Racing Rookie Marchtrenk Skarwan
Durchbruch geschafft. Hier aber nur bei der Wasserwand.
 

Marchtrenk Shootout

In Marchtrenk suchten und fanden wir die ersten Finalteilnehmer und lernten, wie hart so eine Entscheidung sein kann.

15.04.2011 Online Redaktion

Alexander Wurz passt in ein Formel-1-Auto. Das ist bewiesen. Und in einen ­Le-Mans-Renner, was noch viel bewiesener ist. Und das bei einer Größe von fast 1,90 Meter. Den Kandidaten des Racing Rookie könnte diese Erkenntnis Trost spenden. Einem ganz besonders. Michael Joos misst stolze 2,05 Meter und soll jetzt für die letzte Prüfung im Cup Fiesta Platz nehmen. Keine leichte Aufgabe. Schon seine wesentlich kleineren Mitstreiter hatten so ihre Schwierigkeiten. Verzerrte Gesichter, blaue Flecken an Ellbogen, Hüften und Knien. Nicht ganz schmerzfrei so ein Rallyefahrer-Leben.

Das Problem an der ganzen Prozedur: Das ist der einfache Teil der Prüfung.

Der schwierige ist, den Cup Fiesta über die Schleuderplatte zu fahren. Die lässt durch einen gezielten Ruck das Auto ausbrechen, der angehende Racing Rookie muss es dann nicht nur einfangen, ohne dass es sich dreht – was ja die Definition von „einfangen“ ist –, sondern darf nebenbei auch keine Pylonen umfahren, die auf der Strecke verteilt stehen.

Racing Rookie Marchtrenk Skarwan

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: das Auto muss in einem Geschwindigkeitsfenster zwischen 45 und 60 km/h auf die Platte gebracht werden (Lasermessung). Der Cup Fiesta hat aber weder Tacho noch Drehzahlmesser. Erst einmal ins Schleudern geraten, merkt man dann schnell, dass das Auto zwar 150 PS, aber weder ESP noch ABS hat. Viel Spaß.

Zurück zu Michael Joos. Der meistert all diese Aufgaben fehlerfrei. Vom Einsteigen ohne Jammern – lediglich die ­Instruktoren machen ein paar Scherze – bis zum Pylonen-Stehenlassen, ohne  sich zu drehen. 107,30 von 120 möglichen Punkten. Gewertet wird in harter Währung: Stundenkilometer. Wer mit exakt Tempo 60 auf die Schleuderplatte gerät, hat 60 Punkte. Wird ein Hütchen berührt oder gar weggeschossen, werden zehn Stunden­kilometer abgezogen. Ist man schneller, als das Zeitfenster erlaubt, werden zwanzig abgezogen, ist man langsamer, werden zehn abgezogen, wer sich eindreht oder gar die Strecke verlässt, wird um dreißig Stundenkilometer erleichtert. Hart, aber fair.

Michael war in der Vormittagsgruppe. In Team Rot. Hier war das Leistungs­niveau so hoch, dass seine sehr gute ­Leistung nur für den undankbaren vierten Platz reichte. Zum Vergleich: auf die Plätze verwiesen ihn Robert Pecina (117,70), Lukas Baschinger (113,70) und Dominik Schirmbrand (107,80). In der Nachmittagsgruppe, in Team Blau, hätte Michaels Punktzahl für einen souveränen zweiten Platz gereicht – mit nur einem halben Punkt hinter deren Tagessieger Kilian Lübke (107,80). Michael ist damit ein klassischer Kandidat für die Wildcard.

Racing Rookie Marchtrenk Skarwan
56 Jugendliche, verteilt auf zwei Gruppen, versuchten in Marchtrenk ihr Glück und Können abseits von Tempo-30-Zonen. Und wurden auch gleich mit einer wichtigen Änderung konfrontiert. Anstatt der gewohnten Kart-Battle musste in Marchtrenk ein Rollcar bestiegen werden. Dabei werden die hinteren Räder eines Autos auf Rollen gestellt – ähnlich einem Skateboard. Das Auto fährt also praktisch ohne Hinterachse. Derart gehandicapt müssen die Kandidaten nun einen Parcours meistern – die Stoppuhr läuft. Der Trick ist, dass kontrolliertes Gasgeben das Auto stabilisiert. Nur: Wer mitten in einer Kurve mit voll eingeschlagenen ­Rädern beschleunigt, wird schnell lernen, wie eingeschränkt dieser Ratschlag umsetzbar ist.

Herausforderung Nummer zwei ist der Zeitslalom. Nomen est omen. Schnell sein, präzise sein, Pylonen stehen lassen. Die acht Teilnehmer jeder Gruppe, die sich beim Rollcar und beim Zeitslalom als die Besten herauskristallisierten, durften sich auf der Schleuderplatte matchen. Auch die stand vorab schon auf dem Übungsplan. Zwar mit normalen Fiestas, aber eine gute Vorbereitung ist das allemal.

Das ist dann auch der Moment, wo man merkt, wie ernst die Kandidaten ­diese Veranstaltung nehmen. Nicht einmal die Teilnehmer, die es nicht unter die besten acht geschafft haben, schwätzen oder machen Witze. Sie schauen konzentriert zu, wie ihre Kollegen um einen der begehrten Finalplätze fahren. Das ist eine Frage des Respekts.
Denn jeder weiß, um was es für die Verbliebenen geht. Eine Saison in einem Ford-Cockpit. Nächste Station: das ­Finale in Melk.

HIER GEHT ES ZU DEN GEWINNERN AUS MACHTRENK.

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