Die späteren Sieger im Staub der ersten Sonderprüfung
Die späteren Sieger im Staub der ersten Sonderprüfung
 

Rennbericht: Latvala gewinnt in Griechenland

Volkswagen zeigt vor, wie Teamwork funktioniert: Wenn Ogier Probleme hat, springt Latvala ein. Eine sehr starke Leistung von Evgeny Novikov und Ilka Minor bleibt unbelohnt.

02.06.2013 Autorevue Magazin

Freitag: Russisch-österreichische Führung bei WRC – Akropolis Rallye

Als der WM-Führende Sebastien Ogier am Donnerstag das Qualifying gewinnt und dementsprechend die bei dieser schwierigen Schotterrallye vorteilhafte letzte Startposition für den Auftakt am Freitag wählt, scheint alles normal zu sein. Ogier hat die Weltmeisterschaft zuletzt klar dominiert, drei von fünf Rallyes gewonnen, führt überlegen in der Meisterschaft und ist im jungen VW-Team die unumstrittene Leitfigur.
Bei der Akropolis-Rallye verliert er jede Chance auf den Sieg bereits auf der ersten Sonderprüfung. Auf den 48 Kilometern im groben Schotter von Kineta nach Pissia kostet ihn ein früher Reifenschaden viel Zeit und dann zwingt ihn ein technischer Defekt im Kraftstoffsystem zur Aufgabe. Mikko Hirvonen, der erste Verfolger von Ogier in der Weltmeisterschaft, kommt allerdings auch nur mit großer Mühe und vor allem mit sechs Minuten Rückstand ins Ziel von SP1. Der Finne schüttelt den Kopf und meint, er fühle nicht mehr viel Verbindung zwischen dem Lenkrad und der Vorderachse. Auch Mads Östberg im Ford Fiesta WRC verliert mehr als drei Minuten auf dieser brutalen ersten Sonderprüfung. Überlegene Bestzeit auf SP1 holt die russisch-österreichische
Fahrgemeinschaft Novikov/Minor, die auch die bei Dunkelheit gefahrene SP2 für sich entscheiden können. Daraus resultiert nach dem ersten Tag eine Führung von Evgeny Novikov und Ilka Minor im Ford Fiesta WRC mit deutlichem Vorsprung vor Dani Sordo auf Citroen DS3 WRC und Jari-Matti Latvala auf VW Polo WRC.

Samstag: Sternstunde für Volkswagen

Am Samstag kann Sebastien Ogier unter Rally-2-Reglement wieder starten, muss aber als erster der Startreihenfolge den Straßenfeger spielen, wodurch eine Aufholjagd für ihn schwer bis unmöglich wird. Die erste Bestzeit des Tages teilen sich Novikov und Latvala, die über 17,41 km auf die Zehntelsekunde die gleiche Zeit fahren. Die nächsten beiden Sonderprüfungen gewinnt dann Latvala, ohne die Bestzeit teilen zu müssen, da Evgeny Novikov und Ilka Minor auf SP4 nach einem Reifenschaden das Rad wechseln müssen und dabei viereinhalb Minuten sowie die Führung der Gesamtwertung verlieren.
Somit führt zu Mittag Jari-Matti Latvala (VW) vor Dani Sordo (Citroen), der die Bestzeit auf SP6 holt und Thierry Neuville (Ford). Am Nachmittag gibt es eine Sternstunde für Volkswagen-Motorsport, als Latvala, Ogier und Mikkelsen das Ergebnis der siebenten Sonderprüfung mit einem VW Polo 1-2-3 anführen. Danach gewinnt ein entfesselt fahrender Evgeny Novikov die Sonderprüfungen 8 und 9, jeweils vor den VW Polos von Latvala und Ogier, was aber am aussichtslosen neunten Platz im Gesamtklassement für die russisch-österreichische Crew im Ford Fiesta WRC nichts ändert.
Jari-Matti Latvala und sein Beifahrer Miikka Anttila beenden den Tag als Gesamtführende mit einem schon äußerst komfortablen Vorsprung von 1:04,1 auf Dani Sordo.

Sonntag: Schlussangriff von Mikkelsen

Am letzten Tag der für Mensch und Maschine wohl härtesten Rallye im WM-Kalender sind die Podiumsplätze mehr oder weniger bezogen, daher beschränken sich die ersten drei auf eine Fahrt mit gut kalkuliertem Risiko. Vor allem Latvala möchte seinen ersten Sieg im VW-Team und auch seinen ersten Sieg der Akropolis-Rallye nicht mehr aufs Spiel setzen.
Auch er hat am Samstag bei Novikov gesehen, wie schnell man sich bei voller Attacke einen Reifenschaden und in weiterer Folge großen Zeitverlust einhandelt. Ebenso lassen Sordo und Neuville nichts mehr anbrennen, dahinter allerdings verspürt ein motivierter Andreas Mikkelsen die Chance, Gesamtplatz vier erobern zu können. Der junge Norweger brennt ein wahres Feuerwerk ab, gewinnt drei von vier Sonderprüfungen und belegt schlussendlich bei seiner erst dritten Rallye im VW Polo WRC den hervorragenden vierten Platz.
Großen Kampfgeist beweist auch Sebastien Ogier, der sich mit der Bestzeit auf der abschließenden Power-Stage drei zusätzliche WM-Punkte sichert und in der Weltmeisterschaft weiterhin mit großem Vorsprung, jetzt allerdings vor seinem Teamkollegen Jari-Matti Latvala führt.

Ergebnis der Akropolis-Rallye (6. Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft)

1. J.-M. Latvala/M. Anttila (FIN/FIN) – VW Polo R WRC, 3:31:01,2
2. D. Sordo/C. Del Barrio (ESP/ESP) – Citroen DS3 WRC, +1:50,0
3. T. Neuville/N. Gilsoul (BEL/BEL) – Ford Fiesta RS WRC, +2:14,1
4. A. Mikkelsen/M. Markkula (NOR/FIN) – VW Polo R WRC, +3:55,1
5. N. Al Attiyah/G. Bernacchini (QAT/ITA) – Ford Fiesta RS WRC, +4:12,6
6. M. Östberg/J. Andersson (NOR/SWE) – Ford Fiesta RS WRC, +5:48,7!
7. M. Hirvonen/J. Lehtinen (FIN/FIN) – Citroen DS3 WRC, +8:00,7
8. M. Prokop/M. Ernst (CZE/CZE) – Ford Fiesta RS WRC, +8:01,2
9. E. Novikov/I. Minor (RUS/AUT) – Ford Fiesta RS WRC, +8:11,8
10. S. Ogier/J. Ingrassia (FRA/FRA) – VW Polo R WRC, +10:10,3

Sonderprüfungs-Bestzeiten:
Latvala 4, Novikov 4, Mikkelsen 3, Ogier 2, Sordo 1.

Stand der Fahrer-Weltmeisterschaft nach 6 von 13 Läufen:

1. S. Ogier 126
2. J.-M. Latvala 74
3. S. Loeb 68
4. M. Hirvonen 61
5. T. Neuville 50
6. D. Sordo 47
7. M. Östberg 46
8. E. Novikov 31
9. N. Al Attiyah 30
10. M. Prokop 27
11. A. Mikkelsen 25
12. B. Bouffier 10
13. J. Hänninen 8

Stand der Marken-Weltmeisterschaft nach 6 von 13 Läufen:

1. Volkswagen Motorsport 180
2. Citroen Total Abu Dhabi World Rally Team 162
3. Qatar M-Sport World Rally Team 83
4. Qatar World Rally Team 71
5. Abu Dhabi Citroen Total World Rallye Team 29
6. Jipocar Czech National Team 29
7. Volkswagen Motorsport 2 26
8. Lotos WRC Team 12

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