in Summe: Stadt-Beau und Ampelflitzer ja, aber es gibt langstreckentauglichere Ware. Dem versuchen die fran­zö­sischen Ingenieure im Innenraum mit der bekannten Schrulligkeit entgegenzuwirken. Das Handschuhfach wurde weit nach unten und gen Motor gezogen. Dadurch kann der Beifahrer, wie Citroën vorrechnet, sieben Zentimeter weiter nach vorne rutschen als beim Vorgänger. Theoretisch. Praktisch weiß der Sozius dann nicht mehr, wohin mit Füßen und Schienbeinen. Dagegen unbestreitbar: Die Vordersitzlehnen sind dünner, was die hintere Beinfreiheit zwangsläufig erhöht. Um exakt drei Zentimeter.
Schönwetter-Fahrern sei ­übrigens die Panoramafrontscheibe empfohlen. Die kostet zwar 400 Euro Aufpreis, verdoppelt gefühlt aber das Tageslicht im Innenraum. Es sei denn, es ist Winter. Dann ­vermittelt sie einem das Gefühl, rundum von Eis, Schnee, Gatsch und Dreck eingehüllt zu sein. Also Rollo lieber runter.

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