Audi stoppt Auslieferung weiterer Dieselautos

Rückruf zehntausender A6 und A7 mit A6 und A7 eingebauten Sechszylinder-Diesel mit 271 PS droht – höhere Ziele für Elektroautos treten nach neuen Manipulationsvorwürfen in den Hintergrund

09.05.2018 APA

Audi ist mit einem weiteren Verdacht auf Abgas-Tricksereien erneut in die Kritik geraten. Der Ingolstädter Autobauer stoppte die Auslieferung der Modelle A6 und A7 mit 271-PS-Dieselmotor. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt leitete eine Anhörung ein, wie ein Sprecher am Dienstag in Flensburg sagte.

Neuer Manipulationsverdacht

Zuvor hatte “Der Spiegel” über den jüngsten Manipulationsverdacht berichtet. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sagte, der jüngste Verdachtsfall sei vergangene Woche bei internen Prüfungen entdeckt und dem KBA in Flensburg gemeldet worden. Dabei gehe es um den seit 2014 in rund 60.000 Fahrzeuge vom Typ A6 und A7 eingebauten Sechszylinder-Diesel mit 271 PS. Laut “Spiegel” wurden die Fahrzeuge zwar mit einem SCR-Katalysator zur Beseitigung der Stickoxide ausgerüstet. Aber damit die Autofahrer den Harnstoff nicht selbst nachfüllen müssten, habe Audi die Einspritzung des Harnstoffs zur Reinigung gedrosselt, und das Auto habe zu viel Stickoxid in die Luft geblasen.

Weltweit 60.000 Autos im neuen Fall betroffen – vorerst

Stadler sagte, Audi untersuche systematisch alle Motoren. Dass mit weiteren Rückrufen zu rechnen sei, hatte er schon im März angekündigt. Für 156.000 hat das KBA bereits Rückrufe angeordnet, aber für 200.000 Fahrzeuge standen noch Prüfungen oder Bescheide aus. Im jüngsten Fall sind laut KBA in Deutschland 33.000, weltweit 60.000 Autos betroffen. Bestätigt sich der Einbau einer unzulässigen Abschalteinrichtung, drohen weitere Rückrufe.

Höhere Ziele für Elektroautos werden zur Randnotiz

Stadler kündigte am Dienstag an, Audi wolle 2025 bereits 800.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen, also ein Drittel der ausgelieferten Fahrzeuge. Mercedes-Benz und BMW sind vorsichtiger und planen je nach Kundennachfrage mit einem Anteil von 15 bis 25 Prozent. Dieses Jahr werde Audi sein erstes reines Elektrofahrzeug auf den Markt bringen, den SUV Audi e-tron, und bis 2020 ein elektrisches SUV-Coupé, einen Sportwagen und ein Kompaktauto. Statt heute drei sollen die Kunden dann sieben Plug-in-Hybride im Angebot finden.

Diesel und Beziner sollen trotzdem “zukunftsfähig” bleiben

Audi wolle bei Elektromobilität “die Nummer eins unter den Premiumanbietern werden” und zudem mit digitalen Geschäftsmodellen 2025 bereits eine Milliarde Euro Betriebsgewinn erwirtschaften, sagte Stadler. Aber er werde “alles daran setzen, auch Diesel und Benziner zukunftsfähig zu halten”, weil sie auch 2025 den Großteil der Verkäufe ausmachen würden.

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