Das Krankenhaus in Grenoble
© Bild: EPA / Guillaume Horcajuelo / picturedesk.com
 

Michael Schumacher: Tage der Entscheidung und des Erwachens

Die Ärzte haben die Aufwachphase bei Schumacher eingeleitet. Dabei wird der Deutsche langsam aus dem künstlichen Koma geholt. Nicht ohne Risiken.

03.02.2014 Online Redaktion

Michael Schumacher liegt bereits mehr als ein Monat im künstlichen Koma in der Klinik in Grenoble. Am 29. Dezember hat sich Schumacher durch einen Skiunfall in Meribel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Der Deutsche wird derzeit langsam aus dem Koma aufgeweckt, diese Information wurde von seiner Managerin bestätigt.

Ungewöhnlich langes Koma

Nach einem Monat im künstlichen Koma hat das Bangen um den beim Skifahren unglücklich gestürzten Michael Schumacher immer noch kein Ende. Dass ein Patient derart lange im künstlichen Tiefschlaf ist in der Medizin sehr außergewöhnlich und ein Indiz dafür, wie schwer die Verletzungen des siebenfachen Formel 1 Weltmeisters sein müssen.

Ärzte leiteten Aufwachphase ein

#keepfightingmichael stand bei den Testfahrten in Jerez auf den neuen Formel 1 Wägen von Mercedes, und kämpfen muss Schumacher. Jetzt steht ihm der schwerste Kampf seines Lebens bevor, denn nach über vier Wochen leiteten die Ärzte nun die Aufwachphase aus dem künstlichen Koma ein.

Todt hat Hoffnung

Für die Familie und die Freunde Schumachers ist das ein kleiner Hoffnungsschimmer, wie Schumachers Freund Jean Todt sagt: „Trotz allem besteht ein kleiner Hoffnungsschimmer, und genau an diesen müssen wir alle, die ihn lieben glauben.“

KeepFightingMichael auf dem neuen mclaren

© Bild: EPA / Roman Rios / picturedesk.com

Aufwachphase kann mehrere Wochen dauern

Mit der Aufwachphase, die mehrere Wochen lang dauern kann, beginnt eine besonders kritische Phase in der Behandlung von Schädel-Hirn-Patienten. Zunächst wird dabei die Dosierung der Medikamente reduziert, ein Prozess der sich über mehrere Tage streckt und während dem das Gehirn langsam wieder erwacht. Auch die Körperorgane müssen ihre Funktion wieder aufnehmen, was wegen des langen künstlichen Tiefschlafs Schumachers sehr genau beobachtet werden muss, da hier besonders viele Komplikationen drohen.

Lungenversagen ist ein Risiko

Da Etwa auch die Lunge in der Koma-Phase nicht gearbeitet hat ist etwa ein Lungenversagen ein Risiko, das es gang genau zu beobachten gilt. Thomas Czech, Neurochirurg am AKH Wien, erklärt format.at: „Die erste Phase nach einer Schädel-Hirn-Verletzung ist die Überlebensphase. Hier geht es darum das Gehirn keinem Druck auszusetzen und bestmöglich mit Sauerstoff zu versorgen. Der Patient wird kaum bewegt.“ Diese erste Phase hat bei Schumacher kritische vier Wochen lang gedauert. Erst wenn keine Gefahr mehr besteht, dass das Gehirn Schwankungen ausgesetzt ist, kann die Aufwachphase beginnen. Ein erster Erfolg wäre es, so Czech, wenn die Atmung spontan einsetzt und der Kreislauf stabil ist.

Wochenlanges Zwischenstadium

Damit kann jedoch noch lange keine Entwarnung gegeben werden, denn es folgt das „Durchgangssyndrom“. Bis zu zwei Wochen kann es dauern, dass der Körper sich von dem durch Medikamente eingeleiteten künstlichen Koma erholt. Ob der Patient nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma wieder das Bewusstsein erlang lässt sich erst nach dieser Phase feststellen. Je Länger diese Durchgangsphase dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass der Patient wieder das Bewusstsein erlangt.

Optimistische Prognosen fallen schwer

Im Fall Schumacher wagen internationale Ärzte und Neurochirurgen angesichts des langen künstlichen Komas keine optimistischen Prognosen. Gary Hartstein, der frühere Chefmediziner der Formel 1, meinte etwa, dass es ein Triumph der menschlichen Gesundung und der modernen Neurochirurgie wäre, wenn es Schumacher wieder möglich sein sollte, zu gehen, sich selbst zu ernähren oder anzuziehen.

Erinnerungen an Prinz Friso werden wach

Der Langzeit-Koma-Zustand Schumachers erinnert an den des niederländischen Prinz Friso, der beim Skifahren in St. Anton am Arlberg von einer Lawine verschüttet wurde. Eineinhalb Jahre auf vergeblich auf eine Besserung, bis Friso starb. Die Hoffnung sollte man jedoch – halten Ärzte fest – nie aufgeben, denn es gibt, wenn auch selten, Fälle von Koma-Patienten, die sogar nach Jahren wieder aufwachen.

Weitere Prognose erst nach der Phase des Durchgangssyndroms möglich

Erst nach der Phase des Durchgangssyndroms kann eine weiter Prognose abgegeben werden, erklärt Czech: „Ist der Patient kontaktierbar und reagiert auf Reize ist das ein guter Ausgangspunkt. Ist er nicht ansprechbar, gibt es nur wenig Hoffnung auf Erholung.“

Das Krankenhaus in Grenoble

© Bild: EPA / Guillaume Horcajuelo / picturedesk.com

Langzeitpflege bei fehlender Erholung

Ein Patient, der nicht anspricht und das Bewusstsein nicht oder nur sehr eingeschränkt wieder erlangt bleibt ein Pflegefall. Diese setzt dann mit unterschiedlichen Therapiemaßnahmen ein, wie Basale Stimulation (Ansprechen, Massagen, Stimulierung der fünf Sinne), Affolter (Training mit dem Tastsinn), Kinästhetik und/oder Bobaththerapie. Letztere Therapiemaßnahme beruht auf der Annahme der „Umorganisationsfähigkeit“ des Gehirns, das heißt, dass gesunde Hirnregionen die zuvor von den erkrankten Regionen ausgeführten Aufgaben neu lernen und übernehmen können. Darüber hinaus ist eine Kombination aus individueller Physio-, Ergo- und Logopädie notwendig.

Reha muss so früh als möglich beginnen

Der Neurochirurg Czech betont, dass so früh als möglich im Anschluss an die Schädigung die Reha beginnen muss und man sich keine Hoffnungen auf eine schnelle Besserung machen darf: „Hier gibt es keine Zeit zu verlieren. Geduldig muss man manchmal monatelang abwarten, bis sich erste kleine Schritte der Erholung zeigen. Erfolge sind hier die eigenständige Öffnung der Augen, das Zuwenden des Patienten oder gar das Befolgen von Aufforderungen.“ Der schlimmste Zustand wäre ein möglicherweise bis zum Lebensende anhaltendes apallisches Syndrom, ein Wachkoma-Zustand.

Apallisches Syndrom als schlimmster Fall

Apallische Syndrome sind immer die Folge einer schweren Hirnschädigung, die durch ein Schädel-Hirn-Trauma – das durch den Unfall Schumachers möglich wäre – ausgelöst und durch einen darauf folgenden Kreislaufstillstand verursacht werden. Die Therapie nach der Akutbehandlung ist langwierig und aufwändig. Sie kann ein Jahr oder länger dauern. Falls der Patient nicht anspricht – die Chance einer Erholung aus einem AS-Zustand liegt weit unter 50 Prozent – mündet die Therapie in eine dauerhafte Pflege. Diese bleibt dem großen Sportler Michael Schumacher hoffentlich erspart.

Vielen Dank an die Kollegen von Format.at

Mehr zum Thema
  • christian.gebath@gmx.at

    wünsche michael schuhmacher alles gute und viel glück

pixel