Das Krankenhaus in Grenoble
Schumacher lag sehr lange im Koma.
 

Schumacher: Das lange Koma

„Ärzte setzen einen Patienten nur dann drei oder vier Wochen in künstliches Koma, wenn die Situation des Gehirns sehr ernst ist“

14.02.2014 APA

Klinik bestätigte kritischen Zustand und Koma von Michael Schumacher

Michael Schumacher befindet sich nach Angaben seiner Ärzte in einem kritischen Zustand. Der Rekordweltmeister der Formel 1 sei nach seinem Skiunfall am Sonntag (29.12.2013) mit einem “Kopftrauma mit Koma” eingeliefert worden, teilte das behandelnde Krankenhaus in Grenoble am späten Abend mit. Das habe “umgehend eine neurochirurgische Behandlung” erfordert.

Die Prognose sei inzwischen ernst, berichtet die französische Regionalzeitung “Le Dauphine Libere” aus Grenoble. Dort wird der 44-jährige Deutsche seit Sonntagmittag untersucht.

Schumacher seit 2 Wochen im Koma

Schumacher liegt nun seit zwei Wochen (Stand: 12.1.2014) auf der Intensivstation des Universitätskrankenhaus von Grenoble im künstlichen Koma. Der Formel-1-Weltmeister erlitt bei dem Sturz ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und wurde zweimal operiert.

Die traumatologische Abteilung in Grenoble gilt als eine der besten in Frankreich. Schumacher befindet sich den Ärzten zufolge weiter mit schweren Kopfverletzungen im künstlichen Koma.

„Das künstliche Koma ist mit seiner hypothermischen Komponente eine Verzweiflungstat der Medizin“

Hans-Jakob Steiger, Medizinprofessor an der Düsseldorfer Universitätsklinik, sieht Michael Schumachers Zustand kritisch, vor allem da er bereits drei Wochen (Stand: 19.1.2014) im Koma liege: ”Je länger dieser Zustand andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Zweitinfektion kommt”, wird Steiger bei “rp-online” zitiert. Die Folge könnten Entzündungen der Lunge, der Bauchspeicheldrüse oder anderer Organe sein. “Das ,künstliche Koma’ ist mit seiner hypothermischen Komponente eine Verzweiflungstat der Medizin. Aus den internationalen Leitlinien ist sie deshalb auch wieder verbannt worden”, so Steiger weiter.

Aufwachen nach einem künstlichen Koma am schwierigsten

Das künstliche Koma, das nicht nur bei schweren Schädel-Hirn-Traumata angewendet wird, ist nicht allzu schwierig einzuleiten, kompliziert kann es dagegen werden, es geplant zu verlassen.

Schumachers Ärzte sagen nicht mehr, als dass sich sein Gesundheitszustand irgendwo zwischen “stabil” und “Lebensgefahr” eingependelt hat. Was er derzeit von seiner Umgebung mitbekommt, weiß niemand.

Prognose verschlechtert sich, je länger das künstliche Koma aufrechterhalten wird

Die größte Gefahr nach einem schweren Schädelhirntrauma wie bei Schumacher bestehe darin, dass kognitive Einschränkungen blieben, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin, Andreas Ferbert laut Focus (21.1.2014). Die Experten in Hannover erklärten auch, dass sich die Prognose verschlechtere, je länger ein künstliches Koma aufrechterhalten werden müsse.

Ähnliche Worte findet auch  Jean-Marc Orgogozo, Neurologieprofessor an der Universität von Bordeaux gegenüber der französischen Zeitung “Le Point”: ”Jeder Tag, jede Woche mehr im Koma lässt die Chance sinken, dass sich die Situation verbessert”.

Gehirnspezialisten diskutieren Schumachers Zustand

Gehirnspezialisten auf der Arbeitstagung “NeuroIntensivMedizin” in Hannover diskutieren Michael Schumachers Gesundheitszustand nach 25 Tagen Koma.

Prof. Andreas Schwartz, Chefarzt der Neurologischen Klinik am KRH Klinikum Nordstadt, räumt zwar ein, dass Patienten wie Michael Schumacher zu einem normalen Leben zurück kehren können – das seien aber die wenigsten Fälle. Problematisch sei, dass das Gedächtnis häufig ausgelöscht sei für den Zeitraum des Komas und davor. Zudem gäbe es Konzentrationsstörungen und die Patienten müssen alles wieder von Anfang an lernen.

Schumachers frühe Bewusstlosigkeit “ein ungünstiger prognostischer Faktor”

Prof. Jan-Peter Jantzen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Neuroanästhesisten und Neurointensivmediziner, glaubt nicht an eine gute Prognose für den siebenfachen Formel 1 Weltmeister, weil Schumacher scheinbar von Anfang an bewusstlos war. “Eine frühe Bewusstlosigkeit ist ein ungünstiger prognostischer Faktor”, so der Chefarzt weiter.

Kein gutes Zeichen, dass Schumacher noch immer im Koma liegt

Michael Schumacher liegt nun seit 29 Tagen im künstlichen Koma (Stand: 27.1.2014) im Krankenhaus von Grenoble. Vor der Universitätsklinik erinnert nur mehr wenig an den Massenauflauf, der hier kurz nach dem Skiunfall der Formel 1-Legende herrschte. Ansonsten ist hier fast die Normalität zurückgekehrt.
Einig sind sich dabei die meisten Mediziner, dass es kein gutes Zeichen ist, dass Schumacher noch immer im künstlichen Koma liegt und dass es recht unwahrscheinlich ist, dass er nach einem etwaigen Aufwachen noch der alte ist. Etwa 50 Prozent der Schädelhirntrauma-Patienten, die sich nach einem Monat noch im künstlichen Koma befinden, wachen wieder auf, häufig mit starken neurologischen Einschränkungen. Wenn das Koma sechs Monate dauert, fällt die Aufwach-Quote auf 20 Prozent. Wer länger als ein Jahr im vegetativen Zustand verbringt, wacht nur noch sehr selten wieder auf.

Spekulationen zu Koma dementiert

Sabine Kehm, die Managerin von Michael Schumacher, hat den Bericht einer französischen Zeitung über den Zustand des Deutschen als Spekulation bezeichnet. Die französische Sportzeitung “L’Équipe” hat berichtet, dass Schumacher langsam aus dem künstlichen Koma geholt werden soll.

Kehm: Kein Kommentar zu Spekulationen

“Ich betone erneut, dass jegliche Aussagen über Michaels Gesundheitszustand, die nicht vom behandelnden Ärzteteam oder seinem Management stammen, als Spekulation zu werten sind”, teilte Kehm in einer schriftlichen Stellungnahme am Mittwoch (29.1.2014) mit. “Ich wiederhole, dass wir Spekulationen nicht kommentieren werden”, bekräftigte sie.

„Ärzte setzen einen Patienten nur dann drei oder vier Wochen in künstliches Koma, wenn die Situation des Gehirns sehr ernst ist“

Die Medienberichte der letzten Tage haben richtig vermutet: Der deutsche Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher wird aus dem künstlichen Koma geholt. Das bestätigte seine Managerin Sabine Kehm am Donnerstag (30.1.2014) in einem schriftlichen Statement. “Michaels Narkosemittel werden seit kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann”, schrieb Kehm.

Schumacher hatte bei einem Skiunfall am 29. Dezember in Meribel ein schweres Schädel-Hintrauma erlitten. Er liegt seit dem Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen im Universitätskrankenhaus von Grenoble.

“Es war ursprünglich die klare Absprache zwischen allen Beteiligten, diese Information zum Schutz der Familie erst zu kommunizieren, wenn sich dieser Prozess konsolidiert hat”, stellte Kehm in dem dreisprachigen Statement klar und betonte: “Über Zwischenschritte werden wir keine Auskunft geben.” Die bis dato letzten offiziellen Angaben zu Schumachers Zustand hatte es am 17. Jänner gegeben. Die Mediziner hatten diesen damals “weiterhin als stabil” bezeichnet.

Die französische Sportzeitung “L’Equipe” hatte bereits am Mittwoch (29.1.2014) berichtet, dass der 45-Jährige einen Monat nach seinem Unfall langsam aus dem künstlichen Koma geholt werde. Schumacher habe positiv auf den Aufwachprozess reagiert. Seine Managerin bezeichnete diesen Bericht in einem Statement als “Spekulation”.

“Die Familie von Michael Schumacher bittet erneut um Respekt für ihre Privatsphäre, das Arztgeheimnis und darum, die behandelnden Ärzte nicht in ihrer eigentlichen Arbeit zu stören”, schrieb Kehm.

Die behandelnden Ärzte hatten öffentliche Prognosen zu Schumachers Zustand und möglichen Folgen ab dem ersten Tag abgelehnt. Generell können medizinische Prognosen bei einem Schädel-Hirn-Trauma und anschließendem künstlichen Koma sehr unterschiedlich ausfallen.

“Ärzte setzen einen Patienten nur dann drei oder vier Wochen in künstliches Koma, wenn die Situation des Gehirns sehr ernst ist”, erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv-und Notfallmedizin (DGNI), Andreas Ferbert. Ein tiefes künstliches Koma über vier Wochen aufrecht zu erhalten, sei daher eher unüblich.

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