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Jan-Lammers, ein Engländer, war der zweite Pilot bei Volvo.
 

Marketing-Coup: Als der Volvo 850 Kombi die Rennstrecke enterte

Der Volvo 850 Kombi wurde von den Schweden in der britischen Tourenwagenmeisterschaft (BTCC) eingesetzt. Ein Marketing-Coup.

14.04.2015 Online Redaktion

Volvo wagte das Experiment und setzt 1994 einen Kombi in der britischen Tourenwagenmeisterschaft ein. Den 850. Dessen Einsatz war jedoch mehr als nur ein Marketing-Coup. Es war der Beweis, auf welch hohem sportlichen Niveau sich Volvo-Kombis bewegen konnten. Ein Beweis, der dringend nötig war.

Denn der Volvo 850 stellte 1991 eine Zeitenwende für den schwedischen Hersteller dar. Jahrelang hatte sich die Marke gegen einen Frontantrieb gewehrt, musste nun aber doch nachgeben. Diese technische Revolution führte dazu, dass es neue Motoren und eine stark überarbeitete Vorder- und Hinterachse brauchte. Volvo machte keine halben Sachen.

Der Volvo 850 Kombi wurde eine Revolution

Zunächst kam lediglich die Limousine auf den Markt. Mit einem Donnerschlag: ein Fünfzylinder-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder – also damals modernster Motorbau –, dabei aber so kompakt, dass er sich quer einbauen ließ. Es kam einer Revolution gleich. Lediglich das Design erinnerte Volvo-typisch an einen Ziegelstein.

Das Kombi-Duo bei der BTCC 1994.

Und die Kunden liebten es. Als 1993 die Kombiversion auf den Markt kam (zum gleichen Preis, wie die Limousine), setzte ein Hype ein. Die deutsche Konkurrenz, allen voran Audi, zitterte. Um Zweifel an der Sportlichkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen, gründete Volvo noch im selben Jahr ein Rennteam.

Auch das war eine lokale Sensation. Denn einerseits hatte Volvo seit beinahe zehn Jahren keinen Fuß mehr im Rennsport und andererseits kooperierte die Marke mit Tom Walkinshaw Racing (TWR) – also mit jenem Team, mit dem sich Volvo damals noch im 240 erbitterte Matches gelliefert hatte. Dass es ein Kombi werden sollte, verschwiegen TWR und Volvo über Monate geflissentlich. Rickard Rydell, der schwedische Fahrer für das Team, gab später zu, dass er sich nicht sicher sei, ob er damals den Vertrag unterschrieben hätte, wenn er gewusst hätte, dass er in einem Kombi antreten soll.

Änderungen für die Rennstrecke

Zwei Regularien mussten erfüllt werden. Zum einen durfte die Karosserie im Vergleich zum Serienmodell nicht verändert werden. Das war kein Problem, im Gegenteil, das war Teil des Plans. Zum anderen durfte der Motor maximal zwei Liter Hubraum und keinen Turbo haben. Das war schon eher ein Problem. Denn das T-5 Aggregat aus dem Serienmodell hatte erstens 2,3 Liter Hubraum und leistete zweitens dank eines Turbo 225 PS. Die Kunden freute es. Hatten Sie doch einen Kombi, der über 240 Stundekilometer lief.

Rickard Rydell holte 1998 den Titel. Allerdings im S40.
© Bild: Volvo

TWR musste also kräftig am Motor feilen. Doch natürlich funktionierten auch diese Umbauten. 290 PS schickte der Motor an die Reifen, das Fünf-Gang-Getriebe wurde durch eine sequentielle Sechsgangschaltung ersetzt. Eine weitere Regel: von den BTCC-Autos mussten mindestens 1000 Exemplare mit Straßenzulassung verkauft werden. Für Volvo kein Problem, sondern ein neuer Geschäftszweig.

Vom Volvo 850 T-5R verkaufte die Marke 5.500 Stück (davon 4.750 Kombis). Die Höchstgeschwindigkeit war bei 250 Stundenkilometer begrenzt, der Turbo blieb selbstverständlich was 250 PS bracht.

Den Titel holt Volvo mit einer Limousine

Jan-Lammers, ein Engländer, war der zweite Pilot bei Volvo.

Die 37. Saison der BTCC beendete der Volvo 850 Kombi mit einem 14. Platz. Das beste Ergebnis war ein fünfter Platz beim Rennen in Oulton Park. Trotzdem wurde zwischendurch mehr über den Kombi auf der Rennstrecke berichtet, als über die späteren Sieger. 1998 sollte Rickard Rydell dann den Titel für Volvo holen. Allerdings in einer S40 Limousine.

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