Monaco-GP: Was war da bloß los mit Mercedes?

Wie Mercedes den sicheren Sieg von Lewis Hamilton durch einen peinlichen Taktik-Fehler verhinderte

25.05.2015 Online Redaktion

Nico Rosberg gewann am Sonntag zum 3. Mal in Folge den Formel 1-Grand Prix in Monaco, sein Termakollege Lewis Hamilton ärgert sich auf dem 3. Platz. Ein ganz normales Bild, möchte man meinen. Aber dieses Mal steckt etwas mehr hinter Lewis Hamiltons Ärger als die übliche Rivalität mit Nico Rosberg: Obwohl der Brite in dem bis kurz vor Schluss recht unspektakulären Rennen klar führte, wurde sein eigentlich sicherer Sieg durch einen schweren taktischen Fehler doch noch verhindert – und Rosberg gewann 4,4 Sek. vor Sebastian Vettel im Ferrari. Damit führt Hamilton die WM-Wertung nur mehr um 10 Punkte an.

Mit einem Crash fing alles an

Aber was ist genau passiert? Als Hamilton in der 64. von 78 Runden einem über 10 Sekunden vor Rosberg führte, crashte Toro Rosso-Jungpilot Max Verstappen auf der Start-Ziel-Geraden mit Top-Speed in das Heck von Romain Grosjeans Lotus. Während Grosjeans Bolide relativ unbeeindruckt weiter fuhr, krachte Verstappens Toro Rosso mit Karacho in die Tecpro-Barrieren. Zum Glück blieben aber beide Piloten unverletzt.

Der Crash von Max Verstappen beim Grand Prix von Monaco

Folgenschwerer Reifenwechsel

Auf den Unfall folgte eine Safety Car-Phase – und eine verheerende Entscheidung von Mercedes. Das Team holte Hamilton zu einem weiteren, ungeplanten Reifenwechsel an die Box, wodurch der bis dahin klar führende Weltmeister auf Platz 3 zurückfiel. Auch mit seinen neuen schnellen Supersofts gelang es dem Briten auf dem engen Stadtkurs in Monaco nicht, seine Führung zurückzuholen. Nicht einmal an Sebastian Vettel im Ferrari kam Hamilton vorbei, bevor letztendlich Nico Rosberg als Erster die Ziellinie überquerte und völlig unerwartet seinen 10. Grand Prix-Sieg heimholte.

Rosberg wird „trotzdem den Moment genießen“

Unter diesen Umständen kann auch Rosberg seinen Sieg nicht voll genießen. „Ich weiß natürlich, dass da heute sehr viel Glück dabei war. Denn Lewis war das ganze Wochenende besser und hätte dieses Rennen auch gewinnen können“, zitiert die APA den Deutschen. „Es war verrückt. Aber die Situation war halt so und auch für mich nicht einfach. Auch meine Reifen sind abgekühlt. Sieg ist aber Sieg, und ich werde trotzdem den Moment genießen.“

Hamilton „gratuliert Nico“

Auch Hamilton versuchte vorerst, einen guten Verliere abzugeben. „Es ist nicht einfach für mich. Das Team arbeitet das ganze Jahr so unglaublich. Man muss jetzt nicht auch noch den Finger in die Wunde legen. Ich gratuliere Nico“, so der Brite, für den der 3. Platz sein bisher schlechtestes Saisonergebnis bedeutet. „Nächstes Jahr versuche ich es wieder.“

Verbockter Vorsprung

Ohne die Fehlentscheidung von Mercedes hätte Hamilton höchstwahrscheinlich gewonnen und seinen Vorsprung auf Rosberg auf 27 Punkte ausgebaut. Somit hätte er beim Grand Prix in Kanada nicht überholt werden können und wäre Ende Juni als WM-Führender nach Österreich gekommen. Nach den Ereignissen am Sonntag besteht allerdings die Chance, dass der Brite seine Führung schon im kommenden Rennen abgeben muss.

Mercedes-Motorsportchef Wolff: „Es gibt keine Entschuldigung“

Für die folgenschwere Fehlentscheidung nimmt das Mercedes-Team die Schuld auf sich. „Das geht voll aufs Team. Es war eine Fehlentscheidung“, gibt Motorsportchef Toto Wolff zu. „Die Reifentemperatur war im Keller, Lewis hatte keinen Grip mehr. Es gibt dennoch keine Entschuldigung, es war ein Fehler auf unserer Seite. Lewis hat jeden Grund, sauer zu sein.“ Der Meinung ist auch Aufsichtsratschef Niki Lauda: „Ein brutaler Fehler, den Mercedes da gemacht hat. So etwas darf einfach nicht passieren.“

Endstand des Monaco-Grand Prix am 24.5.:

 1. Nico Rosberg (GER)     Mercedes     1:49:18,420 / Schnitt:    143,003 km/h
 2. Sebastian Vettel (GER) Ferrari          +04,486
 3. Lewis Hamilton (GBR)   Mercedes         +06,053
 4. Daniil Kwjat (RUS)     Red Bull         +11,965
 5. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull         +13,608
 6. Kimi Räikkönen (FIN)   Ferrari          +14,345
 7. Sergio Perez (MEX)     Force India      +15,013
 8. Jenson Button (GBR)    McLaren          +16,063
 9. Felipe Nasr (BRA)      Sauber           +23,626
10. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso       +25,056
11. Nico Hülkenberg (GER)  Force India      +26,232
12. Romain Grosjean (FRA)  Lotus            +28,415
13. Marcus Ericsson (SWE)  Sauber           +31,159
14. Valtteri Bottas (FIN)  Williams         +45,789
15. Felipe Massa (BRA)     Williams        +1 Runde
16. Roberto Merhi (ESP)    Manor          +2 Runden
17. Will Stevens (GBR)     Manor          +2 Runden

Ausgeschieden: Fernando Alonso (ESP) McLaren, Pastor Maldonado (VEN) Lotus, Max Verstappen (NED) Toro Rosso

Schnellste Runde: Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull 1:18,063 (74. Runde/Schnitt: 154,030 km/h)

WM-Stände (nach 6 von 19 Rennen) – Fahrerwertung:

 1. Lewis Hamilton (GBR)   Mercedes    126
 2. Nico Rosberg (GER)     Mercedes    116
 3. Sebastian Vettel (GER) Ferrari      98
 4. Kimi Räikkönen (FIN)   Ferrari      60
 5. Valtteri Bottas (FIN)  Williams     42
 6. Felipe Massa (BRA)     Williams     39
 7. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull     35
 8. Daniil Kwjat (RUS)     Red Bull     17
 9. Felipe Nasr (BRA)      Sauber       16
10. Romain Grosjean (FRA)  Lotus        16
11. Sergio Perez (MEX)     Force India  11
12. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso    9
13. Nico Hülkenberg (GER)  Force India   6
14. Max Verstappen (NED)   Toro Rosso    6
15. Marcus Ericsson (SWE)  Sauber        5
16. Jenson Button (GBR)    McLaren       4

Konstrukteurs-Wertung:

1. Mercedes    242
2. Ferrari     158
3. Williams     81
4. Red Bull     52
5. Sauber       21
6. Force India  17
7. Lotus        16
8. Toro Rosso   15
9. McLaren       4
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