Brexit-Studie: 1.000 Jobs in Österreichs Automobilbranche gefährdet

Experten zufolge würde die heimische Autozulieferindustrie bis zu 480 Mio. Euro weniger Umsatz machen – “ein harter Brexit nützt niemandem”

12.01.2018 APA

Im Falle eines harten Brexit sind in der österreichischen Automobilbranche rund 1.000 Jobs gefährdet. Zudem droht der heimischen Automobilzulieferindustrie ein Umsatzrückgang von rund 480 Mio. Euro, geht aus einer aktualisierten Analyse des Beratungsunternehmens Deloitte hervor. “Der Brexit stellt eine große Gefahr für Jobs in der österreichischen Automobilzulieferindustrie dar”, so Ben Trask, Partner bei Deloitte Österreich und Brexit-Experte, zur APA.

3.100 Beschäftigte in Österreich

Deloitte hat die potenziellen Folgen eine harten Brexit für die Automobilzulieferindustrie analysiert. Demnach werden in Österreich rund 3.100 Personen aufgrund des britisch-europäischen Autohandels beschäftigt. Durch einen harten Brexit würde die Beschäftigtenzahl auf rund 2.100 sinken.

480 Mio.Euro Umsatzrückgang prognostiziert

Der für die österreichische Automobilbranche prognostizierte Umsatzrückgang von 480 Mio. Euro entspricht rund 1,5 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. Der Rückgang entsteht zum einen direkt aufgrund der Abnahme der Automobilumsätze um rund 106 Mio. Euro, zum anderen vor allem indirekt durch den Rückgang der zugelieferten Autoteile um rund 375 Mio. Euro, erläutert Trask.

Minus 770.000 Autos

Der Gesamteffekt eines harten Brexit für den europäischen Autoabsatz – zum Zeitpunkt des voraussichtlichen EU-Austritts von Großbritannien 2019 – wird auf minus 770.000 Autos prognostiziert. Das entspricht rund 4 Prozent der aktuellen Automobilproduktion der EU in Höhe von 17 Millionen Autos. “Gleichzeitig würden die Umsätze europäischer Autoproduzenten um rund 20 Mrd. Euro sinken”, so Trask.

“Harter Brexit nützt niemandem”

Weiters rechnen die Berater im Falle eines harten Brexit mit zahlreichen weiteren Herausforderungen wie steigenden Bürokratiekosten oder längeren Lieferzeiten. Mittelfristig stehen zwischen Herstellern und Zulieferern auch erneute Vertragsverhandlungen an. Längerfristig sei mit unterschiedlichen Produktstandards im Vereinten Königreich zu rechnen, was zu steigenden Kosten sowie finanziellen und zeitlichen Aufwendungen für Zulassungs- und Patentverfahren führen könnte. “Ein harter Brexit nützt niemandem. Eine Entscheidung über diesen liegt allerdings nicht bei den Unternehmen, sondern bei den politischen Entscheidungsträgern. Was Unternehmen tun können, ist sich auf den ‘worst-case’ vorzubereiten”, so der Brexit-Experte. Für das Szenario eines harten Brexit wurden die Annahmen von WTO-Zöllen und ein 10-prozentiger Wertrückgang des britischen Pfund unterstellt.

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