Audi R18 e-tron quattro Le Mans Training
Kein sicherer Siegkandidat: die Audi R18 e-tron quattro können den Speed von Toyota und Porsche nicht mitgehen.
 

24 Stunden von Le Mans 2014 – Vorschau

55 Fahrzeuge starten am Samstag um 15 Uhr in die 82. Ausgabe der 24h von Le Mans. Zeit für einen letzten Blick auf die wichtigsten Informationen, die letzten Ereignisse und die Teams.

13.06.2014 passion:driving

Am morgigen Samstag startet die 82. Ausgabe des 24h Rennen von Le Mans. Der Langstreckenklassiker, der schon so manchen Namen berühmt und auch schon manchen Tribut gefordert hat. 55 Teams treten dieses Jahr wieder an, 9 davon in der Spitzenklasse LMP1, welche sich nochmals in LMP1-H (Werksteams mit Hybridfahrzeugen) und LMP1-L (Privatteams mit konventionell angetriebenen Rennwagen) unterteilt.

Le Mans 2014: Mehr Sicherheit für das Rennen

Nach dem tödlichen Unfall von Allan Simonson im letzten Jahr hat man bei der Streckensicherheit nachgerüstet. Gerade weil die Rennstrecke größtenteils immer noch eine temporäre Rennstrecke ist, stellt sich eine umfangreiche Absicherung als schwierig da. Um einen solch fatalen Ausgang wie beim Unfall von Simonson zu vermeiden, wurden an einigen Stellen die Leitplanken in größerer Distanz zu Bäumen aufgebaut, mit Reifenstapeln versehen und mit den aus der Formel 1 bekannten TecPro-Barrieren davor weiter abgesichert, das betrifft vor allem die Tetre Rouge in welcher sich letztes Jahr der fatale Unfall ereignete.

Zusätzlich hat man nun aber auch das “Slow Zone”-Konzept eingeführt. Dadurch kann an Unfallstellen die Zone zwischen zwei Streckenposten zur Slow Zone erklärt werden. Dort gilt dann Tempo 60, die Fahrer müssen zwei Wagenlängen Abstand halten und dürfen selbstverständlich nicht überholen. Wer dagegen verstößt muss eine “Stop & Go”-Strafe von 5 Sekunden je überschrittenem Stundenkilometer absitzen. Der Vorteil an dem Konzept: an lokalen Gefahrenstellen lässt sich das Feld einbremsen, ohne das Renngeschehen – wie bei Safety Car Phasen – zu sehr zu verzerren.

Audi R18 e-tron quattro Le Mans Training

Kein sicherer Siegkandidat: die Audi R18 e-tron quattro können den Speed von Toyota und Porsche nicht mitgehen.

So gesichert werden die Augen vor allem auf die Top-Teams gerichtet werden: 7 Fahrzeuge, verteilt auf Dauer-Dominator Audi, Herausforderer Toyota und Comeback-Kid Porsche, starten in der LMP1-H. Alle drei mit je unterschiedlichen Antriebskonzepten, dürfte der Kampf um die Spitze äußerst spannend ausfallen.

Audi bisher nicht in der Favoritenrolle

Die Favoritenrolle musste Audi ohnehin in den letzten Wochen und auch nach den ersten Trainings klar einbüßen. Die Chancen für Toyota stehen mit dem TS040 äußerst gut und gerade um die Fahrertruppe der Startnummer 7 mit Alexander Wurz, Stéphane Sarrazin und Kazuki Nakajima regen sich etliche Sieghoffnungen. Klar, Wurz ist ein guter und schneller Fahrer, konnte bereits zwei Siege in Le Mans für sich verbuchen und hat sich 2013 mit dem Toyota TS030 bereits bis nahe ans Treppchen auf Platz 4 fahren können. Trotzdem dürfte auch der zweite Toyota mit der Startnummer 8 ein guter Kandidat auf den Sieg sein. Hier sitzen Anthony Davidson, Nicolas Lapierre und Sébastien Buemi hinterm Volant.

Marc Gene springt für verunfallten Loic Duval ein

Nach dem schweren Unfall von Vorjahressieger Loic Duval beim freien Training am Mittwoch, steht der diesjährige Le Mans-Auftritt der Ingolstädter jedenfalls schon mal unter keinem guten Stern. Das Chassis mit der Startnummer 1 musste nach dem schweren Unfall blitzschnell neu aufgebaut werden. Für Duval, der den Crash glücklicherweise zwar soweit ohne größere Verletzungen überstand, ist das Rennen dieses Jahr trotzdem gelaufen. Seinen Platz füllt nun der Spanier Marc Gene. Neben der Nummer 1 schickt Audi zwei weitere R18 e-tron quattro ins Rennen um die begehrte Trophäe. Die Nummer 2 wird dabei von Marcel Fässler, André Lotterer und Benoit Treluyer pilotiert, die Nummer 3 von Filipe Albuquerque, Marco Bonanomi und Oliver Jarvis.

Speed der Porsche 919 sorgt für Überraschungen

Für die größte Überraschung sorgte bisher wohl aber die Schnelligkeit der Porsche 919. Im ersten Qualifying am Mittwochabend, fuhren beide Porsche über 1 Sekunde schneller als die beiden Toyota TS040 auf Platz 1 und 2. Auch wenn die Toyota im zweiten Qualifying am Donnerstag ihrer Favoritenrolle gerecht wurden und sich mit der Startnummer 7 die erste Position ergattern konnten, hingen ihnen beide Porsche dicht auf den Fersen.

Porsche 919 beim Training in Le Mans

Im Qualifying überraschend schnell: die Porsche 919 müssen sich höchstens um die Zuverlässigkeit sorgen.

Schnell sind die Porsche 919 also ohne Zweifel. Die spannendere Frage wird allerdings sein, ob die hochkomplexen Sportwagen bereits soweit gereift sind, um auch über die volle Renndistanz ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen zu können. Das jedenfalls darf vorsichtig angezweifelt werden. Die Porsche-Mannschaft wäre aber nicht Porsche, wenn nicht sogar hier eine Überraschung zu erwarten wäre. Man erinnere sich an das Jahr 2012, als ein Porsche 911 GT3 R Hybrid über weite Teile der Renndistanz das 24h Rennen am Nürburgring dominierte, möglich ist also alles.

Ein wenig außer Konkurrenz starten die beiden LMP1-L Toyota R-ONE von Rebellion Racing. Klare Sache, als Privatteams werden sie nicht um die Spitze mitkämpfen können, dazu fehlen mehr als 5 Sekunden pro Runde. Der einzige Konkurrent, der sich in der LMP1-L noch gezeigt hätte, wäre Lotus gewesen, die aber vor wenigen Wochen ihren T129 zurückgezogen haben. Nachrücken sollte dann ein LMP2, ein Millenium-Oreca-Nissan, aber auch die sind kurz vorher wieder abgesprungen. Daher sind dieses Jahr auch nur 55 statt 56 Fahrzeuge im Startfeld von Le Mans zu sehen.

Le Mans 2014 ein echter Krimi?

Die Vorzeichen stehen jedenfalls gut, dass die 82. Ausgabe der Langstreckenlegende ein echter Krimi werden dürfte. Die Porsche verdammt schnell, die Toyota auf Augenhöhe, Audi hängt im Windschatten. Die spannenden Fragen dürften also vor allem sein: wie effizient können sich die Top-Teams über die Strecke retten und vor allem: halten die Porsche 919 die volle Renndistanz? Wenn das mit der Zuverlässigkeit klappt, dürften die Chancen auf einen Sieg nicht schlecht stehen. Die Toyota könnten hier punkten. Klar ist aber auch: Audi wird nicht tatenlos zusehen und sich beim Kampf um die Spitze lauthals zu Wort melden.

Der Startschuss zu den 82. 24h von Le Mans tönt am Samstag um 15 Uhr. Das Rennen kann per Livestream auf der Veranstalterwebsite mitverfolgt werden. Darüberhinaus bieten unter anderem Porsche und Audi jeweils Livestreams inklusive Telemetriedaten aus den Cockpits ihrer Le Mans-Renner an. Wir werden unsere Leser natürlich auch über die wichtigsten Ereignisse auf dem Laufenden halten.

Übersicht zu den 24h von Le Mans 2014

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