Racing Rookie Finale Melk 2012 Ford Oeamtc
Bewerbe: Kart, Schleuderplatte, Zeitfahren, Gleichmäßigkeitsfahren, zuletzt und als Höhepunkt das Rennen Mann gegen Mann.
 

Tag der Wahrheit

Racing Rookie 2012: Die Saison ist gelaufen, der Sieger gekürt. Sebastian Kletzmayr fährt in Melk zum Triumph genauso, wie er seine Ziele verfolgt: abgebrüht.

01.10.2012 Autorevue Magazin

Es war gut gemeint. Christian Senghaus, Racing-Rookie-Sieger des Vorjahres, ist eingeladen und darf Stimmung machen. Was er dann aber ins Mikrophon hineinsagt, macht wohl Stimmung, allein: welche? Er sagt vor allem: „Heuer ist es schwieriger als letztes Jahr.“

Racing Rookie Finale Melk 2012 Ford Oeamtc

Ein souveräner, aber auch freundlicher Sieger: Sebastian Kletzmayr, der hier die Gratulation Jakob Schobers, des zweiten Siegers, entgegennimmt.

Es ist nämlich – sehr im Gegensatz zum letzten Jahr – Melk-Wetter. Also ­Regen mit kalt. Da braucht’s nicht die Schleuderplatte, damit das Heck kommt oder die Schnauze woanders hingeht. Diesmal ist die Devise auch: aufpassen!

Also Ende August, also Finale. 27 Männer sind angetreten bzw. ins Finale gekommen (und schon wieder keine Frau, wir hoffen weiter). Für 27 Männer hat sich die Saison bisher gelohnt, für 26 von ihnen wird sie sich in wenigen Stunden nicht mehr gelohnt haben – zumindest, wenn man die Sache sieht, wie man sie hier sehen kann: als angehender Rennfahrer. Okay, dabei sein ist super und nett und schön und alles. Aber machen wir uns nichts vor. Was zählt, ist der Sieg und nicht der olympische Gedanke. Die langen Gesichter der jeweils Ausgeschiedenen bestätigen das.

Der eine hingegen, der heute die Arena als Triumphator verlässt, wird nächstes Jahr in einem Ford Werkscockpit sitzen, eine ganze, ausfinanzierte Saison lang. So beginnen Rennfahrerkarrieren. Dieser Schicksals-Sonntag, er beginnt wie üblich mit dem harmlosen Vormittag. Frühes Aufstehen, Briefing, Besprechung und mit den straßenzugelassenen ST-­Fiestas (150 PS) rumgurken am Infield. Außerdem natürlich Kartfahren. Dient alles dem sensiblen Heranführen ans große Ding – das Zeitfahren am Race Track. Wir sagten: 27 Männer. Das ist auch so gemeint, denn wenn einige dieser Männer auch noch sehr jung sind und die ältesten von ihnen immer noch jung, so ist doch hier die erwachsene Stimmung eines echten Fahrerlagers zu spüren. Keiner hampelt herum, und wer besonders cool ist, raucht während des Briefings Marlboro.

Racing Rookie Finale Melk 2012 Ford Oeamtc

Endlich ist es Tausendvierhundert, und es beginnt das große Reinemachen. Jeder muss eine komplexe Runde im ­Infield fahren, auf nassem Belag, Hütchen und Tore müssen sauber passiert werden, wer touchiert oder sich dreht oder von der Strecke abkommt, kriegt Strafsekunden. Aus 27 werden dabei acht. Diese acht haben keinen einzigen Fehler gemacht. Zwischen dem Ersten und dem Achten liegen keine zwei Sekunden. Zum Vergleich: Nummer 27 hat 23 Strafsekunden aufgesammelt und kommt auf diese Weise eine ganze Minute hinter dem ­Besten zu liegen. Das rührt auch von den Nerven, und einige wissen jetzt, was Christian Senghaus gemeint hat damit, dass es heute schwerer ist als letztes Jahr: Nass ist rutschig ist Fehlermachen. 19 schleichen vom Platz – erholen sich aber bald wieder, schließlich kann man öfter als einmal am Racing Rookie teilnehmen. Und entspannt zuschauen ohne Druck hat ja auch was.

Für die verbliebenen acht heißt es nun: Nerven und Gefühl zeigen, es kommt der Gleichmäßigkeitsbewerb. Jeder fährt drei Runden. Die Zeit der ersten Runde ist ­Referenz, die beiden anderen sollten möglichst gleich sein. Was dabei an Finger- oder eigentlich Zehenspitzengefühl zutage kommt, ist unglaublich. Jakob Schober, der Sieger dieses Bewerbs, braucht für die erste Runde 54,780 und für die zweite 54,760. Das sind 0,02 Sekunden Abweichung. In Worten: zwei Hundertstel, damit kann er im Zirkus auftreten. Seine Gesamtdifferenz wird 0,210 Sekunden­ ­betragen, es folgen Sebastian Kletzmayr mit 0,4, Constantin Cernov mit 0,820 und Andreas Gattringer mit einer Sekunde.

Für weitere vier heißt es Abschied nehmen: Marcus Kerschhaggl, Kevin Speigner, Marco Pilsinger und Adrian Strussnig haben sich heldenhaft geschlagen, den Einzug ins Halbfinale aber knapp verpasst. Es ist ja so: Auf dieser Ebene des Vorankommens liegen Können und Zeiten schon sehr eng beisammen. Alle hier sind gut, sehr gut.

Aber manche sind eine Nuance besser, und die kommen dann ins Finale. Jetzt geht es schon ums reine Rennfahren, drei Runden sind im Halbfinale zu absolvieren, es regnet noch immer, wir sind ermächtigt, die alte Metapher von der Regenschlacht aus der Kiste zu kramen: Regenschlacht von Melk, aah! Und die wird es auch. Trotzdem macht keiner der vier einen Fehler, Gattringer und Cernov nur jenen, knapp zu langsam zu sein: beide etwas mehr als zwei Sekunden langsamer als Kletzmayr, der Schnellste hier. Der souverän Schnellste hier, denn Jakob Schober, sein Gegner im Finale, liegt ebenfalls runde zwei Sekunden hinter ihm.

Racing Rookie Finale Melk 2012 Ford Oeamtc

Und im Finale dann, machen wir’s kurz, zeigt Kletzmayr, der seit Jahren Kart fährt, auch international, Klasse und Nerven. Fährt mit dem ausgeräumten, strebenverstärkten, stoßdämpfergehärteten Fiesta im ersten Durchgang (drei Runden) dem Schober ganz eng hinterher, 0,3 Sekunden Rückstand. Kriegt im zweiten Durchgang den besseren Start und hängt seinen Gegner gut ab, 1,75 Sekunden Vorsprung. Ein sauberer Sieg. Er hätte, sagt Kletzmayr im Sieger­interview, Schober im ersten Durchgang überholen können. „Ich wollte aber kein Risiko eingehen, wusste auch, dass ich im zweiten Durchgang den besseren Start schaffen und alles klarmachen würde.“ Taktik? „Taktik.“ Das ist ein Wort.

Sebastian Kletzmayr, 19 Jahre alt, Schüler in Wien, ist Racing Rookie-Sieger 2012. Sein Plan ist der Rennsport, am besten DTM. Sein Plan, nicht sein Traum.

Ein Video von der Vorausscheidung in Saalfelden haben wir auch noch:

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