Racing Rookie: Letzter Ausruf

Drift und Schmerz und Freude, das gleich zweimal. Beziehungsweise neunmal: Jetzt stehen alle Finalisten fest, die um die Teilnahme beim Superfinale im Rahmen der Autorevue-Speedparty fahren!

25.08.2016 Autorevue Magazin

„Der Vorteil der von innen verstellbaren Vorderräder ist, dass man sie in Fahrtrichtung einjustieren kann.“

Beim Briefing durch Chefinstruktor Ernest Loidl darf die Wortwahl gerne ein wenig von der Ideallinie trockener Wissensvermittlung abweichen, dann merkt man sich die Vorteile des modernen Automobilbaus beim Bewältigen kniffliger Situationen leichter. Außerdem geht’s grad um was, zumindest aber geht’s um die Theorie des Heckausbruchs. Der wird gleich die acht Besten der Vormittagsgruppe ereilen, und es stellt sich heraus: „Der Heckausbruch ist ein komplexes Thema, das sich nicht in zwei oder drei strenge Regeln fassen lässt.“ Soll heißen: Man kann dann auf viele Arten alles falsch machen, aber nur auf eine Art alles richtig, ein altes Dilemma der Menschheit.

Die Rookies haben zum Richtigmachen aber ein paar Dinge dabei, vor allem einen Rallye-Fiesta, daher gilt: „Zur Bewältigung der Situation dürft ihr alles nutzen, nur bitte nicht den Überrollbügel.“

Was Bewältigung der Situation heißt, werden kundige Begleiter des Racing Rookie ahnen: Überlisten der Schleuderplatte, bevor sie einen überlistet.

Der Heckausbruch ist ein komplexes Thema, das sich nicht in zwei oder drei strenge Regeln fassen lässt.
Soll heißen: Man kann auf viele Arten alles falsch machen, aber nur auf eine Art alles richtig, ein altes Dilemma der Menschheit.

Die Schleuderplatte ist, das sei für weniger treue Mitleser angemerkt, der gnadenlose Aufdecker von Talent. Auf ihr müssen sich jene beweisen, die in den Bewerben davor so überzeugend waren, dass sie zu den acht Besten der Vormittags (und später auch der Nachmittagsgruppe) zählen. Hat die Schleuderplatte das Heck des Rallye-Fiesta in Aufruhr versetzt, dann will es wieder eingefangen werden, ohne eine der vielen Pylonen zu touchieren, ohne Dreher, ohne von der Fahrbahn zu rutschen. Damit derlei nicht zu leicht fällt, findet die Übung auf einem bewässerten Rutschbelag statt – und alle anderen Rookies schauen zu. Neben fahrerischem Talent ist auch Nervenstärke nötig, und die beweisen diesmal, am 16. Juli am ÖAMTC-Übungsgelände Teesdorf, erstaunlich viele: Zwei fehlerfreie Durchgänge sind eher die Regel als die Ausnahme, dann entscheidet, wer schneller dran war. Aber nicht zu schnell: Das vorgegebene Zeitfenster liegt zwischen 45 und 60 km/h, und damit auch das nicht so einfach zu treffen ist, ist der Tacho abgeklebt. Es wird allerdings die Geschwindigkeit des Probedurchgangs per Funk ins Cockpit gemeldet, der Rest ist Gefühl fürs Auto, für die Situation, für den Grenzbereich und das eigene Talent.

Szenenwechsel: Saalfelden, 6. August. Durch endlosen Urlaubsverkehr – die Salzburger geben für die Begutachtung ihrer Landschaft gern einen 80er vor, unter dem deutsche und niederländische Urlauber gnadenlos Geschwindigkeitslimbo tanzen – kommen wir am Brandlhof an. Kaum ein Rookie trägt Couleur, das Wetter zwingt zur Verhüllung per Pullover. Man kommt mit Freunden, Brüdern oder ganzer Familie. Ein Ehemaliger, Jakob Grimm, gibt das Rookietum an seine beiden Brüder weiter, die er begleitet.

Nach der Mittagspause wird man vom euphorischen Quietschen unzähliger Kart- und Fiesta-Reifen empfangen, der Rookie-Haufen wetzt durch die Kurven, lässt Turbos pfeifen, kratzt an den Curbs und kickt der Ideallinie als abträglich empfundene Pylonen per Heckwedler in die Botanik. Überhaupt scheint der gefühlvolle Gasfuß in Saalfelden eher amüsante Fabel als gelebte Tugend zu sein: Einige nehmen unter süffisantem Kommentar von Ernest Loidl auf der Schleuderplatte die Hütchen im Dutzend billiger mit, zwei sind in ihren automobilen Walzer so vertieft, dass ihre Pirouetten nur knapp vor den Zuschauern zum Stillstand kommen. Die Sieger aber beherrschten das Auto großteils hervorragend und erwiesen sich so abermals klar als würdige Kandidaten fürs Halbfinale – neun sind es insgesamt, nach den beiden Vorausscheidungen.

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© Bild: Martin Strubreiter
NICO FLAGGL
„Wichtig ist nicht so sehr der Aufstieg ins Finale, sondern was man um 25 Euro alles lernen kann“, sagt Nico Flaggl, Kfz-Techniker beim ÖAMTC in Graz mit Interesse am sportlichen Fahren und am Schrauben. Das Finale lässt er auf sich zukommen, zum Üben fehlt die Rennstrecke.

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© Bild: Martin Strubreiter
MARKUS FIEDLER
Eigentlich ist Markus beim Fußball daheim, aber er fährt auch Kart und sah früh einen prägenden Film: „Mit drei Jahren schaute ich Hansi Hinterseer, da wollte mein Vater mit Grand Prix gegensteuern.“  Es gelang, jetzt ist dem künftigen Medizinstudenten ein Platz im Finale sicher.

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© Bild: Martin Strubreiter
SIMON STACHERL
Motorsportbegeistert ist Simon schon immer, aktiv fährt der Absolvent der HTL Steyr, Fachrichtung Maschinenbau, Kart. Seine Vorbereitung fürs Finale: „Kart fahren!“ Und was fährt Simon im Alltag? „Mamas Auto.“ Es handelt sich aber eh um einen BMW 116d.

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© Bild: Martin Strubreiter
VALENTIN MOSER
Seit drei Jahren will Valentin teilnehmen, immer war er zu spät dran. Diesmal nicht. Seine bisherige Motorsporterfahrung? „Ich fahre Moto Cross, aber im Kart bin ich heute erstmals gesessen.“ Noch dazu im Regen, das Ergebnis war dennoch hervorragend.

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© Bild: Julian Sparrer
SEBASTIAN DÜRAGER
2014 schon im Vorfinale, ist der 21-jährige KFZ-Techniker begeisterter Fußballer, hätte aber nichts gegen eine Umschulung auf Rallyefahrer. Zwei fehlerfreie Durchgänge auf der Schleuderplatte sprechen für ihn, außerdem droht so kein aber-maliger Kreuzbandriss.

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© Bild: Julian Sparrer
JOHANNES KNAUSS
Der Schladminger wohnt zur Zeit unweit des Schwarzenegger-Museums, was ihn trotz längerer Anreise die Qualifikation fürs Vorfinale stemmen ließ. Rennsport steht noch auf der To-Do-Liste des „ganz normalen HTL-Schülers“, nach einer Runde Focus RS mit Rufzeichen.

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© Bild: Julian Sparrer
CHRISTIAN STERNER
Der 19-jährige Bayer hat mit Wildcard und Zulassung trotz Herkunft doppeltes Glück. Wir vergönnen es dem charmanten Renn-Asylanten, der niemandem
den Platz wegnehmen wollte und dem nur ein kleiner Schnitzer zwei perfekte Schleuderplatten-Durchgänge verpatzte.

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© Bild: Martin Strubreiter
MAXIMILIAN PLATTER
Der Wirtschaftsstudent aus Innsbruck verpasste letztes Jahr die Anmeldung und schrieb sich daraufhin gleich eine Erinnerung in den Kalender. Mit Erfolg. Neben Focus RS und Rallye-Fiesta hauptverantwortlich für seinen Hutschpferd-Grinser.

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© Bild: Julian Sparrer
THOMAS FÖRG
Letztes Jahr knapp nicht weiter, hat er sich heuer „zusammengerissen“, seine Vorjahres-Fehler vermieden und konzentriert gewonnen. Der Vater seiner damaligen Freundin gab ihm eine Autorevue, so kam er auf den Racing Rookie. Wenn das nicht Schicksal ist.

RACING ROOKIE SUPERFINALE 2016

Samstag, 10. September 2016 – Speedparty im Magna Racino (NÖ)

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