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Ein Kommentar zu den Medienereignissen um Michael Schumacher. Bild: © ROMAN RIOS / EPA / picturedesk.com
 

Michael Schumachers Zustand: Ein Kommentar zum Medieninteresse

Ein paar ehrliche Worte zum Unfall und Genesungsprozess von Michael Schumacher.

08.02.2014 Online Redaktion

Die Autorevue wurde gebeten im Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um Michael Schumacher Stellung zu beziehen. Das geht natürlich nicht, weil eine Redaktion aus Einzelpersonen besteht. Dieser Text ist deswegen eine Privatmeinung.

Michael Schumacher in den Medien

Die Medien, auch wir, haben es übertrieben. Michael Schumacher ist ein herausragender Sportler und Rekordweltmeister. Das Interesse an seiner Person ist entsprechend groß. Einerseits weil viele Fans tatsächlich mitleiden und Anteilnahme zeigen wollen. Die Emotionen die viele Menschen zeigen sind weder in Worte noch Bilder zu fassen und beeindruckend. Andererseits steckt aber auch ein rein voyeuristisches Interesse hinter der Berichterstattung.

Ein Interesse, das die Medien, auch wir, schamlos bedienen. Wollen Sie an dieser Stelle ein paar ehrliche Worte? Der Unfall von Michael Schumacher hat dieser Seite in den vergangenen zwei Monaten Rekordzugriffe beschert. Aus einem Teufelskreis heraus. Das (voyeuristische) Interesse an dem Unfall ist riesig groß, also bringen wir viele Artikel. Je mehr Artikel erscheinen desto höher wird das Interesse.

Mit Inhalt und Journalismus haben die meisten Beiträge nichts zu tun. Michael Schumacher ist ein Ex-Rennfahrer. Hätte er sich für ein Leben in der Öffentlichkeit entschieden, wäre er nach seiner Karriere Politiker oder Menschenrechtler geworden. Ist er nicht. Er entschied sich, zumindest für den Augenblick, gegen die Öffentlichkeit. Jetzt wurde er – gegen seinen Willen – ins Rampenlicht gezerrt.

Hilfe für Michael Schumacher

Das hilft niemandem. Hunderte Fans vor dem Krankenhaus helfen Michael Schumacher nicht. Hunderte Journalisten auch nicht. Jeden Artikel darüber verschlingen ist genauso kontraproduktiv, weil es die Medien, auch uns, anstachelt noch mehr zu schreiben. Diesen Kommentar zum Beispiel. Das alles behindert Ärzte, Freunde und Angehörige.

Unter Beobachtung agieren Menschen anders. Plötzlich sind die Augen der Welt auf die Ärzte und die Familie gerichtet. Es kommt zu Stress, vielleicht sogar Fehlentscheidungen. Das können wir nicht ausschließen. Von der emotionalen Komponente einmal abgesehen. Bitte stellen Sie sich vor, Ihr Ehepartner schwebt in Lebensgefahr und jede Zeitung, jeder Radiosender, jede Fernsehstation und jede Homepage berichtet rund um die Uhr darüber und jede Privatperson wiederholt das alles am Stammtisch. Wann wird die Anteilnahme zu einer Belastung?

Das Titanic-Cover

Die Titanic wird in diesem Zusammenhang falsch verstanden. Denn das Magazin bedient sich nicht der Tragödie von Michael Schumacher, sondern nutzt vielmehr den vorhin erwähnten Medien-Mechanismus und die Empörung der Menschen aus. Wer sich jetzt über die Ethik von Titanic aufregt, hat dies entweder bei dutzenden Covern zuvor auch getan (und immer noch nicht verstanden wie das Magazin funktioniert), ist ein Heuchler oder hat sich einfach ertappt gefühlt. Dabei ertappt gefühlt auf diesen unsäglichen Medienzug mit aufgesprungen zu sein.

Haben Sie sich genauso echauffiert, als der tote Uwe Barschel gezeigt wurde? Als  Roberto Blanco Neger genannt wurde? Oder ist Ihnen die Todesfloskel „Satire darf das“ über die Lippen gekommen?

Niki Lauda – dem man einen großen Gefallen tun würde, würde man Mikrofone von ihm fern halten – hat mit seiner reflexartigen Empörungshaltung Michael Schumacher keinen Gefallen getan. In einem Moment, in dem die Berichterstattung mangels Neuigkeiten an Fahrt verlor hat er der Sache wieder Schwung verliehen.

Die katholische Kirche, sonst eher nicht für Umdenkprozesse bekannt, ist deutlich lernfähiger  als Niki Lauda. Die haben erkannt wie die Titanic funktioniert und haben ihre letzte Klage zurückgezogen und einfach mal den Mund gehalten.

Ich sage es nur ungern, aber wir könnten alle mal etwas von ihr lernen.

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  • ReinhardP

    Bringt’s auf den Punkt! D’accords! Allerdings wundere ich mich über die vielen Beistrichfehlerchen:-)

  • Ravenbird

    Michael Schumacher hat ein wunderbares Talent in die Wiege gelegt bekommen und es damit zu sehr viel (Geld) gebracht. Als sozial denkender Mensch sage ich sogar: Unanständig viel Geld. Wie auch immer: Jetzt zu sagen, ihr könnt mich alle, ich will euch nicht mehr sehen, Hauptsache ihr habt mir mit eurem (nicht immer freiwillig gezahlten – Fernsehrechte, Werbung) Geld auf hundert Generationen hinaus einen Lebensstil in Saus und Braus finanziert, das zu sagen, traue ich mich ihm nicht in den Mund zu legen.
    Wenn ich bedenke, was Größen wie er früher verdient haben, fällt mir das Wort „Sport“ ein, im Gegensatz zu heute nur das Wort „Big Business“.
    Versteht mich nicht falsch: Er ist ein großer Rennfahrer, ein Genie am Lenkrad und offensichtlich ein begnadeter Stratege, hat er doch die schlamperten Italiener so weit gebracht, daß sie den Ferrari zumindest auf die Räder gestellt haben vor dem Rennen, was man zu Gerhard Bergers Zeiten nicht immer geschafft hat und auch heute nicht mehr zusammen bringt.
    Aber er ist ein Mensch der Öffentlichkeit und wird das auch immer bleiben und auch seine Familie wird damit leben müssen, daß alles was um sie herum geschieht, an die Öffentlichkeit gebracht wird.
    Die Schumachers könnten aber auch alle ihre Milliarden der UNO spenden und sich irgendwo hin verkriechen, wo sie niemand kennt und als ganz normale Arbeiter weiter leben. DANN hätten sie das Recht – so wie ich – von der Öffentlichkeit in Ruhe gelassen zu werden.

    • Jens Molder

      Interessante Theorie Ravenbird. Weil Sie Formel eins auf RTL geschaut haben und ihn so zum Millionär gemcht haben, haben Sie Schumachers Leben, seine Menschenwürde, seine Privatsphäre und das seiner Familie gekauft. Und bis er das Geld nicht wieder hergibt, ist Michael Schumacher für Sie rechtlich mit einem russischen Tanzbär gleichgestellt. Naja… heißt ja auch Formel-eins-Zirkus.

    • Samily

      Ich kann Ravenbird nur zustimmen. Natürlich wünschte ich mir, dass Medien heute nicht den letzten Rest von Anstalt und Moral für ein paar Euro in den Wind schlagen würden, aber ich wünsche mir auch Frieden auf Erden. Manche Dinge sind einfach mit der Realität nicht vereinbar. Schumacher und andere, die ihr Geld mit und durch die Öffentlichkeit verdienen, haben sich und ihre Familien verkauft. Und das nicht erst jetzt sondern vor Jahren schon, als sie sich für den Erfolg und gegen ein privates kleines Arbeiterleben entschieden haben. Diese Entscheidung hat jeder dieser Prominenten selber getroffen, aber sie ist, ist sie einmal in die Tat umgesetzt, nicht mehr umkehrbar. Menschen wie Michael Schumacher gehören so sehr zum öffentlichen Leben, dass die Öffentlichkeit das Interesse niemals aufgeben wird, denn sie gehören nach all den Jahren sozusagen zur Familie und die Öffentlichkeit, die all die Jahre den Erfolg erst möglich machte erwartet auch im Unglücksfall nicht ausgeschlossen zu werden, zumindest oberflächlich informiert zu sein, ob jemand lebt oder nicht, ob er stabil ist oder nicht, solche Infos eben. Die Non-Info-Politik führt in solchen Fällen immer dazu, dass sich die Öffentlichkeit etwas an Infos zusammenbastelt und unschöne Gerüchte entstehen, so wie das bei Gaby Köster auch der Fall war, die die Öffentlichkeit nicht informieren wollte. Wenn man seine Seele einmal verkauft hat, kann man sie nicht zurückkaufen. So funktioniert das leider nicht. Was das angeht gebe ich Ravenhard recht. In einem solchen Fall sollte jemand abgestellt werden, der sich professionell um die Medien kümmert und sie mit Belanglosigkeiten füttert, die niemandem schaden. Eine No-Info-Politik ist am Ende aber immer eine Gerüchte-Küche-Politik und das ist sicher am wenigsten in Schumachers Sinne. Aber zu glauben, man könne das öffentliche Interesse nun plötzlich als bösen Voyeurismus darstellen, nur weil es nun ein verunfallter Schumacher ist, um den es geht, ist nicht nur falsch sondern auch heuchlerisch. Die Öffentlichkeit hat immer das selbe Interesse und es ist nicht positiv oder negativ besetzt. Man muss eben nur wissen worauf man sich einlässt und das sollten Menschen auch, die so davon profitiert haben wie die Schumachers.

    • ReinhardP

      Jaja, der Politterror macht auch vor verunfallten Menschen nicht halt! Das ist ein wesentlicher Wesenszug, der uns von bestimmten politischen Kräften seit dem unseligen 68er Jahr eingeimpft wurde: Neid und Mißgunst in jeder Lebenslage. Ergo übertüncht die Pseudomoral jedwede andere Gefühlsregung – und wähnt sich noch gut dabei! Was für eine grausliche, verlogene Moral/Welt!

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