Alonso und Vettel in Feierlaune nach dem Belgien-GP: Wer sich kommendes Wochenende freut, bleibt abzuwarten.
Alonso und Vettel in Feierlaune nach dem Belgien-GP: Wer sich kommendes Wochenende freut, bleibt abzuwarten.
 

Vorentscheidung in Monza: Letzte Chance für Ferrari?

Gewinnt Vettel den Grand Prix von Italien am Sonntag, sind Alonsos WM-Chancen wohl verpufft.

05.09.2013 APA

Große Emotionen sind bei Ferraris Heim-Grand-Prix am Sonntag vorprogrammiert:“Monza ist für uns das wichtigste Rennen im Jahr“, betonte Fernando Alonso vor dem Europafinale der Formel 1. „Wir gehen mit großer Motivation ins Rennen.“ Und das ist auch bitter nötig, um im WM-Rennen noch die Wende einleiten zu können. Vor dem Rennen in Monza weist Alonso (151 Punkte) als Gesamtzweiter bereits 46 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Vettel (191) auf. Und die Tendenz der letzten Rennen sowie Vettels Resultate bei den folgenden Übersee-Grand-Prix bei seinen drei Titeltriumphen sprechen eindeutig für den Deutschen. Hinzu kommt, dass der Red Bull dem Ferrari leicht überlegen ist.

Eitel Sonnenschein bei Ferrari und Alonso – zumindest nach außen hin

Alonso und Ferrari sind im Titelrennen daher auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Um bei ihrer verzweifelten Aufholjagd auf den enteilten dreifachen Weltmeister noch eine Chance zu haben, können sie sich keine weiteren Rosenkriege erlauben. Vor dem richtungweisenden Rennen präsentierte sich das streitbare Gespann daher demonstrativ einig und harmonisch. Alonso schwor Ferrari auf der offiziellen Pressekonferenz zum Großen Preis von Italien noch einmal demonstrativ die Treue. Er habe noch für dreieineinhalb Jahre einen Vertrag bei der Scuderia und er wolle diesen Kontrakt erfüllen, sagte der zweifache Weltmeister am Donnerstag. „Ich möchte gerne meine Karriere im besten Team der Welt beenden, und das ist Ferrari“, betonte Alonso. Er sehe sich sogar noch über seine aktuelle Vertragslaufzeit hinaus in der Königsklasse. „Ich denke, ich habe noch vier, fünf Jahre vor mir“, sagte der Spanier. Ein Jahr Auszeit, um beispielsweise sein neu erstandenes Radteam aufzubauen, sei für ihn auch keine Option, betonte der 32-Jährige.

Montezemolos Standpauke hat Wirkung gezeigt

Vor der Sommerpause hatte der auch abseits der Piste immer angriffslustige Alonso sein schwächelndes Team häufig und heftig kritisiert. Unmittelbar nach dem Rückschlag von Budapest platzte Luca di Montezemolo dann der Kragen. Der Markgraf putzte den zweifachen spanischen Champion via Ferrari-Homepage herunter. Noch nie hatte ein Ferrari-Präsident einem Fahrer öffentlich derart die Leviten gelesen. Das Machtwort zeigte aber Wirkung: Er habe das nie so gesagt, das sei ein Missverständnis, korrigierte Alonso Meldungen, er wünsche sich zu seinem Geburtstag ein anderes Auto.

Seit der Standpauke scheint aber alles wieder im Lot zu sein – zumindest nach außen hin. „Seien Sie sicher, dass wir eine Einheit sind, die gewinnen will“, versicherte Teamchef Stefano Domenicali vor dem zwölften Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr/ORF1, RTL und Sky). Behauptungen, zwischen ihm und Alonso gebe es Zerwürfnisse, bestritt der Italiener entschieden: „Nein, nein, das ist etwas, das ich komplett zurückweise. Wir wollen zusammen gewinnen.“ Alonso schlug vor dem Highlight im Königlichen Park ebenfalls versöhnliche Töne an: „Ferrari war hier immer sehr konkurrenzfähig. Wir wollen vor unseren begeisterten Fans eine gute Vorstellung zeigen.“

Zusammenraufen ist Pflicht – nicht nur in dieser Saison

Der absolute Zwang zu optimaler Zusammenarbeit gilt aber nicht nur wegen der relativ ungünstigen Auslage und auch nicht nur für diese Saison. Ferrari ist auch langfristig auf Alonso angewiesen und der spanische Superstar hat keine echte Alternative zur Scuderia. Von den Top-Piloten ist nur noch Kimi Räikkönen auf dem Markt. Vettel und das Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Nico Rosberg sind längerfristig gebunden. Dass die Italiener den Finnen reumütig zurückholen, nachdem sie ihm 2009 seinen Rauswurf mit einem Schmerzensgeld in zweistelliger Millionenhöhe schmackhaft gemacht haben, kann zumindest bezweifelt werden. Zudem erfüllt Räikkönen beispielsweise bezüglich der technischen Zusammenarbeit mit den Ingenieuren nicht Ferraris hohe Anforderungen.

Alonso steht bis Ende 2016 unter Vertrag. Diesen kann er trotz eventueller Ausstiegsklauseln nicht einfach kündigen. Viel entscheidender ist aber, dass kein Spitzen-Cockpit frei wird. Und Lotus wäre – sollte Räikkönen dort wirklich gehen – weder finanziell noch sportlich eine verlockende Alternative.

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