Der Peugeot 208 T16 bei der Pikes Peak 2013
Wenn der beste Pilot der Welt in einem 875 PS Auto sitzt, fallen Rekorde.
 

Pikes Peak International Hill Climb 2013 – Dachgeschoss

Sebastien Loeb pulverisiert den Pikes Peak Rekord und ein Elektroauto fährt auf dem Niveau der Vorjahressieger. Kurzum: PIkes Peak ist lebendig wie immer.

02.07.2013 Online Redaktion

Pikes Peak ist Rennen auf amerikanisch

Die Wahrheit ist: Pikes Peak beginnt nicht erst am Sonntagmorgen, sondern schon in der In der Nacht davor. Und zwar nicht nur für die Fans, sondern für alle. Die Zuschauer, die sich die besten Plätze sichern wollen, reisen am Samstag gegen 21 Uhr an. Da dürfen sie zwar noch nicht auf den Berg, aber sie dürfen sich vor den Schranken in eine Schlange stellen. Um drei Uhr früh, also noch vor dem Morgengrauen, öffnen sich die Schranken.

Weil das aber die einzige Straße zur Startlinie ist, müssen hier auch die Rennteams durch. Zur gleichen Zeit. Sebastien Loeb wusste das. Er hatte sich in Denver eine Harley Davidson und eine KTM gemietet und schlängelte sich nun, seine Frau als Sozius, durch die Automassen nach oben. Oben angekommen hatte er noch etwa fünf Stunden totzuschlagen, bis er sich endlich in sein Auto setzen konnte. Die Zeit verbrachte er an der Strecke und beobachtete die Motorräder. Sichtlich nervös und angespannt gab er Autogramme, beantowertete Fragen und ließ sich mit Fans fotografieren.

Die Helden von Pikes Peak

Loeb stand beim Pikes Peak enorm unter Druck. Die offizielle Aussage von Peugeot war: „Ein Sieg ist zu wenig.“ Die Marke wollte die Bestzeit aus dem Vorjahr (Rhys Millen gewann in einem Hyundai Genesis Coupé  in 9:46.164 Minuten) pulverisieren und eine Zeit hinlegen, an der sich andere Hersteller auf Jahre die Zähne ausbeißen sollen. Das Problem, selbst für den aktuell besten Rennfahrer der Welt: beim Pikes Peak gibt es nur einen Versuch. Keine zwei Läufe. Keine Durchschnittswertung. Keine Punkte. 19,9 Kilometer, verteilt auf 156 Kurven. Wer oben ankommt hat 1500 Höhenmeter hinter sich gebracht und ist auf 4301 Metern angekommen. Wer nur einen einzigen Fehler macht kann sich seine Rekordjagd auf den Bauch malen.

Doch im Auto ist Loeb in seinem Element. Sein Peugeot 208 T16 hat 875 PS – also ein PS pro Kilogramm – und wurde ausschließlich für diese Veranstaltung gebaut und entwickelt. 25 Jahre nach der Rekordfahrt von Ari Vatanen (ebenfalls im Peugeot), war es an Loeb, der Marke einen weiteren Pikes-Peak-Orden anzuheften. Und das tat er. Er legte bei idealen Wetterbedingungen eine perfekte Fahrt hin: 8:13.878 Minuten. Die Bestzeit mal eben um rund neunzig Sekunden unterboten. Für Peugeot sind 4301 Meter der siebte Himmel.

 

 

Sebastien Loeb bei der Pikes Peak 2013

 

 

Ebenfalls gesprochen werden muss über Nabuhiro Tajima. Er war der erste Fahrer, der 2011 den Berg in weniger als zehn Minuten bezwang und wurde damit zum Pikes Peak Helden. Heuer trat er in der Klasse der Elektrofahrzeuge an. In einem Mitsubishi MiEV Evolution II. Die Sensation lässt sich in einem Satz gar nicht zusammen fassen. Denn erstens wurde er mit einer Zeit von 9:46.530 im Gesamtklassement fünfter, womit er eine ganze Reihe Piloten demütigte, die in der Unlimited Klasse fuhren – also jene, in der auch Sebastien Loeb startete. Zweitens unterbot er seinen eigenen Rekord von 2011 um fünf Sekunden. Und drittens ist seine Zeit Nahezu nidentisch mit der von Vorjahressieger Millen. Und das in einem Elektroauto.

Die Zukunft von Pikes Peak

Damit ist auch schon die Zukunft vom Pikes Peak abgesteckt. Peter Freytag sitzt seit über zwanzig Jahren im Organisationskomitte des Rennens und sieht zwei Entwicklungen. Einerseits hofft er auf die verstärkte Teilnahme von Werksteams. Audi, so hofft er, wird sich diese Zeit nicht bieten lassen wollen. Das Match zwischen Walter Röhrl und Ari Vatanen sei schließlich legendär. Einen zweiten Trend sieht er bei den Elektroautos. Mercedes hat den SLS, Opel den Ampera, BMW den i8. Alles Projekte, die sich vergleichsweise leicht für Pikes Peak adaptieren ließen. Glaubt Freytag.

Pikes Peak ist das zweitälteste Autorennen der Welt. Heuer fand der International Hill Climb zum 91. Mal statt und muss sich damit im Kampf um die Superlative nur den 500 Meilen von Indianapolis geschlagen geben. Vom einstiegen Rallyewahnsinn ist freilich wenig übrig geblieben. Die Strecke ist mittlerweile aus Umweltschutz- und Tourismus-Gründen bis zum Gipfel betoniert. Damit geht ein wenig die Ästhetik verloren, die einst Ari Vatanen zur Perfektion brachte, dadurch gewinnt das Rennen aber auch mehr an Reiz. Denn die Strecke ist schneller und gefährlicher geworden. Zwar gibt es jetzt an zwei oder drei Stellen Leitplanken, die Straße selbst ist aber schmaler geworden. Die Piloten haben nicht mehr den gleichen Spielraum für Korrekturen wie noch vor 25 Jahren.

Warum es auf dem Gipfel fast zu einer Schießerei gekommen wäre, welche Rolle das chaotische Wetter spielte und wo man überall einen Spoiler anbringen kann erfahren Sie im Pikes Peak Feature in der nächsten Autorevue.

Ari Vatanen und der ästhetische Höhepunkt Pikes Peaks:

  • tonitirol

    Loeb ist mit jedem Fahrzeug schneller als die anderen….

  • normalootto

    Das Rennen gab es auch bei Gran Turismo (Weil ma ja gerade 15 Jahre feiert). Da konnte man mit dem Gerät hier fahren: http://www.youtube.com/watch?v=32wAYLIDglo

    Das Video ist allerdings nicht ganz so ästethisch, wie das mit Vatanen.

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