Die Porsche-Piloten freuen sich
 

Porsche holt Triple-Pole in Le Mans

Im Qualifying für das legendäre 24 Stunden-Rennen hatte Porsche die Nase vorn – Audi will Siegesserie fortsetzen

12.06.2015 APA

Am kommenden Wochenende geht das 83. 24 Stunden-Rennen von Le Mans über die Bühne. 50 Jahre nach dem ersten österreichischen Sieg durch Jochen Rindt lautet das Duell: Japan (Toyota, Nissan) gegen Deutschland (Audi, Porsche).

Porsche dominiert das Qualifying

Zumindest im Qualifying am Freitag setzte Rekord-Sieger Porsche, der im Vorjahr nach 16 Jahren zurückgekehrt war, ein starkes Zeichen. Für Romain Dumas/Neel Jani/Marc Lieb im schwarzen Auto mit der Nummer 18 reichte die Mittwoch-Runde von 3:16,887 Min., um sich vor dem Trio rund um Mark Webber sowie jenem von Force-India-Pilot Nico Hülkenberg die Pole Position zu holen. Damit stellte Porsche seine drei 919er-Hybrid-Prototypen auf die ersten drei Startplätze, gefolgt von den drei Audis und den beiden Toyotas.

Die Porsche-Piloten freuen sich
© Bild: JEAN-FRANCOIS MONIER AFP

Audi will Siegesserie fortsetzen

Obwohl die Porsche auf einer Runde des 13,629 Kilometer langen Kurses schneller sind, will Titelverteidiger Audi mit Ausdauer und Effizienz beim härtesten Langstrecken-Rennen der Welt seine Siegesserie fortsetzen. Fünf Mal in Folge seit 2010 haben die Sportwagen mit den vier Ringen den Klassiker, zu dem jährlich an die 250.000 Fans pilgern, gewonnen. Audi peilt nun den bereits 14. Le-Mans-Sieg in den vergangenen 16 Jahren an. Damit würde man Rekordsieger Porsche (16 Siege) schon bedrohlich nahe kommen.

Start am Samstag um 15 Uhr

Eine Woche vor dem Formel-1-Grand Prix in Österreich blickt die Motorsport-Szene jedenfalls gebannt nach Le Mans, wo am Samstag um 15.00 Uhr (live Eurosport) die Startflagge fällt. Audi gegen Porsche, das ist nicht nur ein Duell zweier Marken aus dem Haus Volkswagen, sondern auch eines zweier Österreicher. Beim Titelverteidiger aus Ingolstadt führt der gebürtige Wiener Wolfgang Ullrich als Motorsportchef das Kommando. Bei Porsche ist auch im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Langstrecken-Szene der Steirer Fritz Enzinger der Fädenzieher.

Alexander Wurz macht sich keine Hoffnungen

Insgesamt 56 Fahrzeuge gehen 2015 an den Start, davon 14 LMP1-Prototypen. In einem dieser zwei Toyotas, in jenem mit der Nummer 2, sitzt der Österreicher Alexander Wurz. Der zweifache Le-Mans-Gesamtsieger macht sich diesmal aber keine allzu großen Siegeshoffnungen, weil die deutsche Konkurrenz schneller ist. Mehr als Platz sieben im Qualifying war für den Wurz-Toyota nicht drin.

Wurz wurde im Qualifying nur 7.
© Bild: Die Porsche-Piloten freuen sich

Formel 1-Piloten im Porsche-Prototyp

Dazu kommen je drei Audis, Porsches und Nissans sowie drei Nicht-Hybrid-Autos, darunter der Rebellion mit dem Österreicher Dominik Kraihamer (Nr. 13). Audi setzt mit Marcel Fässler (SUI), Andre Lotterer (GER) und Benoit Treluyer (FRA) auch das aktuell erfolgreichste Le-Mans-Siegertrio ein. Bei Porsche sitzen mit Hülkenberg und Webber erfahrene Formel-1-Piloten am Steuer.

Ex-F1-Pilot Webber in Le Mans
© Bild: JEAN-FRANCOIS MONIER AFP

Weitere Österreicher in Gran Turismo-Klassen – und 1 Hollywoodstar

In den Gran-Turismo-Klassen sind bei den Profis mit dem dreifachen Le-Mans-Klassensieger Richard Lietz (Porsche) sowie bei den Amateuren mit Klaus Bachler (Porsche) und Matthias Lauda (Aston Martin) weitere Österreicher am Start. Das Lauda-Auto erzielte auch Bestzeit in der GTEAm, in der auch wieder US-Schauspieler Patrick Dempsey mit einem 911er-Porsche dabei ist.

Schauspieler Patrick Dempsey
© Bild: JEAN-FRANCOIS MONIER AFP

Technologien-Testfeld

Seit 1923 wird das 24 Stunden-Rennen von Le Mans westfranzösischen Departement Sarthe ausgetragen. Weltweites Prestige genießt das Rennen auch, weil es wie kein zweiter Motorsport-Wettbewerb Tradition und Fortschritt verbindet und sich als härtestes Testfeld für Technologien anbietet.

Innovative Siegestaktiken

Audi etwa war 2006 der erste Hersteller, der das Rennen mit Dieselantrieb gewonnen hat. Auch der erste Gewinner mit Hybridantrieb trug 2012 die vier Ringe auf der Haube. Bis heute ist der diesel-elektrische Antrieb von Audi in Le Mans ungeschlagen. Seit 2014 fahren gleich zwei Marken aus dem VW-Konzern gegeneinander und kämpfen mit innovativen Hybrid-Technologien um den prestigeträchtigen Sieg.

„Spannender Wettbewerb verschiedener Effizienz-Konzepte“

Die vier Hersteller treten mit vier unterschiedlichen Konzepten an – vom Verbrennungsprinzip über die Motor-Anordnung im Rennwagen bis zu Umfang und Art der Energie-Rückgewinnung und ihrer Speicherung. „Den Verantwortlichen ist es gelungen ein Reglement zu schaffen, das einen spannenden Wettbewerb verschiedener Effizienz-Konzepte ermöglicht“, begrüßte dies Ullrich.

Fässler, Lotterer und Treluyer kommen als Tabellenführer nach Le Mans

Fässler, Lotterer und Treluyer haben in den vergangenen vier Jahren nicht nur drei Mal Le Mans gewonnen, sondern auch die ersten beiden WM-Läufe des Jahres in Silverstone und Spa-Francorchamps. Sie kommen daher als Tabellenführer an die Sarthe. In Spa war der neue Audi R18 e-tron quattro im Qualifying sieben und im Rennen vier Sekunden schneller als im Vorjahr, obwohl er nun mit 2,8 Prozent weniger Kraftstoff auskommen muss. Das liegt u.a. an einem überarbeiteten V6-TDI-Motor und einem doppelt so leistungsfähigen Hybridsystem.

Fässler, Lotterer und Treluyer
© Bild: Christopher Lee Getty Images Sport

Ob es Wurz diesmal dennoch gelingt, als Sieger auf drei verschiedenen Marken Motorsport-Geschichte zu schreiben, ist unwahrscheinlich. 1996 war der Niederösterreicher auf Porsche zum jüngsten Gesamtsieger aller Zeiten avanciert, 2009 – es war der einzige Nicht-Audi-Sieg der vergangenen zehn Jahre – wiederholte er das Kunststück in einem Peugeot.

Schwerer Unfall im Qualifying

Wie gefährlich Le Mans ist, zeigte sich auch im letzten Qualifying. Jan Magnussen, Vater des Formel-1-Fahrers Kevin Magnussen, verunglückte in der Nacht auf Freitag in seiner Corvette so schwer, dass abgebrochen werden musste. Der Däne musste nach dem Unfall ins Krankenhaus, war aber ansprechbar. Erst 2013 war mit Allan Simonsen ein Landsmann von Magnussen tödlich in Le Mans verunglückt.

Der Crash von Jan Magnussen

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