Erst baute er Küchen, dann Rennautos

Die Modellgeschichte des Bocar XP-5 ist eine von diesen richtig guten Anekdoten und handelt von einem Küchenbauer, der sich einen Traum erfüllte.

radical mag
Veröffentlicht am 05.03.2017

Bob Carnes baute eigentlich Küchen um. Aber er muss das ganz anständig gemacht haben, er konnte es sich Anfang der 50er Jahre leisten, auf Glöckner-Porsche und Jaguar XK120 Rennen zu fahren; einmal ist er sogar Dritter geworden am Pikes Peak. Dann baute er in den Jaguar eine Cadillac-Maschine ein, das ergab dann den «Jagillac». Aber eigentlich träumte der Mann, der seine Werkstatt in Denver führte, immer davon, selber Autos zu bauen. Mechaniker oder gar Ingenieur war Bob zwar nicht, weil ja Küchen, doch ab 1957 wurde aus seinem Traum Realität. Es begann mit dem XP-1 und führte hin bis zum XP-4, und das Prinzip war immer das Gleiche: Er bastelte ein Chassis, zumeist aus hochfestem Chromoly-Stahl, darin verbaute er zugekaufte und bewährte Technik, stülpte eine (nicht immer absolut gelungene) Kunststoff-Karosse darüber – und fertig.

© Bild: RM Sotheby's

Der berühmte 327er Motor

Und er war gut, spätestens ab 1959, als er mit dem XP-5 auf den Markt kam. Es gab eine Mehrzahl von verschiedenen Chassis, entweder wieder aus diesem Chromoly-Stahl – oder dann auf einer modifizierten Triumph-Plattform. Beim Fahrzeug, das wir hier zeigen, einem von wahrscheinlich 15 gebauten XP-5, stammten auch die vorderen Bremsen von Triumph, hinten kamen sie von Chevrolet. Auch die Hinterachse samt dem manuellen 4-Gang-Getriebe kam von Chevy – und selbstverständlich auch der Motor, der berühmte 327er. Weil so ein Bocar nicht einmal 1000 Kilo wog, aber über 300 PS zur Verfügung hatte, darf man sich die Fahrleistungen als ganz ordentlich vorstellen. Die Bocar galten damals als feine Renngeräte, sie hatten ein gutes Fahrwerk, sie hatten Kraft, sie waren einfach zu fahren – und sie kosteten nicht die Welt. Aber leider brannte 1962 die kleine Fabrik von Bob Carnes ab; danach hatte er keine Lust mehr, weitere Bocar zu bauen.

© Bild: RM Sotheby's

Was kostet so ein Bocar heute?

Wie viele Bocar noch existieren, das weiß man nicht. Heute kosten sie etwa 200.000 Dollar, wie dieses Exemplar, das in Amelia Island von RM Sotheby’s versteigert werden wird; mit guter Renngeschichte sind sie teurer. Aber sie gelten heute halt als wunderbare Maschinen für Historic Racing.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com


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