Der Porsche 919 Hybrid bei Tests in Bahrain
Viel Arbeit gibt es derzeit für das neu formierte Prototypen-Team von Porsche.
 

Porsche 919 Hybrid: Le Mans kann kommen

In Le Mans zählen Erfahrung, Strategie und Ruhe mehr als in jedem anderen Rennen. Der Porsche 919 Hybrid dreht in Bahrain wichtige Testrunden.

18.02.2014 Press Inform

Mit 1,53 Minuten hat Mark Webber im Porsche 919 Hybrid rund zehn Sekunden länger gebraucht, als die Spitzenpiloten mit ihren LMP1-Boliden beim offiziellen Rennen im vergangenen Jahr. Es gibt viel zu tun für das neu formierte Prototypen-Team von Porsche, das in der Königsklasse von Le Mans bereits bei der Erstauflage nach dem Sieg im Jahre 1998 wieder um den Sieg mitfahren soll._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-boxenstopp

Mammutprojekt

Friedrich Enzinger, LMP1-Leiter bei Porsche, schraubt die Erwartungen herunter: „Die Vorgaben für das erste Jahr stehen: ankommen und wettbewerbsfähig sein.“ Wer Porsche kennt und insbesondere  den mittlerweile der Marken stehenden Volkswagen-Konzern, weiß, dass es damit allein kaum getan sein wird. Enzinger war lange Jahre bei BMW und auch bei deren Le-Mans-Sieg 1999 dabei. Jetzt soll er ein neu gegründetes Team mit 230 Leuten innerhalb von kürzester Zeit fit für das schwerste Autorennen der Welt machen._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-reifenwechsel

In Le Mans zählen Erfahrung, Strategie und Ruhe

Das Projekt könnte schwerer kaum sein, denn in Le Mans gehen die Rennuhren bekanntlich anders. Hier zählen Erfahrung, Strategie und Ruhe mehr als in jedem anderen Rennen. Trotzdem will hier jeder nur eines: gewinnen. Der Grund liegt neben der gigantischen weltweiten Motorsport-Wahrnehmung auf der Hand._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-garage2

Technologietransfer zu Serienmodellen

Zudem ist bei keiner anderen Rennserie der Technologietransfer zu Serienmodellen größer. Das war bei den Le-Mans-Rennen in den 20er oder 50er Jahren kaum anders als in der vergangenen Dekade, als Seriensieger Audi Technologien wie Direkteinspritzer, TDI oder Hybrid auf dem Sarthe-Kurs vergoldete und scheibchenweise in seine Straßenmodelle brachte._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-box

Le Mans mit Regeländerungen

Dieses Jahr ist in Le Mans alles anders. Denn mit Vollgas allein lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Der Veranstalter honoriert üppig den Einsatz von Hybridmodulen in den  Hochgeschwindigkeitsrennwagen. In der Topliga der Schnellsten, wo Toyota, Audi und Porsche gegeneinander ankämpfen, muss einer wie der Porsche 919 Hybrid mit einem Verbrauch von unter fünf Litern Kraftstoff pro Runde auskommen._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-oben

Unterschiedliche Konzepte führen zum Ziel

Um diesen für einen Rennwagen geradezu wahnsitzigen Mikrodurst überhaupt realisieren zu können setzen die Konkurrenten auf unterschiedliche Konzepte. Audi tritt mit einem leistungsstarken Dieselhybriden an, Toyota mit einem hochdrehenden V8-Benziner mit Hybridmodul und Porsche lässt es noch kleiner angehen._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-seite-rennstrecke

Gewicht und Effizienz zählen

„Die Idee eines V4-Turbos war schon da, als ich im Dezember 2011 hier angefangen habe“, erinnert sich der technische Leiter Alexander Hitzinger, „heute sind Gewicht und Effizienz bei einem LMP1-Rennwagen längst das entscheidende.“ Über die Leistungsdaten des V4-Turbos hinter dem Sitz des Piloten schweigt sich Hitzinger ebenso standhaft aus, wie über das Potenzial des Elektromoduls für die Vorderachse. Der hoch aufgeladene Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum dürfte jedoch allein rund 500 bis 550 PS leisten. Die zusätzliche Leistung der Elektromotoren vorne sollte nochmals rund 250 bis 300 PS beitragen._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-testfahrer

Tests in Bahrain

Die vergleichsweise müden Rundenzeiten von Bahrain fechten Hitzinger und Enzinger jedoch kaum an. „Nicht alles kann aus Daten herausgelesen werden“, erklärt Alexander Hitzinger, „wir brauchen die Fahrer als Informationsquellen und sind um jeden Kilometer für die Komponenten dankbar. Da ist Bahrain einfach perfekt.“ Daher auch der kurze Abstecher in die Emirate. Mit Mann und Maus in die Flieger und während des stabilen Wetters Fahrer, Team und Auto wieder ein Stück zusammenfügen._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-team

Nicht der schnellste gewinnt

Es heißt Erfahrungen mit Komponenten zu machen und eine erste Rennstrategie zu entwickeln. Schließlich findet das erste rennen bereits im April im in Silverstone statt. Fest steht bereits Monate vor dem Saisonhöhepunkt im Juni: nicht der schnellste wird in Le Mans gewinnen, sondern der, der mit seinem Kraftstoff am schnellsten unterwegs ist._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-boxenstopp2

Neu entwickelter Vierzylinder

Das soll der Vierzylinder ermöglichen, der komplett neu entwickelt wurde – und der noch seine Mucken hatte, wie Alexander Hitzinger zugibt: „Ein Vierzylinder in V-Form hat Nachteile, aber eben auch Vorteile. Wir haben mit einem Achtzylinder angefangen und diesen durchgeschnitten. Es ist alles wahnsinnig komplex. Die Vibrationen vom Vierzylinder waren anfangs einen Problem für uns. Doch das ist den ersten Tests in Portimao gelaufen.“ Immer wieder unterstreicht Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz als oberster Kopf des Porsche-Teams den Technik-Transfer-Gedanken.

Vierzylinder für den Macan

Längst kein Geheimnis, dass Porsche an Vierzylindern experimentiert. Der erste Vierzylinder seit dem Auslaufen des wenig geliebten Porsche 968 wird ab 2016 ein leistungsstarker Benziner im Porsche Macan sein. Doch auch die kommende Generation von Boxster und Cayman dürfte sich schon einmal daran gewöhnen, dass Vierzylinder kein Tabu mehr sind. Da kommen Le-Mans-Ehren nicht nur der Marketingabteilung gerade Recht._Porsche-919-Hybrid-Tests-in-Bahrain-rennstrecke4

Hitzinger und Einzinger zufrieden

Doch noch gibt es viel Arbeit. Daran ändern auch die zunehmenden Kilometer nichts, die der Porsche 919 Hybrid an diesem Trainingstag in Bahrain abspult. Abends geht eine Sammel-Kurzmitteilung durchs Team: 1.040 Kilometer gefahren. Alle sind zufrieden – vielleicht sogar mehr als das. Allen voran das österreichische Technik-Doppel Hitzinger / Einzinger und Fahrer Marc Lieb, der am späten Nachmittag noch mehr Testrunden als Fahrer Mark Webber in den Asphalt von Bahrain brennen konnte.

Alle Fotos der Tests in Bahrain finden Sie in der Galerie.

Vielen Dank an die Kollegen von press-inform.com

pixel