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Vettel verlässt Red Bull zu Saisonende

Sebastian Vettel verlässt Red Bull. Doch welche Türen stehen ihm offen? Ein Angebot von Ferrari will er noch nicht bestätigen. Und Alonso?

04.10.2014 APA

Sebastian Vettel macht Schluss mit Red Bull! „Es ist ein großer Schritt und natürlich fällt es einem nicht leicht eine solche Entscheidung zu treffen“, teilte der Vierfach-Weltmeister am Samstag in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Die Formel 1 steht damit vor dem spektakulärsten Fahrerwechsel seit knapp 20 Jahren, denn der Deutsche soll ab nächstem Jahr für Ferrari auf Titeljagd gehen.

Vettel zu Ferrari?

Offizielle Bestätigung gab es dafür vorerst zwar noch keine, doch Red-Bull-Teamchef Christian Horner erklärte vor dem Qualifying zum Japan-Grand-Prix: „Sie (die Ferrari-Verantwortlichen, Anm.) haben ihm wohl ein sehr lukratives Angebot gemacht.“ Vettel selbst kündigte an, sich „in Kürze“ zu seinen Zukunftsplänen zu äußern.

Der Wechsel zu Ferrari scheint aber nur logisch: Vettels langjähriger Rivale Fernando Alonso macht den Platz frei bei den „Roten“ – ein Bekenntnis zur Scuderia trotz Vertrags bis 2016 gab es vom Spanier in Suzuka jedenfalls nicht, im Gegenteil. Alonso dürfte von Ferrari zu McLaren wechseln. Und Vettel will bei Ferrari, dem Mythos im Motorsport, versuchen, eine neue Ära einzuleiten. Ganz nach dem Vorbild seines einstigen Kindheitsidols Michael Schumacher, der vor der Saison 1996 als zweimaliger Champion von Benetton zur weltbekannten Marke nach Maranello gewechselt war.

© APA/HANS KLAUS TECHT

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Marko: Vettel sucht neue Herausforderung

Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko bestätigte in einem ORF-Interview, dass Vettel eine „neue Herausforderung“ gesucht habe und man sich deshalb auf eine „amikale Trennung“ geeinigt habe. Auch laut dem Steirer wird der Serien-Weltmeister kommendes Jahr für Ferrari fahren, weil er in die Fußstapfen von Schumacher treten und „ein darniederliegendes Team“ zu neuen Höhenflügen führen wolle. „Das wollen wir natürlich mit allen Mitteln verhindern“, betonte Marko mit einem Schmunzeln.

„in Freundschaft auseinander“

„Ich laufe auch nicht vor irgendetwas davon. Aber manchmal braucht man im Leben eben etwas Neues. Und wenn sich die Gelegenheit bietet, muss man zugreifen“, sagte Vettel auto-motor-und-sport.de. Red Bull habe nichts falsch gemacht. „Wir gehen in Freundschaft auseinander. Es hat auch nichts mit den Ergebnissen zu tun, auch wenn sie nicht dem entsprachen, was ich mir erwartet habe.“

Vettel unzufrieden mit seinem Red Bull

Nach vier Weltmeister-Jahren und insgesamt 38 Siegen konnte Vettel in diesem Jahr noch kein Rennen gewinnen. Mehr als einmal äußerte sich der Hesse kritisch zu seinem aktuellen Dienstwagen. Ein klares Bekenntnis zu einer weiteren Zukunft bei Red Bull hatte Vettel in den vergangenen Wochen zudem immer vermieden.

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Ausstiegsklausel ermöglicht frühzeitigen Weggang

Die Spekulationen um ein Ende der Erfolgsgemeinschaft rissen nicht ab. Eine Ausstiegsklausel soll dem erfolgsbesessenen Deutschen den Weggang möglich gemacht haben, trotz Kontrakts bis Ende 2015. Demnach konnte er kündigen, wenn er Ende September schlechter als Platz drei im Klassement geführt würde – Vettel ist aktuell Fünfter. Marko wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

Die endgültige Entscheidung über Vettels Weggang von den „Bullen“ fiel erst am Freitagabend. „Wir möchten uns bei Sebastian für seine unglaubliche Rolle, die er bei Infiniti Red Bull Racing in den vergangenen sechs Jahren gespielt hat, bedanken“, schrieb Red Bull in seiner Pressemitteilung. Auch Marko erinnerte an die „tollen Erfolge“ von Vettel, der 2008 in Monza im Toro Rosso seinen ersten Grand-Prix-Triumph gefeiert hatte.

Wer wird Vettel ersetzen?

Seinen freien Platz bei Red Bull wird im kommenden Jahr der Russe Daniil Kwjat von B-Team Toro Rosso einnehmen. Der Russe wird dann neben dem Australier Daniel Ricciardo für den Rennstall von Österreichs Milliardär Dietrich Mateschitz an den Start gehen. Auf das freie Toro-Rosso-Cockpit gibt es laut Marko „vier heiße Kandidaten“.

Vettel war vor der Saison 2009 vom Toro Rosso zu Red Bull gekommen. „Uns verbinden all die wunderbaren Erinnerungen an unsere gemeinsamen Zeiten, die uns keiner nehmen kann“, betonte Vettel. Teambesitzer Mateschitz hat seit jeher klargemacht, dem Deutschen keine Steine in den Weg zu legen, sollte Red Bull ihm einmal kein siegfähiges Auto zur Verfügung stellen. Und Vettel hat nie einen Hehl aus der Strahlkraft von Ferrari gemacht.

Die Meldung vom Vettel-Ende bei Red Bull zu nächtlicher mitteleuropäischer Zeit ließ sämtliches Geschehen auf der Strecke erst einmal in den Hintergrund rücken. Auch im Fahrerlager gab es nur noch ein Thema: Vettel, Vettel, Vettel.

Räikkönen und Vettel vertragen sich bestens

Klar ist, dass die Scuderia Ferrari dringend wieder Erfolge braucht und der 27-Jährige dem Team noch einmal neuen Schwung geben könnte. Der letzte Titel der Scuderia liegt nun sieben Jahre zurück. 2007 gewann ihn Kimi Räikkönen. Mit dem Finnen, seit diesem Jahr wieder bei Ferrari, versteht sich Vettel bestens. Umgekehrt gilt das genauso.

Allerdings würde Vettel bei Ferrari auch ein Team mitten im Umbruch vorfinden, das in diesem Jahr einen neuen Teamchef (Marco Mattiaci) bekam und dessen Präsident Luca di Montezemolo Mitte Oktober von seinem Ferrari-Amt zurücktreten wird. Der hochdekorierte Vettel würde also auch Aufbauarbeit leisten müssen. So wie einst Schumacher bei seinem spektakulären Wechsel zur Scuderia, dessen fünf Titel in Serie mit Ferrari für Vettel im Red Bull unerreicht blieben.

 

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Vettel, der scheidende und etwas andere Red-Bull-Star

Vater Norbert über den bescheidenen Vierfach-Weltmeister: „Er glaubt, nicht wichtiger zu sein als andere Leute“

In der erfolgreichen Vergangenheit waren Vertragsverlängerungen bei Red Bull für Sebastian Vettel fast nur eine Formsache. Auch wenn der Deutsche nie das Image des wilden Draufgängers, des Abenteurers auf der Suche nach dem ultimativen Kick verkörperte. Jenes Bild, das in der Öffentlichkeit mit dem österreichischen Getränkehersteller sonst gern verbunden wird.

Vettel aber ist ein zurückgezogen lebender Mensch, auf einem ehemaligen Bauernhof in der Schweiz. Einer, der wie sein Kindheitsidol Michael Schumacher sein Privatleben schützt. Einer, den mit Red Bull jedoch der ungestillte Durst nach sportlichem Erfolg jahrelang einte.

Vettel hat so viel erreicht wie wenige Fahrer zuvor

Jüngster Weltmeister in der Formel 1. Vierfacher Titelträger, und das in Serie. 39-maliger Grand-Prix-Gewinner. 45-facher Polesetter. Die Liste der Vettel-Bestmarken ist bereits lang. Und das mit gerade einmal 27 Jahren.

Vettel kam, sah und war erfolgreich. Nachdem er für BMW-Sauber 2007 in Indianapolis in seinem ersten Formel-1-Rennen gleich in die Punkteränge gefahren war (8. Platz), holte Red Bulls B-Team Toro Rosso den Hessen.

Schon vorher hatte Vettel zum Motorsport-Juniorprogramm des Unternehmens von Milliardär Dietrich Mateschitz gehört. 2008 gewann Vettel im Regen von Monza zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen. 38 weitere Siege folgten ab 2009 nach seiner Beförderung zu Red Bull.

Youngstar Vettel

Vettel wurde sportlich zum Superstar. Zum Kultobjekt der Formel-1-Fanszene taugt der manchmal immer noch wie ein Schulbub wirkende Deutsche weniger. Vettel ist wohl zu normal, zu bodenständig. „Er glaubt, nicht wichtiger zu sein als andere Leute, weil er Formel-1-Weltmeister ist“, sagte Vater Norbert, selbst Zimmerer von Beruf, einmal über den erfolgreichen Sohn.

In der heurigen Saison wandte sich das Blatt

Vettel zieht aber sein Ding durch. In diesem Jahr musste er dabei allerdings mehr als je zuvor lernen, mit Niederlagen umzugehen. Das fiel ihm nicht immer leicht. In Kanada bezeichnete er den Red Bull RB10 sogar als „Gurke“. Dass ausgerechnet der australische Aufsteiger Daniel Ricciardo in seinem ersten Jahr an seiner Seite bisher drei Siege schaffte und deutlich besser mit dem Boliden zurechtkommt, behagte Vettel überhaupt nicht.

Gleichwohl versuchte er, sein Team wie auch in den guten Jahren immer weiter anzutreiben. Und er wird es sicher auch noch in den vier Rennen nach dem jetzt bereits denkwürdigen Japan-Wochenende mit der Abschiedsankündigung versuchen. Das dürfte für Vettel weniger Formsache, sondern tiefstes Bedürfnis sein.

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