Der Citroën C4 Cactus Airstream soll auf 100 Kilometern nur 2 Liter verbrauchen
 

Diese Autos unterbieten sich beim Verbrauch

Ob jetzt 1 oder 2 Liter-Autos die Markttauglichkeit von Sparfüchsen wird angezweifelt, ändert sich das mit den neuen von Citroen und Renault?

23.09.2014 radical mag

Die neuen Modelle sollen pro 100 Kilometer zwei Liter (Citroën C4 Cactus Airstream) oder gar nur einen Liter (Renault Eolab) verbrauchen. Klar, das gibt es in Form des Volkswagen XL1 ja schon. Und, das Teil kann man ja sogar kaufen, sofern einem die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Aber, vom Nutzwert her ist der zweisitzige XL1 weit von der Alltagstauglichkeit eines Citroën C4 Cactus entfernt. Beginnen wir also mit dem Modell, welches unserer Ansicht nach ziemlich bald auf den Markt kommen könnte, dem Citroën.

Das Rezept für weniger Verbrauch

Natürlich bedient man sich bei PSA den üblichen Tricks, um den Verbrauch zu senken. Sehr schmale Leichtlauf-Reifen und Kameras statt konventioneller Außenspiegel. Auch wenn man die elektronischen Rückspiegel derzeit in der Schweiz gar nicht zulassen kann. Natürlich spielt beim Citroën auch die Gewichtsreduktion eine große Rolle.

Beide setzen auf Kameras statt konventioneller Außenspiegel

Beide setzen auf Kameras statt konventioneller Außenspiegel

Der Citroen C4 Cactus Airstream – Abspecken ist angesagt

Der eh schon leichte C4 Cactus erhielt eine neuerliche Schlankheitskur. Die Reduktion um 100 kg gegenüber dem Serienmodell (knapp 1.000 kg) gelingt allerdings nur durch den Einsatz teurer Materialien wie Aluminium und Verbundmaterial. Trotzdem, wenn das Teil wirklich nur 865 kg wiegen sollte, ziehen wir den Hut. Denn der «Airflow» bekommt ziemlich viel Zusatzgewicht aufgebrummt.

Der Luftantrieb

Neben dem Dreizylinder-Benziner werden auch noch Druckflaschen für Pressluft montiert. Genau, Citroën zieht die Hybrid-Air-Technologie weiter. Dieses System setzt auf Luft statt Lithium. Statt Akkus zu laden und mit der elektrischen Energie einen Strommotor zu betreiben wird einfach Luft gespeichert und mittels einer Pumpe zum Antrieb genutzt. Das soll das System zwar nicht ganz so effizient wir herkömmliche Hybridsysteme machen – aber viel billiger. Mit einer ausgefeilten Aerodynamik soll der Citroën auf einen Durchschnittsverbrauch von zwei Liter (Benzin) pro 100 Kilometer kommen.

Beim Citroen C4 Cactus Airstream wird die Luft gespeichert und mittels einer Pumpe zum Antrieb genutzt

Beim Citroen C4 Cactus Airstream wird die Luft gespeichert und mittels einer Pumpe zum Antrieb genutzt

Reichweite des Renault Eolab

Einen anderen Weg geht Renault mit dem Versuchsfahrzeug Eolab. Zwar ist auch dort ein Dreizylinder-Benziner mit an Bord, doch er wird «konventionell» mit einem Elektromotor gekoppelt. Mit einer Akkuladung (6,7 kWh) soll der Renault 60 Kilometer weit kommen und rein elektrisch bis zu 120 km/h schnell sein.

Der leichte Low-Rider

Die Basis des Eolab ist eigentlich der Renault Clio. Diesem wurde aber eine massive Abmagerungskur verschrieben. Satte 400 kg leichter soll der Eolab sein und nur 955 kg wiegen. Trotz des aufwändigen Hybridsystems mit Akku’s und Elektromotor. Das geht natürlich nur, wenn man ziemlich teure Materialien einsetzt. So besteht das Dach des Eolab aus Magnesium und wiegt nur 4,5 kg. Gespart wird auch bei der Verglasung. Die Scheibendicke beträgt nur 3 Millimeter, knapp zwei Millimeter weniger als eine Standard-Scheibe. Und: die Heckscheibe besteht gar aus sehr leichtem Kunststoff. Zudem kann sich der Renault klein machen. Dank Luftfederung senkt sich die Karosserie bei Tempi über 70 km/h um bis zu 25 mm ab.

Citroen C4 Cactus Airstream

Citroen C4 Cactus Airstream

Kosten des Renault Eolab

Es ist schon klar zu erkennen: Luftfederung, Magnesium und jede Menge Akku’s – das kann nicht billig werden. Zudem sieht der Renault noch wie ein Versuchsträger aus. Das futuristische Interieur ist elegant, dürfte es so aber nicht in die Serie schaffen – aus Kostengründen.

Welches dieser Sparwunder kommt also zuerst auf den Markt?

Ziemlich sicher der eher konventionelle Citroën, denn die Technik ist bereits vorhanden und der Materialmix scheint bezahlbar. Und das ist der Punkt bei Kompaktautos mit alternativen Antrieben. Werden sie zu teuer, kauft sie niemand. Und das kann ja nicht der Sinn der Sache sein. Nur um auf Ausstellungen mit Öko-Autos gut dazustehen lohnt der Aufwand nicht. Nicht alle Hersteller haben eine Kriegskasse wie der VW-Konzern. Deshalb ist davon auszugehen, dass beide Modelle irgendwann in Serie gehen. Bleibt die Frage nach dem Fahrspaß. Und da wird’s: schwierig.

Renault Eolab

Renault Eolab

Die Frage nach dem Warum

Zudem sei die Frage gestattet ob sich der ganz technische Aufwand lohnt. Denn jede Komponente, die zusätzlich in ein Auto kommt ist grundsätzlich ein Hort für Fehler und Pannen. Ob es also all die Systeme braucht, wenn man schon heute mit einem völlig konventionellen Auto mit unter vier Liter pro 100 Kilometer auskommen kann (unser Dauertest-Citroën, ein C4 Cactus 110 beweist das gerade), ist eine Frage, die man in diesem Zusammenhang stellen muss. Aber, und das muss man dem mächtigen VW-Konzern zu Gute halten: sie haben den 1-L-Auto angeschoben. Und nur dank solcher Innovationen bewegt sich auch die Konkurrenz. Sogar die in Frankreich.

Besten Dank an die Kollegen von radical-mag.com

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