Mary Barra bei GM – Keine weiteren Schrottkarren

Ein Blick auf die Pläne von General Motors unter der neuen Chefin Mary Barra. Volkswagen taumelt in den USA, Chevrolet zieht sich aus Europa zurück.

Veröffentlicht am 12.12.2013

Mary Barra wird 2014 Chefin von General Motors. Zur Erinnerung: General Motors ist der zweitgrößte Autohersteller der Welt und Mary ein Frauenname. Während also hierzulande noch über Chancengleichheit und Frauenquote diskutiert werden muss, zeigt die USA wie es in der Praxis geht. Dabei wäre ein weiteres Lehrbeispiel gar nicht nötig gewesen – Pepsi (Indra Nooyi), Yahoo (Marissa Mayer), IBM (Virginia Rometty) und Hewlett-Packard (Meg Whitman) werden allesamt von Frauen geleitet.

Mary Barra – die neue Chefin bei General Motors

Die Karriere, die Mary Barra für diese Position qualifiziert, könnte übrigens männlicher nicht sein. Als sie 1981 bei General Motors in der Fabrik in Flint anfing, war sie 18 Jahre alt. Eine „eher rauere Umgebung“, wie Barra selbst zugibt. An vergleichbaren Punkten ihrer Karriere war Martin Winterkorn Doktorand am Max-Planck-Institut, Ferdinand Piëch war auf einem Internat in der Schweiz und Norbert Reithofer sollte die Uni erst mit 31 Jahren verlassen.

Mary Barra ist neue Chefin bei General Motors GM Chevrolet zeht sich aus Europa zurück Cadillac kommt nach Europa Volkswagen mit Problemen in den USA
Mary Barra leitet ab 2014 General Motors.

GM finanzierte Barra im Rahmen seines High-Potential-Programm später ein Studium zur Elektroingenieurin. Es folgte ein äußerst gradliniger Aufstieg, den sie vor allem ihrem Talent verdankte, Vorgänge einfach zu halten.

So war sie in der Produktentwicklung unter anderem für den Chevrolet Impala und den Cadillac CTS verantwortlich. Beides Autos, die in den USA große Erfolge feiern konnten. Ihr Motto fasste sie mit den Worten zusammen: „Keine weiteren Schrottkarren.“ Als Personalchefin kürzte sie den zehn Seiten langen Dresscode von General Motors auf einen Satz zusammen: „Kleiden Sie sich passend.“

Barra löst im kommenden Jahr Dan Akerson an der Spitze ab. Der hatte den Posten erst 2010 bekommen und war für den Umbau des Konzerns nach der Pleite und der Rettung durch den Staat zuständig. Eine Aufgabe, die Akerson mehr als nur erfolgreich abschloss. Allein im ersten Quartal erwirtschaftete sein Konzern 2,6 Milliarden Dollar Gewinn. Akerson gibt den Chefposten auf, um sich um seine Frau zu kümmern, die an einer schweren Krebserkrankung leidet.

Chevrolet zieht sich aus Europa zurück

Auch wenn Barra ein gesundes Unternehmen übernimmt, sind die Aufgaben gewaltig. Zum einen muss sie die Marke Chevrolet aus Europa holen. Der Rückzug wurde bereits bekannt gegeben: ab Ende 2015 wird es – abgesehen von der Corvette und dem Camaro – keine Chevrolet Modelle in Europa mehr geben. Bei Opel dürften also die Sektkorken knallen.

Mary Barra ist neue Chefin bei General Motors GM Chevrolet zeht sich aus Europa zurück Cadillac kommt nach Europa Volkswagen mit Problemen in den USA
Stephen Girsky verkündet den Rückzug von Chevrolet. Opel feiert.

Als ein Grund für die Krise der Marke Opel wurde oft Chevrolet genannt. Beide Marken bieten baugleiche Fahrzeuge an, Chevrolet aber oft für ein paar Euro weniger. In den ersten zehn Monaten waren das in Europa immerhin 126.000 Auto. Eine Zahl, die nichts als Probleme bringt. Stephen Girsky, der GM-Vize nannte das Finanzergebnis der Marke „inakzeptabel“. Opel braucht diese Stückzahlen aber wie einen Bissen Brot.

Im Gegenzug möchte General Motors die Präsenz von Cadillac in Europa stärken und so auch sein Image mehr in die Premiumecke rücken. Die billigeren Chevrolet-Modelle sollen nur noch in Russland und Asien verkauft werde.

Mary Barra ist neue Chefin bei General Motors GM Chevrolet zeht sich aus Europa zurück Cadillac kommt nach Europa Volkswagen mit Problemen in den USA
Cadillac will sich verstärkt um Europa kümmern.

Volkswagen mit Problemen in den USA

In den USA muss sich General Motors vor allem gegen Volkswagen wehren. Auch wenn die Marke derzeit mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Zwar legt der US-Markt kräftig zu (es werden 16 Millionen verkaufte Autos für 2013 erwartet), Volkswagen muss aber mit einem Absatzrückgang umgehen lernen – fünf Prozent im Jahresmittel. Die Zuwächse von Audi können das noch nicht ganz ausgleichen. Um den Turnaround zu schaffen plant Volkswagen die Einführung eines großen SUV in den USA.


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