Sebastian Vettel auf der Rennstreckein Silverstone
Vettel ist derzeit nur noch ein Schatten seiner selbst.
 

Serienweltmeister durchlebt schwarze Saison

Sebastian Vettels Chancen auf die erfolgreiche Verteidigung seines WM-Titels sind praktisch dahin. Der Deutsche fährt der Konkurrenz hinterher.

18.07.2014 APA

Die bisherige Formel-1-Saison könnte nicht schlechter für den amtierenden Weltmeister verlaufen. Sebastian Vettel hat mit Daniel Ricciardo einen starken Teamkollegen bekommen, die Chancen auf einen Sieg im Heimrennen sind verschwinden gering und die Verteidigung der WM-Krone praktisch nicht mehr möglich.

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Das Maß aller Dinge

Und Garantie für eine Trendwende hat der die letzten vier Jahre dominierende Red-Bull-Pilot keine. „Mercedes ist im Moment das Maß aller Dinge“, stellte Vettel vor dem Großen Preis von Deutschland emotionslos fest. „Wenn sie keinen Fehler machen, können sie im Prinzip alle noch vor uns liegenden Rennen gewinnen.“

Vettels Rückstand auf den WM-Führenden

Der vierfache Weltmeister rechnet nicht damit, mit seiner schwächelnden „Suzie“ zu den bereits weit enteilten Silberpfeilen noch aufschließen zu können. Vor dem zehnten Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr, live ORF 1, RTL und Sky) liegt Nico Rosberg (165 Punkte) vier Zähler vor seinem britischen Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton an der WM-Spitze. Vettel (70) weist als Sechster schon schier unaufholbare 95 Punkte Rückstand auf.

Vettel über den Vorsprung von Teamkollegen Riccirado

Stallrivale Daniel Ricciardo (98) hat als Gesamtdritter 28 Punkte mehr als Vettel, was die eh schon getrübte Stimmung weiter dämpft. „Das ist natürlich keine Ausgangslage, die dich fröhlich stimmt“, räumte der 27-Jährige ein. „Aber es gibt eben gute und schlechte Zeiten im Leben.“

Das Hauptproblem bei Red Bull

Er sei „Realist“ und bezweifle, dass Red Bull die Lücke zu Mercedes noch schließen könne, sagte Vettel. Dies gilt vor allem für die Rückstände in der Technik – und hier in erster Linie für den Antriebsstrang. Während Mercedes das unbestritten beste und leistungsstärkste Aggregat entwickelt hat, schwächelt Red Bulls langjähriger Partner Renault seit der Umstellung von Saugmotoren auf die neue Turbo-Hybrid-Variante gewaltig.

Harte Worte von Christian Horner

„Die Zuverlässigkeit ist nicht akzeptabel. Die Leistungsfähigkeit ist nicht akzeptabel. So kann es nicht weitergehen“, schimpfte Teamchef Christian Horner jüngst. Hauptleidtragender ist ausgerechnet Vettel. Diverse Defekte führten in Australien, Monaco und Österreich zu drei technisch bedingten Ausfällen in nur neun Rennen. Zudem steckt in Vettels RB10 schon der vierte Antrieb – und noch stehen zehn WM-Läufe aus. Pro Saison dürfen aber nur fünf Aggregate benutzt werden; der Bedarf von weiteren Motoren hat Sanktionen zur Folge.

40. GP-Sieg außer Reichweite

Aber nicht nur die für Vettel und ein Top-Team außergewöhnlich hohe Ausfallquote ist ein Ärgernis. Der 39-malige Grand-Prix-Sieger schaffte 2014 auch nur zwei Podestplätze als jeweiliger Dritter in Malaysia und Kanada. Für ihn persönlich zudem besonders schmerzlich: Den einzigen Sieg eines Nicht-Mercedes-Piloten holte sein Stallrivale Ricciardo in Montreal. Vettel selbst hatte noch keine echte Chance auf seinen 40. Formel-1-Triumph.

Vettels besondere Beziehung zum Hockenheimring

Mit einem Podiumsplatz bei seinem Heimrennen wäre der im knapp 45 Kilometer entfernten Heppenheim aufgewachsene Vettel vollauf zufrieden. „Wir sind nicht in der Favoritenrolle“, räumte er ein. Dabei wäre ein Sieg auf dem Hockenheimring etwas ganz Spezielles für Vettel: Hier sah er mit seinem Vater als kleiner Bub seinen ersten Grand Prix, hier bestritt das Talent zahlreiche Rennen in Nachwuchsserien.

Bisher noch kein Glück im Heimrennen

Aber Rang drei vor vier Jahren ist sein bestes Ergebnis auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs. 2012 kostete eine nachträgliche Strafe Vettel den zweiten Rang. Weil er in einem Zweikampf mit Jenson Button regelwidrig die Strecke verlassen hatte, brummten ihm die Kommissare zwei Stunden nach Rennende 20 Sekunden auf, wodurch der Weltmeister auf Platz fünf zurückfiel. Eine erneute Sanktion wäre das Letzte, was der leidgeprüfte Vettel jetzt brauchen könnte.

 

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