1/15
 

Mille Miglia Storica 2015 – Das Spektakel beginnt

Morgen startet die Mille Miglia 2015: 450 Teilnehmer absolvieren die 1.700 Kilometer von Brescia nach Rom (und retour) und versetzen Italien vier Tage lang in den automobilen Ausnahmezustand.

13.05.2015 Press Inform

Die Mille Miglia ist eine Legende: Weltweit haben Kinder, Erwachsene und Senioren irgendwie und irgendwann schon einmal von jenem legendären Autorennen in Italien gehört. Doch der Oldtimerevent hat viel von seinem Charme verloren. Einst donnerten verwegene Kerle wie Huschke von Hanstein, Stirling Moss oder Rudolf Caracciola in ihren heißen Rennwagen durch den nur sporadisch vorhandenen italienischen Alltagsverkehr, um die Strecke Brescia – Rom und zurück in Rekordzeiten von kaum mehr als zehn Stunden zurückzulegen. Sie riskierten bei Durchschnittstempi von über 150 km/h nicht selten ihr Leben und wurden so zu Rennfahrerlegenden – bis heute. Mittlerweile ist die Mille Miglia zu einem Show-, Schein- und Oldtimerspektakel geworden. Wer in der Oldtimerszene etwas sein möchte, muss nicht nur einmal auf dem finalen Grün des Golfplatzes von Pebble Beach gestanden haben, um die exklusivsten Oldtimer der Welt zu ehren, sondern sollte auch die 1.700 Kilometer durch das einst drei Tage lang verkehrsrechtsfreie Italien erfolgreich absolviert haben.

DCIM101GOPRO

Doch die Mille Miglia Storica, 1977 neu aufgelegt, hat zu kämpfen

Da sind einige Kommunen, die sich nicht freuen über den Trubel, den die Mille Miglia für wenige Stunden in ihr beschauliches Dorf bringt. Einst undenkbar – heute keine Ausnahme: Durchfahrten werden verweigert und seit zwei Jahren werden eifrig Strafzettel geschrieben. 200, 500 oder bis zu 1.000 Euro sind bei Verkehrsübertretungen keine Seltenheit und genau deren Fehlen war es, was die Neuauflage der Mille Miglia in einem temporär rechtsfreien Raum neben den automobilen Preziosen zur Legende werden ließ. Autohersteller und Sponsoren, die der Mille Miglia seit Jahren finanzstark unter die lahmenden Flügel greifen um sich stilecht in Szene zu setzen, sehen sich zunehmend um ein wichtiges internationales Marketinginstrument gebracht. Wer sich bei der Mille Miglia angesichts von überfüllten Innenstädten in San Marino, kilometerlangen Staus in Rom oder engen Marktplatzüberquerungen wie in Siena an die erlaubten Geschwindigkeitsvorgaben hält, kann nicht nur seinen kurzen Abstecher in die Espresso-Bar an der Ecke vergessen – er kann die vorgegebenen Durchfahrtszeiten gleich streichen und das einstige Autorennen als lahmende Touristenfahrt genießen und in der Po-Ebene Blumen pflücken.

alfa romeo 6c 1500 mms

Eine Reise in die Vergangenheit

Aber dazu sind die Teilnehmer nicht bereit – und ihre Fahrzeuge nicht gebaut. Denn hier dürfen nur jene Modelle starten, die aufgrund von Baujahr und Eignung auch beim einstigen originalen Autorennen der Mille Miglia in den Jahren 1927 bis 1957 startberechtigt gewesen wären – von Ausnahmen abgesehen sind das Rennwagen, die die Geschwindigkeit lieben und brauchen. Jedes Jahr gibt es ein Hauen und Stechen um die begehrten 450 Startplätze. Schließlich will der Veranstalter nicht immer die gleichen Teilnehmer sehen. Legendäre Rennfahrzeuge wie der Mercedes 300 SL Flügeltürer, ein Porsche 356 B oder eine Lancia Aurelia sind dabei im millionenschweren Teilnehmerfeld ebenso gesetzt wie die spektakulären Vorkriegsmodelle vom Typ Bentley Blower 4,5 Litre, BMW 328 oder Alfa Romeo 6C. Offiziell ist die Mille Miglia seit ihrer Neuauflage im Jahre 1977 eine Gleichmäßigkeitsfahrt mit Oldtimern wie die Ennstal Classic oder die Silvretta Klassik. Die meisten Teilnehmer sehen das durchaus anders und verwandeln die mittlerweile auf vier Tage ausgeweitete Italienrundfahrt zu einem inoffiziellen Oldtimerrennen mit Freunden, Konkurrenten und der elitären Historienszene.

Mille Miglia 2014 (5)

Trubeln in den Städten

Allen Schwierigkeiten zum Trotz hat die Mille Miglia Storica in den meisten Ortschaften und Städten, die sie passiert, immer noch den Rang eines Nationalfeiertags mit Volksfestcharakter. Geschäfte haben Sonderöffnungszeiten, Schüler dürften der Schule fernbleiben und am Straßenrand steht vom Kleinkind bis zum hoch betagten Senior alles, was laufen kann, und winkt mit Fahnen und Händen den Teilnehmern zu, von denen sich einige wie Eroberer eines neuen Kontinents fühlen. Spannend, mitreißend und rasend schnell wird es auch in diesem Jahr – versprochen.

Mehr zum Thema
pixel