1936 Zeitmaschine Peugeot 302 Was sonst noch geschah
Der Sport war bei den Nazis politischer denn je.
 

1936 – Was noch geschah

Als die Kultur missbraucht wurde. Und von Mitläufern wie Mitdenkern.

11.08.2011 Autorevue Magazin

Die große Nazi-Schau

Sowohl die Olympischen Winter- als auch die Sommerspiele 1936 finden in Deutschland statt. Die alpinen Herren-Skirennen werden von Österreich wegen strenger Profiauslegung boykottiert – Skilehrer gelten als Profis und dürfen nicht teilnehmen. Der Medaillenspiegel ist propagandistisch nur schwer auszubeuten: 1. Platz Norwegen (15 Medaillen), 2. Platz Deutschland (6), 6. Platz Österreich (4). Besser funktioniert das schon im Sommer in Berlin, von den Machthabern angelegt als Leistungsschau eines friedliebenden, in die Weltgemeinschaft gut integrierten Dritten Reiches (aus Angst vor einem ­Boykott dürfen sogar eine Halbjüdin und ein Kommunist ins deutsche Olympiateam). Die Deutschen räumen 98 Medaillen ab, die Amerikaner als Zweite 56. Nur der Schwarze Jesse Owens, unangefochtener Superstar der Spiele (viermal Gold), versaut dem Führer die Show.

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Ob Hitler ihm den Handschlag verweigert, ob es aus organisatorischen Gründen nicht dazu kommt oder ob es abseits der Kameras doch einen gibt, ist bis heute umstritten. Auf jeden Fall schreibt der Athlet später in seiner Biographie, Hitler hätte ihm zugewunken (klingt unwahrscheinlich), während der US-Präsident Roosevelt ihm nicht einmal ein Glückwunsch-Telegramm geschickt habe, weil er, mitten im Wahlkampf, nicht die Wähler aus den Südstaaten verärgern habe wollen.

Mitläufer und Mitdenker

1936 findet in Bielefeld der 1. Reichsposaunentag statt, veranstaltet von Johannes Kuhlo, dem Gründer der evangelischen Posaunenbewegung in Deutschland. Kuhlo ist Antisemit und Mitglied der NSDAP und bringt es in dieser Hinsicht so weit, dass er sogar Adolf Hitler höchstpersönlich auf dem Obersalzberg Choräle vorblasen darf.

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Dessen Reaktion ist nicht überliefert, aber von einer Vorliebe für Choräle ist nichts bekannt. Erstmals aufgeführt wird in diesem Jahr Charlie Chaplins Film „Moderne Zeiten“, in dem er sich ein weiteres Mal mit Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und dem ­Leben des amerikanischen Tramps auseinandersetzt.

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Der 1930 in die USA emigrierten Marlene Dietrich bietet Propagandaminister ­Joseph Goebbels 1936 an, nach Deutschland zurückzukehren und dort unter ihr genehmen Bedingungen Filme zu drehen. Sie lehnt ab und wird während des ­Krieges zu einer Zentralfigur der Truppenbetreuung in der US-Armee.

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Zwei Österreicher und ein Höhenflug

Im Dezember 1936 werden zwei Österreicher wissenschaftlich allerhöchst ausgezeichnet. Otto Loewi bekommt den Nobelpreis für Medizin gemeinsam mit dem Engländer Henry Hallett-Dale für Studien zur Übertragung von Nervenimpulsen. Und Victor Franz Hess teilt sich den Physik-Nobelpreis mit dem Amerikaner Carl David Anderson für Arbeiten über die kosmische Strahlung. Im September stellt der Franzose Maurice Claisse mit einem Gyroplane-Laboratoire, dem ersten praktisch einsetzbaren Hubschrauber der Welt, einen Höhenrekord von 158 Metern auf. Bis sich Helis als Fluggeräte etablieren, sollen trotzdem noch an die 15 Jahre vergehen.

Otto Loewi:

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