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Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Melk neben einem überfluteten Reisebus auf einem Parkplatz am Montag, 3. Juni 2013
 

Hochwasserschäden: ÖAMTC warnt Fahrzeugbesitzer

ÖAMTC: Auto keinesfalls selbst starten, wenn es unter Wasser war. Richtiges Vorgehen bei Versicherungsfällen.

03.06.2013 APA

Der ÖAMTC riet am Montag zu Vorsicht bei der Inbetriebnahme von Fahrzeugen nach Hochwasserschäden. Das Auto sollte keinesfalls selbst gestartet werden, wenn es unter Wasser war, so die Vereinigung in einer Aussendung. „Wenn der Motorraum eines Autos unter Wasser war, muss aus Sicherheitsgründen eine Abschleppung erfolgen“, so ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Warnung vor Wasserschlag

Denn: „Wenn sich Wasser im Zylinder befindet, kann bei einem Startversuch der sogenannte ‚Wasserschlag‘ auftreten, ein Motorschaden kann die Folge sein.“ Wenn Sand und Wasser ins Fahrzeuginnere geraten sind, können außerdem Schäden an Fahrwerk und Bremsen auftreten, die sich eventuell erst Monate nach dem Unglück zeigen. Eine Überprüfung des Bremssystems durch einen Fachmann ist also dringend anzuraten.

So erkennt man, was nach dem Hochwasser am Kfz überprüft werden sollte:

– Ist die Wasserlinie unterhalb der Felgenmitte, sind in der Regel keine Funktionsprobleme zu erwarten. In diesem Fall sind alle beweglichen Teile sowie die elektrischen Installationen noch über der Wasserlinie. „Nur die Traggelenke und Spurstangengelenke sollten neu abgeschmiert werden“, riet der ÖAMTC-Techniker.

– Wenn die Wasserlinie über der Radmitte liegt, sind bereits Radlager und Antriebswellen betroffen. Wenn das Fahrzeug diesen Bedingungen über mehrere Stunden oder sogar Tage ausgesetzt ist, dringt Wasser in die Lager und Gelenke ein. „Dort bleibt es leider auch nach Absinken des Wasserspiegels“, sagte Kerbl. Ebenfalls betroffen ist der Auspuff, der durch das Wasser korrodieren kann.

– Steigt der Wasserspiegel über die Türunterkante, dringt Wasser in den Innenraum und in die Hohlräume der Karosserie ein. So können tiefer liegende Teile der Elektrik Schaden nehmen. „Ein Werkstattaufenthalt ist unausweichlich“, so der ÖAMTC-Experte.

– Ist die Motorhaube unter der Wasserlinie, dringt auch Wasser in den Ansaugtrakt des Motors und über den Auspuff bis zu den Auslassventilen. Ein Starten des Motors, so der Starter überhaupt noch funktioniert, muss auch nach Sinken des Wasserniveaus unterlassen werden. Fahrzeuge, die mehrere Stunden derart tief im Wasser waren, müssen anschließend gründlich in einer Fachwerkstatt trockengelegt werden. Bei Fahrzeugen älteren Datums kommen die Reparaturkosten einem Totalschaden gleich.

Richtiges Vorgehen gegenüber Versicherungen nach Hochwasserschäden am Fahrzeug

Wer nach dem Rückgang der Pegelstände Schäden an seinem Fahrzeug entdeckt, kann sich langwierige Streitereien mit der Versicherung durch richtiges Vorgehen ersparen. „Schäden sollten mit Fotos dokumentiert und der Versicherung unverzüglich gemeldet werden“, riet ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer. „Einen Startversuch, der einen Motorschaden zur Folge haben kann, sollte man tunlichst unterlassen. Die Versicherung kann in diesem Fall die Leistung verweigern.“

Ob die Versicherung einen Hochwasserschaden überhaupt zahlt, hängt von einigen Faktoren ab. „Nur wer über eine abgeschlossene Kaskoversicherung verfügt, hat Anspruch auf finanzielle Entschädigung“, erklärte der ÖAMTC-Experte. Im Rahmen einer Teil-oder Vollkaskoversicherung sind die Reparatur- und Abschleppkosten bis zur nächsten Werkstätte oder zum Schrottplatz gedeckt. „Bei einem Totalschaden wird die Ersatzleistung aus der Differenz vom Zeitwert des Fahrzeuges vor dem Schadensfall und dem Restwert des Wracks berechnet. Für ÖAMTC-Mitglieder empfiehlt es sich, sich bei Unsicherheiten zunächst an die Juristen des Clubs zu wenden“, so Hoffer.

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