Sebastian Kletzmayr
Sebastian Kletzmayr an seinem Arbeitsplatz
 

Der Racing Rookie im Interview

Sebastian Kletzmayr gewann 2012 das Finale des Racing Rookie. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seinem Karrierestart gestellt.

12.06.2013 Autorevue Magazin

Sebastian, wie wurdest du auf den Racing Rookie aufmerksam?

Auf den Racing Rookie wurde ich durch die Autorevue aufmerksam. Ich habe mich wie immer über die neuesten Infos der Auto- und Motorsportwelt informiert und habe dabei auch über den Bericht des Racing Rookie gelesen. Da dachte ich mir, meldest dich mal an und schaust wie weit du kommst. Für so wenig Geld den ganzen Tag auf einer abgesperrten Strecke Gas geben, ist echt super! Bin mit null Erwartungen hingegangen und wollte einfach schauen, wie weit ich komme – unter ca. 400 anderen Teilnehmern aus ganz Österreich. Beim ersten Mal hat es knapp nicht gereicht, aber dann im zweiten Anlauf konnte ich den Bewerb gewinnen.

Hast du Tipps für die diesjährigen Teilnehmer?

Tipps: So viel wie möglich Auto fahren, auf verschiedenen Untergründen und bei allen Wetterbedingungen! Ganz, ganz wichtig! Bremsen am Schlupf und die Reaktion wenn das Auto entweder über- oder untersteuert, unbedingt auf einem abgesperrten Platz üben! Einen kühlen Kopf bewahren beim Bewerb – und ein intelligentes Fahren ist entscheidend. Schauen, welche und wo die anderen Bewerber Fehler machen. Schauen wo ich mehr riskieren darf. Wo gibt mir die Strecke mehr Platz, um mehr Risiko einzugehen. Nehme ich mich ein bisschen zurück und gewinne am Ende als Einziger mit 0 Fehler. So habe ich es gemacht! Keinen Druck aufbauen, Spaß haben, aber konzentriert bleiben – immer wissend was der Preis ist!

Was hat sich seit deinem Gewinn getan?

Seit meinem Gewinn hat sich doch einiges getan. Ich trainiere meine Fitness viel intensiver und schaue genauer was ich zu mir nehme. Zum Beispiel beim Essen oder auch Alkohol. Ich gehe kaum mehr abends weg, um Party zu machen. Ich schaue immer, dass ich fit bin und bereite mich auf alle anstehenden Bewerbe intensiv vor. Ich verfolge jede Rallyemitteilung aufmerksamer und informiere mich viel mehr über Neuigkeiten aus der Rallye-Welt, um auch nach diesem Jahr weiter fahren zu können. Ich stelle Sponsor-Mappen zusammen, um immer bereit zu sein, falls sich eine Möglichkeit bietet.  Ich darf nun auch insgesamt 10 Trainingseinheiten fahren (auf einem der Testgelände des ÖAMTCs mehrere Stunden mit einem Instruktor trainieren).

Wie war dein Treffen mit Ken Block?

Das Treffen mit Ken Block war toll! Wir haben den neuen Ford Fiesta ST von Wien nach Budapest gefahren – das alleine war schon eine besonders lustige Erfahrung. Dort haben wir dann in einem 5* Hotel übernachtet und Ken Block am Abend getroffen. Wir haben uns echt nett über einige interessante Themen mit Ihm unterhalten dürfen. Ein super lässiger Kerl!

Am nächsten Tag haben wir dann mit Ihm den Fiesta ST auf einem abgesperrten Skatepark auf Herz und Nieren getestet. Wir sind mehr quer als geradeaus gefahren. Der Fiesta ST ist eine tolle, echt gelungene kleine Sportskanone, die sicher auch in der ARC bzw. ÖRM ganz vorne mit dabei sein könnte – da müsste man wenig ändern. Ich glaube, der hat sogar mehr PS als mein Einsatzfahrzeug!

Wie darf man sich Deinen Arbeitsplatz im Cockpit vorstellen?

Mein Arbeitsplatz ist der Hammer! Wir sind ja mit dem aktuellen Ford Fiesta Sport + unterwegs, der innen komplett auf Rallye umgebaut ist.  Wir haben innen die beiden Rallye-Sitze die komplett den internationalen Rallye-Bedingungen entsprechen – wie man sie auch aus der WRC kennt. Alle überflüssigen Plastikteilchen sind entfernt und Karbon wurde wo möglich als Gewichtsparer eingesetzt. Das beeindruckende ist aber der massive Überrollkäfig. Anfangs war dieser ziemlich einschüchternd aber heute kann ich ihn mir aus keinen meiner Autos mehr wegdenken!  Dann haben wir  natürlich noch das Rallye Lenkrad, welches besonders viel Grip hat, um genaue Lenkbewegungen umzusetzen.  Wir fahren mit einer etwas kürzeren Übersetzung, dass bedeutet die Höchstgeschwindigkeit geht ein bisschen zurück und die Beschleunigung wird umso stärker durch die kürzeren Schaltwege.

Sebastian Kletzmayr

Unser Rookie in Zivil

Hat man dann einmal im Sitz Platz genommen, wird man durch das HANS-System (Head and Neck support) unter dem 4 Punkt Rallye Gurt komplett festgehalten. Man kann sich also wirklich kaum bewegen, was einem aber eine gewisse Sicherheit vermittelt. Schließlich ist es sehr schwer dieses Gefühl zu beschreiben,  man muss es selber erlebt haben und sich das vorzustellen!

Wie ist die Konkurrenz beim Racing Rookie?

Die Konkurrenz bei den Bewerben wird immer stärker. Die Teilnehmer sehen immer mehr, was für eine riesen Chance sich da für sie bietet und bereiten sich dementsprechend auch immer besser vor!  Ich hatte es ziemlich schwer, mich da durchzusetzten, war aber am Ende doch einen Tick besser als die Anderen. Nach wie vor ist der Bewerb eine Spitzenmöglichkeit um in den Motorsport einzusteigen oder wenigstens mal rein zu schnuppern! Sozusagen ein super Sprungbrett.

Und verglichen dazu – wie schauen deine Gegner bei der Rallye aus?

Die Konkurrenz bei den Rallyes ist natürlich nochmal eine Andere. Teilweise fahren Teams und Fahrer seit 20 Jahren Rallye und konnten somit schon sehr viel Erfahrung sammeln. Im Rallye-Sport geht es nur um Erfahrung. Denn ein Rallye-Fahrer sieht tausend Kurven nur einmal und ein Rundstrecken-Fahrer sieht eine Kurve tausend Mal.  Wir haben es aber bereits bei der ersten Rallye bis auf fünf Sekunden auf diese Fahrer in unserer Serie herangeschafft. Das war für uns, meinen Co Martin Tomasini und mich schon sehr erfreulich.

Wann bist du das nächste mal im Einsatz?

Die nächste Rally ist schon am 21.-22. Juni. Die Jacques Lemans Kärnten Rallye. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren und die nächsten Trainings sind schon geplant. Ich freue mich schon sehr drauf und hoffe ein gutes Ergebnis einfahren zu können. Ford Motorsport leistet einen super Job in der Bereitstellung und Aufbereitung  des Autos und da möchte man doch gerne ein bisschen was zurückgeben, am besten ein gutes Ergebnis. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei Ford für diese tolle Chance bedanken und hoffe auf eine lange Zusammenarbeit – am besten auch über dieses Jahr hinaus!

 Was wünscht du dir für deine Zukunft im Motorsport?

Für meine Zukunft im Motorsport wünsche ich mir, dass ich nach diesem gesponserten Jahr von Ford ein Cockpit finde…ob Rundstrecke oder Rallye ist mir komplett egal. Beides macht mir riesen Spaß, und schließlich komme ich ja aus dem Kartsport und hoffe somit meine Erfahrung in irgendein Cockpit oder zu einem Team mitzunehmen und erweitern zu dürfen.

Wie wirst du die heurigen Teilnehmer über deine Saison auf dem laufenden halten?

Ja, ich werde auf der autorevue-Homepage meinen Rallye-Blog laufend veröffentlichen.

Danke für das Gespräch.

Mehr zum Thema
  • Usko Mikael Hirvonen

    ARBEIT IST WICHTIG, ABER GUTES WOHNEN EBENSO…

    Mein Großvater hieß übrigens MIKKO HIRVONEN wie
    ein bekannter finnischer Rallyfahrer heute heißt,
    nur, mein Opa ist bereits Feber 1957 gestorben.
    Mein Großvater mütterlicherseits war schon 1920
    tot; ihn konnte ich leider nicht kennen lernen,
    weil ich erst 18 Jahre später geboren wurde.

    Glauben Sie, dass Kimi Räikkönen bei Ferrari dem Sebastian Vettel die hinteren Rotlichter zu zeigen vermag?

pixel