Susie Wolff in Monaco
Susie Wolff in Monaco.
 

Formel 1: Testfahrerin Susie Wolff

Susie Wollf ist die erste Frau seit 22 Jahren die weider an einer Formel-1-Weltmeisterschaft teilnehmen wird.

02.07.2014 APA

Zum ersten Mal seit 22 Jahren wird wieder eine Frau an einer Formel-1-Weltmeisterschaft teilnehmen. Test- und Entwicklungsfahrerin Susie Wolff ist in Großbritannien (Livestream-Infos gibt es hier) und zwei Wochen später in Hockenheim für die jeweils ersten Freitag-Trainings in einem Williams vorgesehen. Wolff sitzt damit in einem der schnellsten Formel-1-Autos der Gegenwart.

Über DTM zur Königsklasse

Lediglich fünf Frauen hatten es vor Wolff in die Königsklasse geschafft, nur die Italienerin Lella Lombardi kam ein Mal auch in die Punkteränge. Die seit 2011 mit dem österreichischen Mercedes-Motorsportchef Toto verheiratete Wolff hat sich als Susie Stoddart u.a. über die DTM zur Entwicklungs- und Testfahrerin bei Williams hoch gearbeitet. Und bei den Testfahrten bisher überzeugt.

Super-Super-Chance

Dementsprechend furchtlos und selbstbewusst geht die Britin nun ans Werk. „Ich werde ein ziemlich schnelles Auto haben“, weiß Wolff und gestand eine gewisse Nervosität ein. „Aber ich bin bereit. Das ist eine Super-Super-Chance, die nicht viele bekommen“, blickte die in der Schweiz lebende Wahl-Österreicherin dem Kommenden erwartungsfroh entgegen.

Williams ist zurück

Das Traditionsteam Williams ist nach einigen Krisenjahren 2014 auch dank des Griffs zu Mercedes-Motoren auf die Erfolgsstraße zurückgekehrt. Felipe Massa hätte in Montreal bereits gewinnen können, zuletzt in Österreich raste der Brasilianer vor seinem finnischen Williams-Teamkollegen Valtteri Bottas zur Pole-Position. Im Rennen belegten Bottas und Massa hinter den beiden überlegenen Mercedes die Plätze drei und vier.

Unterwegs mit dem Bottas-FW36

Den von Wolff mitentwickelten Bottas-FW36 mit der Nummer 77 wird die Schottin Freitagvormittag in Silverstone pilotieren. Bestzeiten sind aber nicht die Aufgabe der Rennfahrerin. Im ersten Training stehen stets vor allem Anpassungs- und Abstimmungsarbeiten im Vordergrund.

Wurz von Wolff begeistert

„Für Williams ist das ein Test, bei dem Susie ein Programm abarbeiten muss“, erklärte der als Management-Berater eng mit dem Team verbundene Alexander Wurz. Der Österreicher ist angetan von Wolff. „Sie hat bereits mehrmals gezeigt, dass sie schnell und voll bei der Musik dabei ist.“

Das Cockpit als Schreibtisch

Auch Wolff selbst warnt vor falschen Erwartungen. „Wer glaubt, ich gehe auf einen Qualifying-Run und muss zeigen, wie schnell ich bin, ist auf dem Holzweg“, verwies sie darauf, dass es in erster Linie um eine gute Auto-Abstimmung für das Rennwochenende gehe. Für die aus der Whisky-Stadt Oban kommende Wolff ist der Platz im Formel-1-Cockpit längst zur zweiten Natur geworden. „Wie wenn andere an ihren Schreibtisch kommen und den Laptop aufklappen.“

Respekt im Team erarbeitet

Die kommenden Tests sollen weitere Schritte hin zur Erfüllung des Traumes von der Teilnahme an einem Grand Prix sein. „Dafür kämpfe ich“, so Wolff. Die Exotik dieses Themas merke sie nur noch bei Interviews. Beim Team selbst hat sie sich den nötigen Respekt längst erarbeitet.

Mehr Frauen in den Motorsport

Die Profi-Rennfahrerin will aber auch ihren Geschlechtsgenossinnen Mut machen. Leichter Ruhm über TV-Casting-Shows sind nicht ihr Ding. Vielmehr sollte Leistung Anlass sein, zu erfolgreichen Frauen aufzuschauen. „Es gibt keinen Grund, warum eine Frau nicht im Auto oder im Fahrerlager erfolgreich sein könnte“, ist Wolff überzeugt.

Wolff beweist Humor

Wolff ist bewusst, wie sehr sie in den kommenden Wochen im Schaufenster steht. Und damit Stoff für alle Blondinen-Autofahrerwitze dieser Welt liefert. „Ich kenne sie alle“, kann sie darüber nur noch müde lächeln. Einen Scherz konnte sie sich aber selbst nicht verkneifen. „Der wichtigste Teil meines Freitag-Jobs ist, Valtteri das Auto in einem Teil zurückzubringen. Und nicht in 20.“

Interview mit Susie Wolff, Test- und Entwicklungsfahrerin beim Williams-Formel-1-Team:

Sie absolvieren am Freitag in Silverstone ihren ersten Formel-1-Auftritt an einem Grand-Prix-Wochenende. Aufgeregt?

Wolff: „Nervös ist man immer. Ich brauche das auch, das bringt Adrenalin. Aber ganz ehrlich, ich bin bereit. Die Barcelona-Tests waren gut, das Team hat mich perfekt vorbereitet.“

Was kommt bei diesem Freitag-Training auf Sie zu?

Wolff: „Es ist in erster Linie wichtig für das Team, was ich in dieser Session mache. Aber ich bin auch ehrgeizig. Das ist meine Chance zu zeigen, was ich kann. Diese Chance bekommen nicht viele. Es ist schon enorm schwierig, überhaupt bis hierherzukommen.“

Der Williams von Einsatzfahrer Valtteri Bottas den Sie pilotieren, ist eines der derzeit schnellsten Formel-1-Autos. Wie hoch war ihr Anteil als Entwicklungsfahrerin?

Wolff (lacht): „Stimmt, ich werde ein ziemlich schnelles Auto haben. Die Entscheidung, zu Mercedes (Motoren, Anm.) zu wechseln, war richtig. Dazu haben wir ein tolles Auto gebaut. Wir sind aber ein Team und arbeiten zusammen. Jeder bei uns hat seinen Job zu erledigen.“

Sie sind die erste für ein Grand-Prix-Wochenende gemeldete Frau seit zwei Jahrzehnten. Eine Frau am Steuer eines Formel 1 ist immer noch etwas Besonderes. Wie sehr merken Sie das?

Wolff: „Nur bei Interviews, da kommen immer die gleichen Fragen. Aber im Team fühle ich mich sehr wohl. Als Frau musst du eben noch härter arbeiten, um Respekt zu verdienen. Wenn dieser aber einmal da ist, ist das kein Thema mehr. Man muss Leistung bringen, um Teil dieses Teams zu sein. Sonst bin ich nicht mehr hier, das ist mir klar. Das jetzt ist eine Super-Super-Chance. Da muss ich zeigen, was ich kann.“

Was darf bzw. kann man von Ihnen erwarten?

Wolff: „Jeder denkt, ich muss zeigen, wie schnell ich bin. Aber ich werde sicher nicht auf einen Qualifying-Run gehen. Ich bin ein Teil des Teams und mache das Programm so, wie Valtteri es machen würde. Es geht um ein gutes Setup für das Rennwochenende. Ein sehr wichtiger Teil ist, das Auto in einem Teil zurückzubringen und nicht in 20.“ (lacht)

Ist es immer noch Ihr großer Traum, in einem Grand Prix zu starten?

Wolff: „Das ist mein klares Ziel. Es wird nicht einfach, da bin ich realistisch. Es wird ein Kampf, denn es gibt so viele andere talentierte Fahrer, die um die gleiche Chance kämpfen.“

Ihr Mann Toto ist als Mercedes-Motorsportchef unmittelbarer Konkurrent. Wie hoch ist das Konfliktpotenzial in der Familie Wolff?

Wolff (lacht): „Wir fahren bei Williams ja mit Mercedes-Benz-Motoren, das macht es ein bisschen einfacher. Toto freut sich auch über unsere Erfolge. Aber natürlich ist oft einer von uns beiden nicht ganz happy. Gegenseitig ausspionieren würden wir einander nie. Dazu sind wir beide zu professionell.“

Wie aufwendig und schwierig ist es, ein Formel-1-Auto zu fahren?

Wolff: „Es ist schon kompliziert, daher braucht es Erfahrung und eine gute Vorbereitung. Wenn man das Ziel hat und bereit ist, hart dafür zu arbeiten, ist das aber schaffbar. Es gibt prinzipiell keinen Grund, warum eine Frau nicht im Auto oder im Paddock erfolgreich sein könnte.“

Und wie bereiten Sie sich selbst auf eine Fahrt im Formel-1-Auto vor?

Wolff: „Die Vorbereitung ist die gleiche wie bei den Männern. Ich sitze allerdings immer relativ früh im Auto um alles zu checken. Das Cockpit ist für mich längst zweite Natur, ich denke nicht darüber nach. Es ist, wie wenn andere an ihren Schreibtisch kommen und den Laptop aufklappen.“

Frauen in der Königsklasse

Fünf Frauen haben es vor Susie Wolff in die Formel 1 geschafft, mit der Italienerin Lella Lombardi kam nur eine in die Punkteränge. Maria Teresa de Filippis (50er Jahre), Divina Galica (1976 bis 1978), Desire Wilson (1980) und 1992 die Italienerin Giovanna Amati scheiterten in der Motorsport-Königsklasse mehr oder weniger klar. Der jüngste Versuch der Spanierin Maria de Villota endete tragisch.

Lombardi punktet beim GP Spanien

Erfolgreiche Frauen im Top-Motorsport sind nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung. Die 1992 an Krebs verstorbene Lombardi ist die einzige, die bisher in der Formel 1 auch gepunktet hat. Beim abgebrochenen Spanien-Grand Prix 1975 wurde sie Sechste und bekam dafür einen halben Zähler. Villota zog sich 2012 bei Marussia-Testfahrten auf einem Flugfeld schwere Kopfverletzungen zu und starb zwei Jahre später an den Folgen.

Frauen in der Rallye-Szene

Erfolgreicher als die bisherigen Formel-1-Amazonen schlugen sich die Damen in der Rallye-Szene. Die Französin Michele Mouton etwa, die mehrere Läufe zur Rallye-WM gewann und 1982 hinter Walter Röhrl Vizeweltmeisterin wurde. Oder die deutsche Dakar-Siegerin von 2001, Jutta Kleinschmidt. Bekannteste Formel-Pilotin ist die US-Fahrerin Danica Patrick, die als erste Frau einen Lauf der Indy-Car-Serie gewonnen hat. Mittlerweile fährt Patrick in der NASCAR.

Simona de Silvestro bei Sauber

Die jungen Frauen, die sich aktuell in der Männerdomäne Formel 1 beweisen wollen, sind ebenfalls aus besonderem Holz geschnitzt. Beim von der Wienerin Monisha Kaltenborn geführten Sauber-Rennstall will sich Simona de Silvestro (25) bald als Testfahrerin beweisen.

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