Ross Brawn wird von Kimi Räikkönen bei der Siegerehrung am Hungaroring 2013 zurückgehalten
Räikkönen hat Brawn nicht halten können. © Bild: Reuters / Laszlo Balogh
 

Mercedes: Ross Brawn geht mit Jahresende

Der Formel-1-Rennstall Mercedes hat sich von seinem Teamchef Ross Brawn getrennt. Uneinigkeiten bei der Aufgabenverteilung führten schließlich zum Bruch zwischen Konzernvertretern und dem Briten.

28.11.2013 APA

Der Formel 1-Rennstall Mercedes hat sich vom Briten Ross Brawn getrennt. Die Gerüchte um den möglichen Abgang des 59-jährigen in Manchester geborenen Motorsportmanagers waren bereits die letzten Wochen hartnäckig durch die Königsklasse gegeistert.

Lauda wollte Ross Brawn halten

Brawn wird mit Jahresende seinen Arbeitsplatz räumen, das bestätigte der Formel-1-Rennstall am Donnerstag: „Es ist klar, dass man jemanden nicht aufhalten kann, wenn er sich dazu entschlossen hat zu gehen“, so der Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda. Der Österreicher hatte vergeblich versucht, Ross Brawn zum Bleiben zu bewegen.

Doppelführung durch Lowe und Wolff

Uneinigkeit bei der Aufgabenverteilung und der künftigen Rolle Brawns haben zwischen den Konzernvertretern und dem Briten zu unüberbrückbaren Differenzen geführt. Die Kompetenzverteilung für die Saison 2014 soll auf die Schultern des ehemaligen McLaren-Technikchef Paddy Lowe und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff aufgeteilt werden.

Niki Lauda und Toto Wolff beim GP von Indien 2013

Toto Wolff soll gemeinsam mit Paddy Lowe den Rennstall leiten. © Bild: EPA / Srdjan Suki / picturedesk.com

Schwieriger Umbruch

Der personelle Umbau trifft den Rennstall in einer sensiblen Phase. Durch die umfassende Regelreform mit neuen Sechszylinder-Turbomotoren bietet die kommende Saison die große Chance, Sebastian Vettels Red-Bull-Team an der Formel-1-Spitze abzulösen. Zugleich birgt die Technik-Revolution aber auch das Risiko, kapital zu scheitern.

An Schumacher-Erfolg maßgeblich beteiligt

Auch deshalb hatte Österreichs F1-Legende Lauda zuletzt öffentlich immer wieder betont, um den enorm erfahrenen Brawn kämpfen zu wollen. Der Top-Ingenieur hatte einst den deutschen Rekordchampion Michael Schumacher zu all seinen sieben WM-Titeln geführt und wird in der Branche als „Superhirn“ verehrt.

Konzernvertreter setzten sich durch

Er habe alles versucht, „ihn zum Bleiben zu bewegen“, versicherte Lauda. Bis zum Saisonfinale in Brasilien am vergangenen Sonntag gab er dem Teamchef Zeit für einen endgültigen Entschluss. Doch Brawn wollte nicht mehr. Seine Meinung, dass nur ein Chef die Richtung in einem Formel-1-Team vorgeben kann und für alles die Verantwortung trägt, kollidierte mit den Vorstellungen der Abgesandten des schwäbischen Autobauers.

Ross Brawn wird von Kimi Räikkönen bei der Siegerehrung am Hungaroring 2013 zurückgehalten

Räikkönen hat Brawn nicht halten können. © Bild: Reuters / Laszlo Balogh

Ross Brawns Zukunft offen

Brawn hatte sein Weltmeister-Team nach der Saison 2009 an Mercedes verkauft, aber die Rolle des Teamchefs behalten. Nach drei frustrierenden Jahren mit dem reaktivierten Rekordchampion Schumacher gelang in dieser Saison die Wende und die Fahrt auf Platz zwei der Konstrukteurswertung. Dennoch entschied sich Brawn nun gegen eine Verlängerung seines Vertrags. Seine Zukunft ist offen.

Rückkehr zu Honda möglich

Schon vor Wochen hatte es Spekulationen gegeben, Brawn werde wieder zu Honda gehen. Der japanische Autohersteller kehrt 2015 als Motorenlieferant für McLaren in die Formel 1 zurück. 2008 hatte Brawn als Teamchef den damaligen Honda-Rennstall in der Königsklasse geführt, ehe er das Team kaufte und prompt zum Titel führte.

Auszeit mit Fischen und Rosen

Aber auch andere Optionen für Brawn wurden diskutiert. Williams, McLaren und Ferrari wurden als Interessenten gehandelt. Sogar eine Rolle beim Internationalen Automobilverband (FIA) gilt als möglich. Denkbar ist aber auch, dass der passionierte Angler und Rosenzüchter wie schon 2007 nach seiner Zeit bei Ferrari eine längere Auszeit nimmt oder sogar ganz aufhört.

Reaktion von Rosberg

Mercedes-Pilot Nico Rosberg bedauert den Abschied von Teamchef Ross Brawn. „Es war eine tolle Erfahrung, mit Ross zu arbeiten. Er ist ein großartiger Anführer und wir haben besondere Zeiten geteilt“, teilte der 28-jährige Deutsche am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Unser Ziel ist es, nächstes Jahr den Ton anzugeben“, schrieb Rosberg weiter.

Biografie von Ross Brawn

  • Geboren: 23. November 1954 in Manchester
  • Familienstand: verheiratet mit Jean, zwei Töchter Helen und Amy
  • Hobbys: Fliegenfischen, Rosenzüchten
  • Ausbildung: Ingenieur-Ausbildung als Maschinentechniker in der Forschungsabteilung der britischen Atomenergie-Behörde
  • Besonderes: Ehrendoktorat der Brunel University in London für Verdienste um den Motorsport (Verleihung 2006)

 

Seine Formel-1-Karriere

  • 1976 bis 1977: Mechaniker bei March
  • 1978: Mechaniker bei Williams
  • 1979 bis 1983: Aerodynamiker bei Williams
  • 1984 bis 1985: Aerodynamikchef bei Lola
  • 1986 bis 1988: Chefdesigner bei Arrows
  • 1991 bis 1996: Technischer Direktor bei Benetton
  • 1997 bis 2006: Technischer Direktor bei Ferrari
  • 2008: Teamchef bei Honda
  • 2009: Teambesitzer und Teamchef von Brawn GP (nach der Saison verkaufte Brawn sein Team an Mercedes)
  • 2010 bis 2013: Teamchef von Mercedes

 

Seine Formel-1-Erfolge

  • Sieg im ersten Grand Prix als Teambesitzer von Brawn GP (Jenson Button 2009 in Australien)
  • 7 Fahrer-WM Titel als Technischer Direktor (1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004/alle mit Michael Schumacher/GER)
  • 1 Fahrer-WM-Titel als Teambesitzer und Teamchef (2009 mit Jenson Button/GBR)
  • 7 Konstrukteurs-WM-Titel als Technischer Direktor (1995 mit Benetton, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 jeweils mit Ferrari)
  • 1 Konstrukteurs-WM-Titel als Teambesitzer und Teamchef (2009 mit Brawn GP)

 

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