Dr Wolfgang Ullrich bei den 24 Stunden von Le Mans
Dr. Wolfgang Ullrich (Mitte) hat das Audi-Team in Le Mans erneut zum Sieg geführt.
 

24h Le Mans – Die Stimmen der Österreicher in Le Mans nach dem Rennen

Auch viele Österreicher waren an den Rennerfolgen in Le Mans beteiligt. Wir haben mit ihnen gesprochen.

29.06.2013 Autorevue Magazin

Alex Wurz – Als Österreicher in Le Mans ein Fixstarter

Alex Wurz beendete das Rennen mit seinen Kollegen Nicolas Lapierre und Kazuki Nakajima im Toyota TS030 Hybrid am vierten Gesamtplatz.

„Ich bin vielleicht zufrieden aber weit entfernt von happy. Ich trete in LeMans an, um zu gewinnen und das haben wir nicht! Dass wir beide Autos ins Ziel und fast auch beide aufs Podium gebracht haben ist recht gut, aber zum Sieg hat es einfach nicht gereicht. Wir haben aus unserem Paket, aus den limitierten Ressourcen, die wir bei Toyota für dieses 2013 LeMans Projekt hatten, eigentlich das Maximum rausgeholt, realistisch gesehen wäre ein Sieg aber nur möglich gewesen, wenn Audi Probleme gehabt hätte.

Das Rennen war wegen des oftmaligen Wechsels der Strecken- und Wetterbedingungen sicher eines der schwierigsten überhaupt. Noch dazu sind wir aufgrund unserer Strategie und der beeindruckenden Konstanz der Michelin-Reifen auch extrem lange Stints gefahren. Vier Stunden im Auto und jede Sekunde voll am Limit, das hat uns sehr zugesetzt und am Ende des Rennens waren wir alle ziemlich ausgehungert. Ein brutales Rennwochenende, in allen Belangen.

Ein brutaler emotionaler Schlag war die Nachricht vom Tod Allan Simonsens. Da gehen dir dann natürlich sehr viele Dinge durch den Kopf, du fragst dich, wer jetzt sein Hotelzimmer ausräumt, wer jetzt am Montag die Kinder in die Schule bringt und dann taucht natürlich auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf! Traurigkeit und Mitleid mischen sich unweigerlich in deine Gedanken und dein Handeln. Aber in dieser Situation, mit den Umständen von Allans Unfall, das Rennen abzubrechen und aufzuhören, hat mein Bewusstsein nicht verlangt. Ob es in der Rennleitung diskutiert wurde weiß ich nicht, aber die Menschheit, unsere Gesellschaft und auch unser Sport lebt von der Evolution, vom

„Sich-weiter-bewegen“. Wir werden Allan und seinen Unfall nicht vergessen, genauso wenig wie wir den davor letzten tödlichen Unfall in LeMans von Jo Gartner nie vergessen und wir vermissen sie alle. Aus Respekt müssen wir weiter machen und aus Respekt vor den Verunglückten und der Sache an sich müssen wir es in Zukunft besser machen, was im Motorsport heißt, dass wir den Sport sicherer machen müssen.

Ich gratuliere Audi, allen Klassensiegern, Dominik Kraihamer für seine Rundenzeiten und vor allem dem heimischen Sieger Richard Lietz!

Richard Lietz – Sieger der GTE Pro-Klasse

Richard Lietz gewinnt die Klasse GTE Pro zusammen mit Roman Dumas und Marc Lieb im Porsche 911 RSR.

„Das war ein arges Rennen, in jeder Hinsicht. Das Rennen stand für uns alle unter dem Eindruck, dass Allan Simonsen verunglückt ist. Ich bekam kurz vor meinem ersten Einsatz am Samstag Abend die Nachricht, dass er verstorben ist und habe mir dann sehr schwer getan, konzentriert zu bleiben.

Natürlich habe ich Allan gekannt, er ist richtig viele Rennen gefahren, wir haben viele Wochenenden an der selben Rennstrecke verbracht. Klar bekommt man da mit, dass er im letzten Jahr Vater geworden ist und das hängt dir dann halt im Kopf. Wir sind eine Rennfahrergeneration, die solche fatalen Unfälle nicht mehr kennt, wir fahren Rennen und sitzen am Montag wieder zuhause bei Familie und Freunden und es ist schwer zu begreifen, dass bei einem von uns das jetzt nicht der Fall ist.

Wir haben dann auch mitbekommen, dass Allans Familie gegen einen Rennabbruch oder den Rückzug von Aston Martin ist und dann haben wir unser Rennen, so gut es ging, auch fortgesetzt.

Unser Auto hat sehr gut funktioniert, wir hatten diesmal sogar unseren Roland Kussmaul als Renningenieur dabei, der uns mit seiner enormen Erfahrung bei diesen extrem anspruchsvollen Wetter- und Streckenbedingungen sehr geholfen hat.“

Roland Kussmaul – Genie, Ingenieur

Der 69jährige Roland Kussmaul gilt nicht nur als Top-Ingenieur und genialer Rennstratege, sondern auch als exzellenter Versuchsfahrer. Obwohl eigentlich seit vier Jahren offiziell in Pension, unterstützt er heuer die Porsche-Werksmannschaft bei der Rennen der WEC

Als es eine halbe Stunde vor der Zielflagge wieder stark zu regnen beginnt, hängt Stefan Mücke im Aston Martin formatfüllend im Rückspiegel des Porsche von Richard Lietz, der so wie sein Gegner auf Slicks unterwegs ist und eine schnelle Entscheidung zu treffen hat: Boxenstop und Regenreifen abholen oder mit den Slicks wie auf Glatteis weiterfahren und auf eine Safety Car Phase spekulieren.

„Ich war mir sehr sicher, dass es eine Safety Car Phase geben wird und dachte mir, jetzt bleib ich einfach draussen und das war dann auch die richtige Entscheidung. Während der Safety Car Phase hab ich mir dann Regenreifen geholt, die auch bei auftrocknender Strecke noch gut funktionieren, so konnten wir das dann nach Hause fahren. Aber wie gesagt, unser Sieg ist unter dem Eindruck des tragischen Unfalls von Allan Simonsen völlig unbedeutend. Wir sind glücklich und stolz auf unsere Leistung und das Auto, aber mit unseren Gedanken ganz wo anders.“

Dr. Wolfgang Ullrich – Motorsportchef des Le Mans-Siegers Audi

Der Wiener Dr. Wolfgang Ullrich führte die Audi-Mannschaft in seiner Funktion als Motorsportchef zu mittlerweile zwölf Siegen in LeMans.

„Das war das schwierigste Rennen, das ich in meinen 15 Le-Mans-Jahren erlebt habe. Ein Grund war natürlich, dass wir miterleben mussten, wie ein junger Rennfahrer aus Dänemark an diesem Wochenende sein Leben verloren hat. Seiner Familie gilt unser Mitgefühl. Aber auch das Rennen selbst war außergewöhnlich: Unsere Piloten hatten es 24 Stunden lang mit wechselnden Witterungsverhältnissen zu tun und mussten sich immer wieder in kürzester Zeit auf neuen Bedingungen einstellen. Das Team in der Box und an der Boxenmauer hatte deshalb keine einzige Ruhepause – an so etwas kann ich mich nicht erinnern. Die ganze Mannschaft hat an diesem Wochenende in einer Extremsituation eine unglaubliche Leistung gezeigt – ich bin stolz, ein Teil von ihr zu sein.“

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