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Damit das eigene Auto nicht zum Roulette wird: Erst nachrechnen und vergleichen!
 

Der Kosten-Check: Was kostet Autofahren wirklich?

Erfahren Sie hier, wieviel ein Auto wirklich kostet und wie groß die Unterschiede zwischen den Modellen sind.

18.11.2014 Online Redaktion

Wer sich einen Bugatti Veyron Grand Sport zum Neupreis von 2,38 Millionen Euro kaufen kann, der ist wohl aus pekuniärer Sicht aus dem Gröbsten raus und muss sich um die Höhe des Benzinpreises nicht kümmern. Das Gros der Autofahrer hat andere Sorgen. Zwar hat sich bei den Treibstoffkosten die Lage seit Herbst 2014 entspannt. Trotzdem sind in den vergangenen Jahren – mit Ausnahme von 2009 – die Kosten für den Betrieb eines Autos durchwegs stärker gestiegen als die Nettolöhne. Deren nomineller Zuwachs konnte nicht mithalten. Das bedeutet, dass ein immer größerer Teil des verfügbaren Einkommens für die eigenen vier Räder ausgegeben werden mussten.

Wer sparen will (bzw. muss), kann weniger oder langsamer fahren, in einzelnen Fällen vielleicht ganz auf das Auto verzichten oder sich zumindest ein billigeres Modell zulegen. Für die letztere Strategie sind die Zeiten im Moment übrigens besonders günstig. Die Krise der europäischen Automärkte führt dazu, dass die Zahl der Neuzulassungen sinkt – weshalb Produzenten und Händler großzügige Rabatte gewähren, um den Absatz anzukurbeln.

Grundvoraussetzung für alle Sparüberlegungen ist jedoch, zu wissen, wie hoch die Kosten des eigenen Autos überhaupt liegen.

Der Kosten-Check: 8.097 Autos am Prüfstand

Der Autofahrerklub ÖAMTC hat dafür die tatsächlichen Gesamtkosten der in Österreich erhältlichen Automobilmodelle erhoben. Während die Analyse im Vorjahr für 4.442 Fahrzeuge erstellt wurde, umfasst die aktuelle Auswertung sogar über 8.000 Modelle. Erstmals werden nun unter anderem auch Cabrios und Geländewagen berücksichtigt.

Damit wird der steigenden Popularität von sogenannten „Sport Utility Vehicles“, kurz SUVs, Rechnung getragen. Thomas Stix, Leiter der Technik-Info des ÖAMTC: „Wie die Zulassungszahlen zeigen, entscheiden sich immer mehr Autokäufer für einen SUV. Im nahezu gleichen Ausmaß dazu ist die Beliebtheit von Family-Vans gesunken.“ Exoten oder Sportwagen werden dagegen nicht berücksichtigt, weil deren Nutzungsbedingungen laut ÖAMTC zu unterschiedlich sind.


Die Liste aller 8.097 Fahrzeuge ist hier abrufbar (Excel-Datei).

Die Berechnung stellt auf Neuwagen ab, die über fünf Jahre hinweg jährlich 12.000 Kilometer gefahren werden. Stichwort Neuwagen: Den Autoherstellern gelang es seit Jahren, den Spritverbrauch neuer Modelle zu drosseln. Laut dem Fuhrpark-Dienstleister LeasePlan konnte etwa der französische Autokonzern Citroën den Verbrauch des Citroën C5 seit 2006 um 17 Prozent reduzieren. Ein 3er-BMW schluckt aktuell um 11,4 Prozent weniger Diesel auf 100 Kilometer als das Modell von vor sieben Jahren, ein VW Passat benötigt um 9,2 Prozent weniger Treibstoff.

Reduktionen beim Verbrauch und die im Vergleich zum Vorjahr tieferen Spritpreise dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei Neuwagen der Löwenanteil der Kosten vom Wertverlust herrührt. So beträgt der Anteil des Wertverlustes an den monatlichen Kosten beim VW Golf Trendline 1,6 BMT TDI exakt 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Monatsausgaben für Kraftstoff fallen bei dem Mittelklassewagen, der neu um 23.190 Euro zu haben ist, nur mit rund zwölf Prozent ins Gewicht.

Noch viel dramatischer ist der Anteil des Wertverlustes an den Gesamtkosten bei Luxusfahrzeugen. Das zeigt das Beispiel des Jaguar XJ 5,0 V8 S/C Ultimate LWB. Bei dem Nobelschlitten, dessen Neupreis sich auf 213.230 Euro beläuft, gehen 80 Prozent der Gesamtkosten auf den Wertverlust zurück.

Der Erfolg liegt im Einkauf

ÖAMTC-Experte Stix: „Beim Kauf von Neuwagen wird meist vor allem auf einen geringen Verbrauch geachtet. Damit blenden Autofahrer aus, dass der Wertverlust der wichtigste Kostenfaktor ist. Beim Autofahren liegt das größte Sparpotenzial im günstigen Einkauf.“ Das legt etwa die Anschaffung eines Vorführ- oder Jahreswagens nahe. Und macht deutlich, wie wichtig das Handeln um Rabatte ist, die in der jetzigen Situation relativ leicht zu kriegen sind.

Auch die Ausstattung mit teuren Extras will wohl überlegt sein. So wirken sich etwa ein Park-Distance-Control-System oder die Klimaanlage positiv auf den Wiederverkaufswert aus. Dagegen erzielt ein Kleinwagen, der mit einer teuren Lederpolsterung ausgestattet ist, als Gebrauchtwagen keinen höheren Preis als das Modell mit Grundausstattung – erhöht aber die durchschnittlichen Kosten. Ein Problem sind gebrauchte Fahrzeuge, die bei Verbrauch und bei Umweltfreundlichkeit schlecht wegkommen. Thomas Stix: „Ein gebrauchter SUV mit Drei-Liter-Benzinmotor ist nahezu unverkäuflich.“

Treiber der Gesamtkosten: der Bleifuß

Eine forsche Fahrweise schraubt den Benzinverbrauch deutlich nach oben. Wer es ruhiger angeht und vorausschauend fährt, kann rund zehn Prozent der Treibstoffkosten sparen. Wer darüber hinaus Leichtlaufreifen aufzieht, den Reifendruck gegenüber den Herstellerangaben um 0,2 bar erhöht sowie Leichtlauföl einfüllt, spart noch einmal rund zehn Prozent Sprit. Der Verbrauch sinkt um einen weiteren Liter je 100 Kilometer, wenn die Klimaanlage ausgeschaltet wird.

Trendiges SUV oder günstiger Kombi

Laut Kalkulation der Deutschen Energie-Agentur (dena) birgt der Umstieg von einem PKW der Kompaktklasse auf einen Kleinwagen wegen des geringeren Benzinverbrauchs bei einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern 420 Euro Sparpotenzial im Jahr. Dennoch müssen Fahrer beim Wechsel der Fahrzeugklasse bei der Motorisierung keine Abstriche machen. Liegt doch den Berechnungen jeweils ein Auto zugrunde, dessen Motor eine Leistung von 92 kW aufweist.

Stefan Haendschke, Vize-Bereichsleiter für energieeffiziente Verkehrssysteme der dena: „Wer ein neues Auto kauft, sollte abwägen, welche Fahrzeugart die Bedürfnisse erfüllt. Da stellt sich die Frage, ob ein SUV nötig ist, oder ob nicht ein Kombi ausreicht, der eine halbe Tonne weniger wiegt. Häufig taugt ein Kleinstauto als Zweitwagen, in vielen Fällen wäre Carsharing am günstigsten.“

Auch der Vergleich von Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller mit gleichen Leistungsmerkmalen, aber unterschiedlichem Spritverbrauch legt Sparpotenzial offen. dena-Experte Handschke: „Bei Modellen gleicher Größe beträgt die Abweichung beim Verbrauch bis zu 20 Prozent.“ Wie sich das auf die Geldbörse auswirkt, zeigt die Berechnung für Mittelklasse-PKW mit Zwei-Liter-Motor. Demnach verursachen Benzinschlucker jährlich rund 480 Euro mehr Spritkosten als sparsamere Autos.

2.478 Euro sparen bei der Versicherungs-Prämie

Auch bei der Auswahl der Versicherung macht nur der Vergleich sicher. So stellt die Allianz als Bestbieter bei einem neuen VW Polo Cool – 1,2 Liter Hubraum, 44 kW, Fahrer ist ein 35-jähriger Mann, Bonus-Malus-Stufe 9 – bei einer Versicherungssumme von 15 Millionen Euro für die Haftpflichtprämie 427 Euro in Rechnung. Beim teuersten Anbieter am heimischen Markt beträgt die Prämie 829 Euro. Der Vollkaskoschutz, der wiederum bei der Allianz am günstigsten ist, schlägt inklusive motorbezogener Versicherungssteuer mit 1.202 Euro zu Buche. Beim teuersten Anbieter kostet die gleiche Versicherung mit 2.368 Euro Prämie fast doppelt so viel.

Winsurance-Makler Werner Widauer: „Speziell in der Oberklasse liegen die Angebote der Assekuranzen extrem weit auseinander.“ So verrechnet die Allianz bei einem Mercedes E 250 CGI Blue Efficiency Elegance (35-jähriger Mann, Bonus-Malus-Stufe 9, Neupreis inklusive Extras 62.000 Euro) 4.106 Euro Jahresprämie für die Vollkasko. Das Angebot der teuersten Assekuranz liegt um 2.478 Euro darüber.

Bei der gemeinsamen Nutzung eines fahrbaren Untersatzes haben heimische Fahrer Aufholbedarf. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wird Carsharing in der Schweiz bezogen auf die Gesamtbevölkerung zehn Mal häufiger genutzt als hierzulande.

VCÖ-Experte Gansterer: „Im Schnitt wird ein PKW in Österreich eine Stunde pro Tag gefahren, 23 Stunden lang steht das Auto am Parkplatz.“ Mittels Carsharing kommen vor allem Fahrer, die im Jahr weniger als 12.000 Kilometer unterwegs sind, auf ihre Rechnung. Bei einem Hyundai i30, der im Jahr 5.000 Kilometer gefahren wird, bringt Carsharing laut VCÖ gegenüber dem eigenen PKW im Jahr 1.700 Euro Ersparnis. Mit einem Renault Mégane Grandtour sind bei gleicher Fahrleistung sogar 2.100 Euro pro Jahr drinnen.

Wer dem Privat-PKW zugunsten öffentlicher Verkehrsmittel entsagt, kann die Privatkasse sogar um mehrere Tausend Euro im Jahr schonen. Das gelingt selbst gegenüber Autos, deren Gesamtkosten nur 30 oder 40 Cent je Kilometer betragen.

Robert Winter

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  • Tibor Nehr

    Interessante Betrachtungen, guter Beitrag. Und ich wünsche Euch, dass Ihr für die Werbe-Einschaltung der Allianz viiel Geld bekommen habt und das nicht Gegenstand eines „Anfütterungs“-Vorwurfs wird…

  • Bernhard Dorfmann

    Ergänzung und affirmative Umformulierung letzter Absatz: „Wer auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad setzt, hat mehrere tausend Euro/Jahr mehr im Geldbeutel …“. Weil „entsagen“=“verzichten“=nicht wirklich attraktiv, isn’t it.

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