Das erste frontgetriebene US-Auto, das es nie gab

Das Ruxton Model C war das erste amerikanische Automobil mit Frontantrieb. Und hat eine tragische Geschichte.

radical mag
Veröffentlicht am 30.03.2017

Eigentlich gab es Ruxton gar nicht. Das kam so: So etwa 1926 war ein amerikanischer Ingenieur namens William Muller davon überzeugt, dass dem Frontantrieb die Zukunft gehören würde. Er begann mit der Konstruktion eines Automobils, so quasi von: Null. Er baute also einen 4,4-Liter-Reihenachtzylinder, er baute auch ein manuelles 3-Gang-Getriebe, er baute alles zusammen und das Getriebe hinter das Differential (dafür musste er den Motor «verkehrt» einbauen) – und ging dann mit seiner Idee hausieren. Er kam damit zu Budd Coachbuilders in Philadelphia, damals einem der besten Namen unter den amerikanischen Karosseriebauern, und konnte Archie Andrews, einen der Geschäftsführer von Budd, von seinem Projekt überzeugen. Andrews hatte wiederum beste Beziehungen zur Wall Street, suchte dort Investoren – und schoss das Geld vor, damit mit dem Bau des Fahrzeugs begonnen werden konnte. Zu seinem Namen kam Ruxton, weil Andrews den steinreichen William V.C. Ruxton überzeugen wollte, sein Geld auf das Projekt zu setzen. Das Problem: Ruxton machte nicht mit – aber die neue Marke hatte jetzt einen Namen. Noch ein anderes Problem: die Produktion lief wenige Tage nach dem «schwarzen Freitag» (der eigentlich ein Donnerstag war…), dem Börsen-Crash von 1929, bei der Moon Motor Car Company in St.Louis an. Der Ruxton war nichts anderes als das erste frontgetriebene US-Auto – allein schon das sichert ihm einen prominenten Platz in der Automobil-Geschichte.

© Bild: RM Sotheby's

Großartige Eleganz und einmalige Lackierung

Aber es war ein großartiges Fahrzeug, das da entstand. Das Design des Ruxton Model C stammte von Joseph Ledwinka, dem Cousin des berühmten Tatra-Designers – und war für seine Zeit schlicht großartig. Die Bauweise mit dem Frontantrieb ermöglichte es, die Linien etwa 25 Zentimeter tiefer anzusetzen als bei den damals zeitgenössischen Fahrzeugen, was eine großartige Eleganz ergab. Einige Fahrzeuge waren in der hier zu sehenden «rainbox»-Lackierung, die Künstler Joseph Urban entworfen hatte, bemalt – noch so ein einmaliges Feature damals.

Diese Licht-Signaturen!

Und dann reden wir doch mal noch von den Licht-Signaturen, auf die heute alle Hersteller so stolz sind, die sie gern als so extrem modern und tralala preisen. Beachtet hier bitte die Lampen des Ruxton, geliefert von Woodlight, genannt «cat eyes». Na? Wir schreiben das Jahr 1929, sprich: gab es alles schon. Bloß, das nützte Ruxton alles nicht: zwischen 1929 und 1931 wurden gerade einmal 96 Autos gebaut, dann war schon wieder Schluss.

© Bild: RM Sotheby's

© Bild: RM Sotheby's

Das hier gezeigte Exemplar, ein 1932 Ruxton Model C Sedan, wurde 2016 von RM Sotheb’s um 357.500 US-Dollar versteigert. Und übrigens: Ähnlich außergewöhnliche Automobile sind etwa der Bocar XP-5 oder auch das H.R.G. Airline Coupé.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com


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