"Sportlich fahren hat nicht nur mit Schnelligkeit zu tun."
 

„Da musst du nicht gar so ein schlechtes Gewissen haben“

Walter Röhrl im Gespräch*): Über den Spaß am ökonomischen Autofahren, das Schöne an alten Autos und die Tücken des Alters.

08.01.2015 Autorevue Magazin

Walter, im März werden Sie 68 Jahre und sind beim Testfahren immer noch ungeschlagen schnell. Wann und woran spüren Sie Ihr Alter?

An der Motivation, den Kick zu erleben, daran merke ich es. Es ist nicht so, dass ich Schwierigkeiten mit dem Sehen oder mit der Reaktion hätte. Ich hab gesehen, dass ich es noch kann. Das kann ich aber nur sagen, weil ich es IMMER mache. Macht man es länger nicht, kann man sich zwar erinnern wie es war, hält aber nicht mehr mit.

Wenn aber einmal einer schneller mit dem Auto fährt als ich, dann ist Schluss. Das muss man dann konsequent machen.

Wenn aber einmal einer schneller mit dem Auto fährt als ich, dann ist Schluss.

Wenn aber einmal einer schneller mit dem Auto fährt als ich, dann ist Schluss.

Und woran merken Sie, dass sich etwas verändert hat?

Ich denke heute mehr daran, was passieren könnte. Und zwar aus technischer Sicht. Ich glaube immer noch nicht, dass ich einen Fehler mache, aber die modernen Autos, die ich teste, sind mittlerweile so verdammt schnell, dass der Nürburgring generell schon zu gefährlich geworden ist für diese Autos.

Kürzlich mit dem Turbo, ich fahr mit 309 km/h über die Kuppe und sag mir: Wenn jetzt nur das Geringste passiert, flieg ich bis zum Dorint-Hotel. An solche Sachen habe ich früher nicht gedacht.

Weil es immer schneller wird?

Das hängt natürlich mit den Geschwindigkeiten zusammen. Früher bin ich an der Stelle eben halt mit 260 km/h gefahren. Aber vielleicht ist es auch die Vernunft. Ich habe 40 Jahre Motorsport unbeschadet überlebt, und dann fahre ich in der Fuchsröhre mit 250 km/h und denke mir: Hoffentlich bricht die Felge nicht. In der Fuchsröhre ist nämlich einem Testfahrer vor zwei Jahren die Felge gebrochen und das bringe ich nicht mehr aus dem Kopf. Jedes Mal, wenn dort fahre, denke ich daran. Die Nordschleife hat sich mit den Geschwindigkeiten nicht mitentwickelt wie die Grand-Prix-Strecken.

"Die Nordschleife hat sich mit den Geschwindigkeiten nicht mitentwickelt wie die Grand-Prix-Strecken."

„Die Nordschleife hat sich mit den Geschwindigkeiten nicht mitentwickelt wie die Grand-Prix-Strecken.“

Das war bei den Rallyes damals aber auch so.

Ja. Monte Carlo bin ich am Anfang mit 150 PS gefahren und am Schluss mit 535. Und es war der gleiche Baum, die gleiche Felsmauer. Das war natürlich auch das Faszinierende daran, dass du derjenige bist, der es bestimmt, und nicht noch 30 Meter dazugeteert worden sind.

Wenn Sie früher ein Auto zerstört haben, hat Sie das ja richtig gehend krank gemacht. Sind Sie da heute gelassener?

Bei den ersten fünf Rallyes, die ich gefahren bin, habe ich nie etwas kaputt gemacht, aber dann im ersten Jahr bei Ford ist zweimal etwas passiert. Das waren die Situationen, in denen ich wochenlang unausstehlich war und krank. Das war wahrscheinlich auch Erziehungssache, es war in meinem Kopf verankert, dass man auch fremde Dinge aufpassen muss, wobei mich das im Wettkampf letztendlich nie zurückgehalten hat.

"Es war Erziehungssache, dass man auf fremde Dinge aufpassen muss, wobei mich das im Wettkampf letztendlich nie zurückgehalten hat."

„Es war Erziehungssache, dass man auf fremde Dinge aufpassen muss, wobei mich das im Wettkampf letztendlich nie zurückgehalten hat.“

Das ist auch heute noch so. Bei der heurigen Ennstal Classic mit dem Bergspyder, zum Beispiel. Das ist ja der einzige Achtzylinder, den es noch gibt. Der dürfte so an die drei Millionen wert sein. Wenn ich mit dem den Berg hinauffahre, denke ich nicht daran und habe einen Riesenspaß dabei.

Es ist nicht so, dass einen ein derartiger Wert beim Schnellfahren behindern würde?

Wenn ich fahre, überwältigt mich dieses Gefühl, dass der Mensch und das Auto eine Einheit wird. Dazu braucht es eine gewisse Geschwindigkeit. Solange ich nur so dahinfahre, wird das nichts. Für mich ist es erst Autofahren, wenn ich an die physikalische Grenze komme. Das ist das Schöne an alten Autos. Da kommt die natürlich viel früher als bei den modernen und man muss nicht so ein schlechtes Gewissen haben, wenn man auf der Straße das Fahren genießen will.

Und bei modernen Autos?

Es ist perfekt, wie die modernen Autos fahren. Aber im Prinzip auch langweilig. Letztens kommt einer mit einem Audi RS6 zu mir. Er hat mich gebeten, ich soll ihm zeigen, was sein Auto kann. Ich hab ihm gesagt: Ich kann doch nicht auf der Straßen fahren wie ein Gestörter. Und nur so rumfahren, das hat ja nichts mit Autofahren zu tun.

"Es ist perfekt, wie die modernen Autos fahren. Aber im Prinzip auch langweilig."

„Es ist perfekt, wie die modernen Autos fahren. Aber im Prinzip auch langweilig.“

Müssen Sie immer an eine Grenze gehen, um Spaß zu haben?

Sportlich fahren hat nicht nur mit Schnelligkeit zu tun. Das heißt auch, dass ich einfach sparsam fahre. Sparsam in der Lenkbewegung. Ich habe weniger Fahrtwiderstand, verbrauche wenig Reifen, wenig Benzin, wenn ich vor einer Kurve nicht runterbremse und den Schwung mitnehme. Das ist für mich sportliches Autofahren. Das ist der Punkt. Das müssen die Leute auch lernen: Nicht nur schnell fahren, sondern auch so, dass es Spaß macht.

 

*) Das Interview fand im Rahmen des Garagenbesuchs bei Walter Röhrl im Bayrischen Wald statt. Die Geschichte über die Rückkehr zweier Autos, die schon einmal da gewesen sind, ist in der Jubiläums-Ausgabe der Autorevue ”50 Jahre“ nachzulesen.

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  • Toni

    einfach großartig der Walter!

  • Mist

    Es kann doch jeder was dagegen machen, wenn öffentliches Gut zerstört wird.
    Einfach konsequent anzeigen.
    Auch, wenn wieder mal so eine Drecksau einfach den Aschenbecher auf die Strasse kippt.

  • Josef Eibel

    Der Satz;
    Es war Erziehungssache, dass man auf fremde Dinge aufpassen muss!
    ist genau das was in der heutigen Gesellschaft fehlt.
    Alle Achtung, großartig,… das ist noch ein richtiges Vorbild,
    denn heute werden -nicht eigene-„fremde Sachen“, dazu gehört auch öffentliches Gut -nicht eigenes-, überhaupt nicht mehr respektiert. Das sieht man tagtäglich auf der Straße und öffentlichen Plätzen.
    Diese Einstellung alleine würde dem Staat, der ja wir sind, Millionen wenn nicht Milliarden einsparen!

    Ein echtes Vorbild!

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