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Le Mans 2014: Rennbericht der 24 Stunden von Le Mans

Audi siegte in Le Mans auf eindrucksvolle Weise zum bereits 13. Mal. Toyota und auch Rückkehrer Porsche waren zwischenzeitlich schneller, hatten letztlich aber keine Chance gegen die Seriensieger und hoffen auf das nächste Jahr.

15.06.2014 Press Inform

Benoit Tréluyer steuert seinen Audi R18 e-tron quattro mit Tränen in den Augen letztmals über die 13,6 Kilometer lange Piste von Le Mans. Im Tiefflug dahinter der zweite Audi mit der Startnummer 1, der nach einem schweren Trainingsunfall am Donnerstag komplett neu aufgebaut worden war. Das Zielfoto täuscht, denn nur ein paar Meter zurück rollt der Porsche 919 Hybrid mit der Nummer 20 über die Ziellinie. Doch die Zuffenhausener konnten bei ihrer Rückkehr nach Le Mans die hohen Erwartungen nach exzellenten Zwischenständen nicht erfüllen. Beide 919er Porsche fielen in den letzten beiden Stunden vor dem Ziel mit einem Motorschaden und Problemen am Antriebsstrang aus, nachdem man zwischenzeitlich sogar geführt hatte. Noch härter traf es das Team von Toyota, deren 1.000 PS starker Achtzylinder des TS 040 mit Startnummer sieben das schnellste Auto im Feld war. Er fiel in Führung liegend in den frühen Morgenstunden mit einem Kabelbruch aus. „Es war ein Rennen, wie man es nur in Le Mans erleben kann“, so Audi- Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrichs „es gab viele Zwischenfälle und keines der Topautos ist ohne Probleme über die Distanz gekommen. Entscheidend war, dass unsere Audi R18 e-tron quattro 24 Stunden lang konstant schnell fahren konnten, unsere Fahrer keine Fehler gemacht haben und unsere Mannschaft auf die Probleme, die es gab, schnell und richtig reagiert hat.“

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Freude bei Audi

52 Starter, 24 Stunden und über 250.000 Zuschauer – das 24 Stunden Rennen von Le Mans ist das Muss eines jeden Motorsportfans. Röhrende Motoren, Geschwindigkeiten bis zu 340 Kilometer pro Stunde und glühende Bremsscheiben entlohnen die Besucher für die anstrengende Anreise in französische Niemandsland. Denn das kleine Städtchen Le Mans und seine noch kleineren Nachbarörtchen südwestlich von Paris sind vieles, nur nicht für einen solch großen Besucheransturm gewappnet. Doch so sehr sich auch gewisse Le Mans-Dinge jedes Jahr wiederholen – da wären die betrunkenen und von der Sonne verbrannten Briten oder die sich selbst mit Oranjeperrücken karikierenden Holländer – eines war in diesem Jahr anders: Porsche kehrte nach 16 Jahren Le-Mans-Enthaltsamkeit zurück. Ausgerechnet beim ersten prestigeträchtigen Le-Mans-Rennen hatten sie dem Konzernbruder Audi die Plätze in den vorderen Startreihen vor der Nase weggeschnappt. Während die Ingolstädter, die aus den vergangenen 15 Starts zwölf Siege verbuchen konnten, von den Startplätzen fünf, sechs und sieben ins Rennen gehen mussten, belegten die weißen Porsche 919 Hybrid die Plätze zwei und vier. Audi-Chef Rupert Stadler: „Wir sind in dieses Rennen nicht als Favoriten gegangen und hatten mit Porsche und Toyota zwei sehr starke Gegner. Es ist eine tolle Leistung der gesamten Audi-Mannschaft, dass wir es trotzdem auch dieses Mal geschafft haben, Le Mans zu gewinnen. Wir freuen uns riesig und mein Dank gilt allen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.“

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Lautstärke bringt Publikums-Liebe

Der Start des Rennens beginnt traditionsgemäß immer am Samstag um 15 Uhr. Die Stunden bis dahin sind von Rahmen-Rennprogrammen, wie dem Porsche Super-Cup oder einem Rennen mit alten Le Mans-Siegerfahrzeugen gespickt. Rund drei Stunden vor dem eigentlichen Rennen ist die Boxengasse geöffnet und zum Bersten mit Schaulustigen gefüllt. Auch für die zahlreichen Prominenten ist die Zeit des Abschiednehmens gekommen, wenn die beige gekleideten und mit einem Seil verbundenen Ordner aufräumen. Von einem waschechten Le Mans-Start, bei dem die Fahrer zu ihren Fahrzeugen rennen, einsteigen und dann erst losfahren, wurde sich schon vor vielen Jahren verabschiedet. So findet heutzutage der Start auf die Sekunde genau nach einer vom Safetycar geführten Runde um Punkt 15 Uhr fliegend statt. Und wie schon die letzten Jahre zuvor, kristallisieren sich nicht die schnellsten Boliden, sondern die Lautesten zu den Publikumslieblingen heraus. Würde es nach Dezibel gehen, hätten die Hybriden aus dem Hause Toyota, Audi und Porsche keine Chance gegen die gelben Corvettes und babyblauen Aston Martins. Und auch die mehrfarbigen Ferraris vom Typ 458 Racing sind schon aus mehreren hundert Meter zu identifizieren.

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Folgenschwere Karambolage nach 90 Minuten

In diesem Jahr dauerte es ganze 24 Minuten bis der erste Teilnehmer seine Box schließen musste. Ausgerechnet der Sonderling des 24 Stundenrennens, der einem dreirädrigen Pfeil gleiche Nissan ZEOD RC stellt nach fünf gefahrenen Runden den Dienst ein – ohne Fremdeinwirkung. Und das ist bei einem Rennen, bei dem schon nach zehn Minuten die ersten Überrundungen stattfinden, nicht immer der Fall. Denn als nach knapp 90 Minuten ein heftiger Platzregen auf die Strecke niederprasselte, kam es ausgehend von einem Ferrari 458 der GT-Klasse zu einer folgenschweren Karambolage. Der Audi R18 e-tron mit der Startnummer drei wurde komplett zerstört und der Toyota TS 040 mit der Startnummer acht konnte erst nach umfangreichen Reparaturarbeiten mit deutlichem Rückstand wieder ins Rennen zurück. Am Ende reichte es so jedoch noch für den Platz drei im Gesamtklassement.

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Champagner-Gespritze nach 24 Stunden Nervenkitzel

Ist eine Rennrunde bei strahlendem Sonnenschein und unregelmäßig einsetzenden Schauern bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 240 km/h schon schwierig genug, sind die Stunden zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang für die Piloten besonders hart. Gleißend helle LED- und Laserlichtkegel zerschneiden die Dunkelheit über dem Sarthe-Kurs. Le Mans-Legende Allen McNish: „Das Schönste für einen Rennfahrer ist, wenn du am Sonntag um 15 Uhr die Zielflagge siehst. Und erst recht, wenn du kurz darauf mit Champagner rumspritzt.“ Das konnte nach spektakulären 24 Stunden einmal mehr das Audi-Team, das in der Besetzung Marcel Fässler, André Lotterer und Benoit Trélyúer mit der Startnummer zwei siegte. Auf Platz zwei: der zwei Audi R18 mit Lucas di Grassi, Marc Gené und Tom Kristensen. Doch Toyota und Porsche werden 2015 zurückkommen und Audi endlich vom Dauer-Thron stoßen wollen – wieder einmal.

Vielen Dank an die Kollegen von press-inform.

 

Le Mans 2014 Rennbericht

Wir haben die 24 Stunden von Le Mans 2014 live berichtet: Hier gibt es den Liveticker von Le Mans 2014 zum Nachlesen.

 

Endergebnis des 82. 24-Stunden-Rennens von Le Mans vom Sonntag:

Klasse LMP1: 1. Benoit Treluyer/Andre Lotterer/Marcel Fässler (FRA/GER/CZE/Audi R18 e-tron quattro) 379 Runden in 24:01:59 Stunden – 2. Tom Kristensen/Luca Di Grassi/Marc Gene (DEN-BRA-ESP/Audi R18 e-tron quattro) 3 Runden zurück – 3. Sebastien Buemi/Nicolas Lapierre/Anthony Davidson (SUI/FRA/GBR/Toyota TS040-Hybrid) + 5 Runden – 4. Nicolas Prost/Nick Heidfeld/Mathias Beche (FRA/GER/SUI/Rebellion-Toyota) 19. Ausgeschieden: Alexander Wurz/Sarrazin/Nakajima (AUT/FRA/JPN/Toyota TS 040 – Hybrid) in Führung liegend nach 219 Runden bzw. 13:53 Stunden. Dominik Kraihammer/Belicchi/Leimer (AUT/ITA/SUI/Rebellion-Toyota) nach 73 Runden.

Stand Langstrecken-WM (nach 3 von 8 Rennen, doppelte Punkte in Le Mans): 1. Buemi/Lapierre/Davidson 80 Punkte – 2. Fässler/Lotterer/Treluyer 60 – 3. Kristensen/Di Grassi 54

Klasse LMP2: 1. (Gesamt-5.) Dolan/Tincknell/Turvey (GBR/Zytek Z11SN-Nissan) 356 Runden. Weiter: 6. (Gesamt-10.) Christian Klien/Hirsch/Brandela (AUT/SUI/FRA/Morgan-Judd) 352

GTE-Pro-Klasse: 1. (Gesamt-13.) Bruni/Vilander/Fisichella (ITA/FIN/ITA/Ferriara 458) 339. Weiter: 2. (15.) Holzer/Makowiecki/Lietz (Portsche 911 RSR) 337

GTE-Am-Klasse: 1. (17.) Thiim-Poulsen-Heinemeier-Hansson (DEN/Aston Martin) 334 – 2. (19.) Klaus Bachler/Ried/Al Qubaisi (AUT/GER/VAE) 332

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