BMW X2: Das frontgetriebene SUV-Coupé

Präsentierte BMW einst Coupés, dann kochte das Blut vor Emotionen und Fans wie Neider sabberten vor Freude. Zu Recht. Doch irgendwann wurde alles anders. Und dann kam der BMW X2. Ein Kommentar.

28.10.2017 Online Redaktion

Der BMW X2 wird sich super verkaufen. So viel vorweg. Die Zielgruppe ist in der Theorie, wie bei jedem Kompakt-Crossover jeder Marke, jung und urban. Und das wollen die Käufer, die sich den Wagen dann in der Praxis tatsächlich zulegen, auch sein. Das Konzept liegt im Trend, es kann also nichts schief gehen. Zumal BMW vor lauter Rendite die Tür nicht mehr zukriegt.

Nischenbohrer BMW X2

Die BMW-Fangemeinde ist trotzdem gespalten. Coupés dieser Marke waren mal flache Dynamikphantasien und aerodynamische Drift-Träume. Im Lauf der Zeit musste der Begriff „Coupé“ gedehnt werden wie ein Expander, um die entsprechenden Modelle der Marke überhaupt noch zu inkludieren. So mussten Fans auch vier Türen und Geländewagen akzeptieren.

© Bild: BMW

Noch einmal einen Schritt weiter geht der BMW X2. Auf die Coupé-Optik, die beim BMW X6 und BMW X4 dank extrem schräger Heckscheibe immerhin auszumachen ist, verzichtet der Wagen beinahe vollständig. Kleine Fensterflächen machen noch lange kein Coupé – fragt Fahrer von Renault Espace und Land Rover Discovery.

Frontantriebs SUV

Dazu kommt, dass der BMW X2 auch plattformtechnisch gar nichts mehr mit seinen gradzahligen Namensvettern X4 und X6 gemein hat. Der Wagen basiert auf der Frontantriebsplattform des X1. Hier entstanden auch schon die BMW-Vans und der Mini-Countryman. Bedeutet: Frontantrieb in Serie, Allrad gegen Aufpreis. Und das in einem vermeintlichen BMW Coupé.

Ein Ausdruck „von moderner und extrovertierter Fahrzeugdynamik“ soll der BMW X2 sein, sagt zumindest Adrian von Hooydonk. Der muss es wissen, der ist schließlich der Chefdesigner. Das mag auf das Fotomodell in gelb noch vage zutreffen – und die Farbwahl hat seine Gründe – in der Realität dürfte der Restwert-Erhaltungstrieb aber zu einem schwarz-grau-weißen Gesamtbild beitragen.

© Bild: BMW

Kofferraum und Tieferlegung

Im Vergleich zum X1 sind die Überhänge beim X2 kürzer (minus acht Zentimeter) und die Gesamtbauweise niedriger (minus sieben Zentimeter). So wird immerhin das Coupé-Versprechen vom grundsätzlich geringerem Kofferraumvolumen eingehalten – X1: 505-1.550, X2: 470-1.355 Liter. Das passt. Denn auch die Konkurrenz (Mercedes GLA, Volvo XC40) macht es nicht besser.

Wer es sportlicher angehen möchte, der gönnt sich eine M-Sport-Variante. Die bauen zehn Millimeter tiefer. Wem der Widerspruch des SUV-Kaufens, um es der Sportlichkeit halber tiefer zu legen, nicht aufgefallen ist, der möge bitte Zugreifen.

SUC und SAC statt Coupé

Natürlich wird der BMW X2 ein grundsolides Auto werden (Markteinführung ist März 2018), an dem es, ohne Geschmacksfragen zu tangieren, nichts zu bekritteln geben wird. Allein: Warum nennt BMW diesen Wagen noch Coupé? Der Name funktioniert einfach nicht mehr. Seit dem X6 gibt es den Begriff SAC – Sports Activity Coupé (sein optischer Vorgänger, der SsanYong Actyon, hieß noch „SUC“ – also Sports Utility Coupé). So erfolgreich die dazugehörigen Autos sind, so erfolglos ist das Kürzel. Wer diesen Fahrzeugen in der Umgangssprache einen Namen gibt, der verwendet niemals Begriffe wie „Sport“, „Aktiv“ oder „Coupé“.

SsangYong Actyon
© Bild: SsangYong/archiv

Als der BMW X6 noch aus Korea kam.

Der BMW X2 wurde nicht für klassische BMW-Fahrer entwickelt. Er dient dazu, ein boomendes Segment soweit aufzubohren, bis für jede Splittergruppe der passende Wagen beim Händler steht. Plattform- und Gleichteilestrategie sei dank werden dabei Kosten minimiert und die Marge maximiert. Das ist nicht falsch, ganz im Gegenteil. Vielleicht bleiben so ein paar Euro für die Entwicklung klassischer BMW-Coupés übrig. Mit Reihensechszylinder und Heckantrieb. Als Nischenprogramm für die Ewiggestrigen. Wir würden uns freuen.

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