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Wer ein autonomes Auto will, muss ein guter Fahrer sein

Autonome Fahrzeuge müssen regelmäßig die Kontrolle über das Auto an den Fahrer übergeben. Welche Probleme es dabei gibt, das untersuchen gerade FWF und die Universität Salzburg.

18.06.2018 Online Redaktion

Falls jemand die Unfälle mit Tesla und Uber nicht mitbekommen hat: Level drei des autonomen Fahrens steht bevor. Diese Stufe heißt auch „Bedingungsautomatisierung“ und sieht vor, dass der Fahrer in bestimmten Situationen das Steuer wieder übernehmen muss. Dabei kann es zu Problemen kommen. Welche das sind, damit befasst sich gerade ein Projekt, das der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) zusammen mit Universität Salzburg durchführt. Die ersten Ergebnisse hat der FWF bereits veröffentlicht.

Wenn der Fahrer fahren muss

Doch halt, das war missverständlich. Die Unfälle, die derzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, passierten mit autonomen Fahrzeugen auf Level 2 – oder „teilauotnomen“ Fahrzeugen. Genau genommen dürften Fahrer in diesen Autos die Hände nicht vom Lenkrad lassen. Das ist für den Fahrer der großer Unterschied zu Level 3. Hier müssen die Fahrer das Lenkrad nicht mehr berühren und können sich anderen Tätigkeiten widmen.

Doch genau hier ist das Problem. Denn in besonderen Situationen muss der Fahrer das Lenkrad wieder übernehmen. Alexander Meschtscherjakov, Projektmitarbeiter dieser Kooperation, im Interview mit Scilog, dem Blog des FWF, dazu: „In besonderen Situationen, wenn etwa die Sensoren ausfallen oder das Wetter schlecht ist und das System überfordert ist, muss ich als Fahrer dann übernehmen, habe aber womöglich nicht die nötige Übung.“

© Bild: Volvo

Vorbild Luftfahrt

In der Luftfahrt ist das Alltag. Übergibt hier der Autopilot die Kontrolle wieder an einen menschlichen Piloten, muss ein exaktes Protokoll eingehalten werden, damit es nicht zu einem Unfall kommt. In dieser Branche ist es auch üblich, dass Piloten eine gewisse Menge an Meilen manuell fliegen müssen, damit sie nicht aus der Übung kommen. Eine Vorgehen, das wohl auch im Straßenverkehr notwendig werden dürfte.

Denn schon in den Befragungen der Projektteilnehmer kam heraus, dass die meisten Fahrer davon ausgehen, dass die sensomotorischen Fähigkeiten eher abnehmen dürften, wenn länger nicht gefahren wird. Neben der Befragung besteht das Projekt aus einer Computersimulation, die sich auf das Übergabeprotokoll konzentriert (das Ergebnis wird derzeit noch zur Veröffentlichung vorbereitet).

© Bild: Daimler AG

Zukunft der autonomen Autos

Zwar glaubt Meschtscherjakov durchaus, dass Level-3-Fahrzeugen in den kommenden Jahren auf der Straße zu finden sein werden – auf ausgewiesenen Fahrstreifen oder in abgesperrten Innenstadtbereichen – doch geht er eben auch davon aus, dass der Autopilot nicht die Fähigkeiten des Fahrers wird ersetzen können: „Die Fahrfähigkeiten müssen sogar eher höher sein.“

Dass es sich bei Level-3-Fahrzeugen nicht um grundsätzlich abwegige Technik handelt, fand Deloitte in einer Studie heraus. Die Wirtschaftsprüfer befragten zu diesem Thema 22.000 Konsumenten in 17 Ländern. Das Ergebnis ist, dass lediglich 41 Prozent der Befragten Sicherheitsbedenken gegenüber dem autonomen Fahren haben. Eine erstaunliche Zahl. Lag diese doch 2017 noch bei 67 Prozent. Deloitte führt diesen Anstieg auf eine sehr offene Kommunikationsstrategie zurück, wenn es zu Unfällen kam.

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So denken die Kunden

Dass 59 Prozent der Kunden ein grundsätzliches Vertrauen in die Technik haben, schlägt sich auch in der Zahlungsbereitschaft nieder. Immerhin 64 Prozent sind bereits, für selbstfahrende Autos mehr zu bezahlen. Hier sind die Unterschiede länderspezifisch aber sehr hoch. Während in Deutschland und Österreich die Hälfte der Kunden nicht bereits ist, mehr Geld auszugeben, sind es in Japan nur 30 Prozent.

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