24 stunden nordring
Ein Bild von einem Bild.
 

Tagesausflug

Zum Abschluss der Sause am Nordring eine kleine textliche Aufarbeitung, gespickt mit und umrahmt von Bildmaterial ersten Ranges.

27.06.2013 Online Redaktion
Tüchtige Leser von autorevue.at wissen inzwischen natürlich, was die 24 Stunden Nordring sind, was man dort macht und dass das heuer schon zweimal passiert ist. Beim ersten Mal waren wir selbst unter den Startenden, beim zweiten Mal vergangenes Wochenende war es zumindest knapp, denn quasi Stunden vor dem Anpfiff war unverhofft ein Startplatz freigeworden und auch ein einsatzbereites Auto schien plötzlich greifbar. Aber geworden ist dann doch nichts draus. Wie das Leben halt so is…

Oh my god, they came prepared!

Wir haben uns jedenfalls des ursprünglichen Missionszieles besonnen und sind als Beobachter nach Fuglau aufgebrochen. Dort angekommen bot sich uns das gewohnte Bild vom Gewurrl zwischen den teils unglaublich vollständigen – ja, man muss sie so nennen –  Servicestationen. Viele Teams hatten mehr oder weniger komplette Werkstattausrüstungen dabei. Schweißgerät, Kompressor und Generator waren durchaus übliche Accessoires, manch eine Partie konnte sogar Hebebühnenersatz vorweisen, zum Beispiel einen Stapler oder gleich einen LKW-Kran.

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Hauptunterschied zwischen den beiden Rennen ist zweifellos das jeweilige Fahrzeugportfolio, es verdeutlicht den zarten Unterschied zwischen dem lockereren A-Termin und dem eher ernsthaften B-Termin. Im Mai ging es darum, ein ausgefallenes Auto mitzubringen, mit zurückhaltenden Erwartungen an die Zuverlässigkeit und Problemlosigkeit eher als (positive) Überraschung. Bei der Fahrzeugwahl für den B-Termin wurde hingegen auf tadellosen Leumund hinsichtlich des Durchhaltevermögens geachtet, auch war die ordnungsgemäße Erfüllung der 1500ccm-Regel Ehrensache.

Japan!

Das Gros der Teilnehmer schien geeint in der Überzeugung, dass die Schnittmenge von kleinem Preis und großer Ausdauer im Japan der Neunzigerjahre liegen müsse. Dementsprechend war ein ganzer Schock Toyota Starlet (mindestens fünf, darunter der Vorjahressieger) vor Ort, außerdem eine Mazda-Legion und jeweils ein paar Autos anderer Fernost-Marken. Europa war vertreten, aber klar in der Minderzahl. Immerhin haben sich auch ein paar ältere Geräte ans Grid verirrt, darunter ein Opel Ascona B als einziger(!) Hecktriebler im Feld und ein Autobianchi A112. Der kleine Mailänder war logischerweise ein echter Sympathieträger, allerdings auch auf der Strecke nicht fad. Am Ende sind sich über neunhundert Kilometer ausgegangen, der Motor hing zu dem Zeitpunkt aber schon hörbar in den Seilen. Damit war er aber beileibe nicht der einzige, denn Freitagnachmittag herrschte eine Gluthitze, die wohl einigen Zylinderkopfdichtungen den Garaus gemacht hat. Hierher passt ein kleiner Tipp für die Nächstjährigen: Das Mitbringen eines mehr oder weniger kompletten, dem Rennwagen modellgleichen Autos als rollendes Ersatzteillager hat sich für viele Teilnehmer wirklich ausgezahlt.

Improvisationen

Die Strecke hat sich redlich bemüht, möglichst schnell ein möglichst grausliches Waschbrettprofil anzunehmen und man kann sagen, sie war erfolgreich. Dergestalt gekitzelt haben diverse Auspuffrohre und Achsenteile selbstredend auf ihrem fairen Anteil schraubender und schweißender Zuwendung bestanden. Auch erschöpfte Motoraufhängungen und Federbeindome haben mitunter den Finger gehoben. Aber ist das Flicken nicht integraler Bestandteil eines 24h-Rennens? Das Team „Tscharäde Gvaddro“, zum Beispiel, hat einen Gutteil der Nacht mit dem Zerlegen seines Daihatsu verbracht, dann im Morgengrauen jemanden zum Kupplungkaufen geschickt und den Häf‘n für einige Stunden tatsächlich wieder auf die Straße gebracht. Eine der Starlet-Mannschaften („Volles Rooohr“ vielleicht?) hat ihrem Auto genau nix geschenkt, dabei eine Antriebswelle zerstört, aus eben dieser Zerstörten plus einer Welle aus einem verunfallten Daihatsu Move auf das Abenteuerlichste Ersatz geschweißt, selbigen eingebaut und weiter Gas gegeben bis das Auto nicht mehr konnte. So ziemlich alles war am Ende kaputt, nur die Do-It-Yourself-Antriebswelle nicht.

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Die Sieger

Auf der Strecke gab es übrigens zwei Neigungsgruppen, nämlich die mit Strategie und die ohne. Strategielose Autos waren grundsätzlich lustiger anzuschauen, da oft ambitioniert und ohne Rücksicht auf den Streckenverlauf bewegt. Nie hätten jene Teams die Ideallinie wegen mickriger Löcher (höchstens knietief) aufgegeben. Die Gegenbewegung hat sich näher mit dem Streckenzustand auseinandergesetzt und die ärgsten Rumpelpisten auf möglichst schonenden Pfaden durchmessen. Der Erfolg gab den Vertretern dieses Ansatzes recht, am meisten dem „Schilcher Dream Team“, weil das waren am Samstag um 16 Uhr die Sieger der inoffiziellen Distanzwertung. Völlig verdient übrigens, denn wenn ein Auspuff nach 18 Stunden Tortur noch ungeschweißt ist und trotzdem flüsterleise, dann hat der dazugehörige Mazda 323 nebst Team etwas richtig gemacht. Thumbs up!

So viel zu erzählen!

In der Nacht sind die Wolken gebrochen, was das Fahren erwartungsgemäß langsamer, aber interessanter gemacht hat. Und die Autos dreckiger. Den Endspurt hat die Sonne wieder mit vollem Einsatz begleitet. Nach dem Rennen waren Freude und Erschöpfung gleichermaßen groß und die Schrottecke gut gefüllt. Zwar fand sich der Renault Clio von „Quelli Racing“ nicht auf besagtem Betonfriedhof, Erwähnung verdient er trotzdem: Nach zwei erfolgreich beendeten Rennen (2012 und heuer) hat er nämlich 2000km Nordring in den Knochen. Das klingt rekordverdächtig.

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Zum Schluss Dankesworte

Wir bedanken uns bei Roland David für das Ausrichten und Moderieren dieser beiden tollen Veranstaltungen, bei den Teilnehmern für die Fairness auf der Strecke und bei den Nordring-Chefs für das Lösen unserer nächtlichen Internetprobleme. Bis nächstes Jahr!

  • Hager raphael

    Coole Veranstaltung „volles rooooooohr“ wird nächstes jahr wieder versuchen den Nordring zu bezwingen :-)

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