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Illegale Abgas-Software auch bei Audi in Europa

Der deutsche Verkehrsminister Dobrindt gab bekannt, dass Audi eine “unzulässige Abschalteinrichtung” eingebaut habe. Diese habe erkannt, wenn das Auto auf einem Prüfstand war, und die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet.

Veröffentlicht am 02.06.2017

Die VW-Tochter Audi gerät im Abgas-Skandal stark unter Druck. Der Autoproduzent habe eine “unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut”, sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war – dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet.

Audi entschuldigte sich für “Unannehmlichkeiten”

Bisher war Audi in Deutschland keine illegale Abschalteinrichtung nachgewiesen worden. Audi teilte mit: “Bei jüngsten Analysen (…) zeigten sich in bestimmten Situationen NOx-Überschreitungen zwischen 20 und 100 Prozent des Grenzwerts.” NOx bezeichnet gesundheitsgefährdendes Stickoxid. “Grund ist, dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird”, teilte Audi weiter mit. Das Unternehmen entschuldigte sich für die “Unannehmlichkeiten” und betonte, es arbeite eng mit den Behörden zusammen.

24.000 Fahrzeuge werden zurückgerufen

Der Rückruf der rund 24.000 betroffenen Fahrzeuge beginne voraussichtlich im Juli, so Audi. Davon seien 14.000 Autos in Deutschland zugelassen, der Rest in anderen europäischen Ländern. Dobrindt sagte, VW müsse bis zum 12. Juni Lösungsvorschläge zur Umrüstung übermitteln. Er habe bereits mit VW-Chef Matthias Müller gesprochen.

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Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt

Weitere Modelle sollen untersucht werden

Dobrindt kündigte an, dass nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersucht werden sollen. Welche Modelle, werde derzeit im Ministerium besprochen. Es sei vereinbart worden, dass für alles, was in den Konzernmarken auffällig wird, auch der Konzern die Verantwortung trägt.

Abschalteinrichtungen nicht illegal?

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte im VW-Konzern war im September 2015 ans Licht gekommen. In den USA hatte VW deswegen Milliarden zahlen müssen. In Europa und Deutschland ist VW aber der Auffassung, dass Abschalteinrichtungen in seinen Dieselmotoren gar nicht illegal gewesen sind. “Gestern sind Auffälligkeiten bei Fahrzeugen der Modellreihe A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren erkannt geworden”, sagte Dobrindt. Die betroffenen Fahrzeuge mit Motoren nach Abgasnorm EU5 seien zwischen 2009 und 2013 gebaut worden.

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Prüfstand vs. Echtbetrieb

“Es handelt sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung”, so Dobrindt. Die Abschalteinrichtung nehme wahr, wenn das Fahrzeug im Prüfstand stehe. Also: Wird das Lenkrad nicht bewegt, arbeitet die Abgasreinigung wie vorgeschrieben. Sobald das Lenkrad mehr als 15 Grad eingeschlagen wird, erhöht sich der Ausstoß von gesundheitsschädigendem Stickoxid (NOx). Die Mitarbeiter von Volkswagen hätten diese Situation auch erkannt und sofort kooperativ mit den KBA-Fachleuten gesprochen. “Man kann davon ausgehen, dass dieses kooperative Verhalten auch weiterhin bei der Aufarbeitung dieser Situation vorhanden ist”, sagte Dobrindt. Der Minister betonte: “Klar ist, dass die Fahrzeuge nicht in dem Zustand bleiben können – und deshalb auch der verpflichtende Rückruf.”

Diesel-Affäre soll “nie wieder passieren”

Audi und VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA rund 83.000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft hatten, die niedrigere Abgaswerte angibt. Die Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet. Audi-Chef Rupert Stadler sagte bei der Jahrespressekonferenz im März dieses Jahres: “Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand.” Die Aufarbeitung sei “noch lange nicht abgeschlossen”. Aber sein Unternehmen tue alles, “dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert”.

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Audi-Chef Rupert Stadler

Razzia während Jahrespressekonferenz

Während der Jahrespressekonferenz hatten mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autobauers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hatte “ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung” eingeleitet. Mit den Aktionen soll geklärt werden, wer an der Verwendung der Abgas-Software im VW-Konzern und an Falschangaben beteiligt gewesen sei. Im Abgasskandal geht es um weltweit rund 11 Millionen betroffene Fahrzeuge der VW-Gruppe.


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