Jack Brabham 1967
Jack Brabham 1967.
 

F1: Jack Brabham verstorben

Der dreimalige Formel-1-Weltmeister ist in seiner Heimat Australien im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

19.05.2014 APA

Jack Brabham ist im Alter von 88 Jahren in seiner Heimat verstorben, teilte sein Sohn am Montag dem Sender BBC mit. Brabham ist dreifacher Formel-1-Weltmeister und der Einzige, der den Titel mit einem selbst konstruierten Boliden gewann, der überdies seinen Namen trug. Zu der Todesursache machte die Familie keinen genauen Angaben.

Jack Brabham mit der Nummer 5 im Brabham BT19 Repco 3.0 V8

Jack Brabham 1966 mit der Nummer 5 im Brabham BT19 Repco 3.0 V8. © Bild: Getty Images / Don Morley

Sein erstes Rennen in der Königsklasse

Der „stille Australier“, wie er wegen seiner zurückhaltenden Art genannt wurde, debütierte 1955 beim Grand Prix von Großbritannien in der Formel 1. 1959 und 1960 wurde er mit Cooper Racing Weltmeister, ehe er 1966 als 40-Jähriger mit Brabham seinen dritten Titel eroberte. Seine eigene Firma gründete er 1961 unter dem offiziellen Namen „Motor Racing Developments“ mit seinem Landsmann Ron Tauranac.

2006 fuhr Brabham mit einem F1-Auto von 1956 in Melbourne.

2006 fuhr Brabham mit einem F1-Auto von 1956 in Melbourne. © Bild: Getty Images

Weltmeistertitel und Adelsstand

Der erste Formel-1-Champion aus Australien bestritt in der Königsklasse des Motorsports insgesamt 126 Rennen, dabei fuhr er 13 Mal auf die Pole Position und gewann 14 Grand Prix. 1970 beendete er seine Karriere. Sein Rennstall ging 1972 an den heutigen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. 1979 wurde Brabham als bis dahin erster Rennfahrer von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben.

Motorsport-Familie

Auch nach seiner Karriere blieb der Name Brabham fest mit dem Motorsport verbunden. Jacks Söhne Geoff, Gary und David waren bzw. sind selbst als Rennfahrer aktiv, sein Enkel Sam fährt derzeit in der Britischen Formel Ford. In der Formel 1 lebte das Team bis 1992 weiter. Nelson Piquet holte 1981 und 1983 für den Rennstall den Weltmeistertitel, Niki Lauda pilotierte in den Saisonen 1978 und 1979 einen Brabham mit Alfa-Romeo-Motor.

Die zwei Gesichter

„Auf der Strecke war er stets der Härteste der Harten, wobei ich mich manchmal gefragt habe, wie sich so ein netter Kerl außerhalb eines Autos derart verwandeln konnte, wenn er in einem saß“, schrieb der Engländer Stirling Moss, einer von Brabhams größten Rivalen in der Formel 1, im Vorwort zu dem Buch „The Jack Brabham Story“.

Teamkollege Jochen Rindt

Harte Duelle lieferte sich der wegen seiner pechschwarzen Haare „Black Jack“ genannte Rennfahrer gegen Ende seiner Laufbahn nicht zuletzt auch mit Jochen Rindt. Als einer der berühmtesten Siege des Österreichers, 1968 selbst im Brabham-Stall, gilt jener beim Grand Prix von Monte Carlo 1970. In der letzten Kurve rutschte der führende Brabham beim Überrunden in die Strohballen und Rindt konnte auf den letzten Metern noch vorbeiziehen – sein einziger Erfolg im Fürstentum.

Jack Brabham: Karriere auf Umwegen

Im Alter von 15 Jahren schmiss Brabham, Sohn eines Lebensmittelhändlers, die Schule und arbeitete in einer Maschinenfabrik. Später verdingte er sich in einer Kfz-Werkstatt und lernte das technische Grundwissen parallel dazu an der Abendschule. Als 18-Jähriger schloss er sich als Mechaniker der australischen Luftwaffe an. 1950 zog Brabham nach England, wo seine Sportlerkarriere bald in die Gänge kam.

„Mein Vater hat ein unglaubliches Leben gelebt“

„Es ist ein sehr trauriger Tag für uns alle“, sagte Brabhams jüngster Sohn David (48), Ex-Teamkollege des 1994 tödlich verunglückten Österreichers Roland Ratzenberger bei Simtek-Ford. „Mein Vater hat ein unglaubliches Leben gelebt. Er hat mehr erreicht, als sich irgendjemand erträumen könnte, und er wird durch das großartige Erbe, das er hinterlässt, weiterleben.“ Zur genauen Todesursache äußerte sich die Familie nicht, Brabham litt jedoch seit längerer Zeit an einer Leberkrankheit.

Ron Dennis über Jack Brabham

„Das Wort ‚Legende‘ wird im Zusammenhang mit erfolgreichen Sportlern oft verwendet, sehr oft aber wird damit ihr Status überbewertet. Im Fall von Sir Jack Brabham jedoch ist es völlig gerechtfertigt“, würdigte McLaren-Geschäftsführer Ron Dennis, der in den 1960er-Jahren als Mechaniker für Brabham tätig war, den Verstorbenen in einer Aussendung.

Statements zum Tod des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Jack Brabham:

Tony Abbott (australischer Premierminister): „Australien hat eine Legende verloren.“

Lewis Hamilton (aktueller Spitzenreiter der Formel-1-WM): „Was für ein unglaublicher Fahrer und Mensch.“

Daniel Ricciardo (australischer Red-Bull-Pilot): „Ein großartiger Australier, der viele Aussies dazu inspiriert hat, ihre Träume zu verfolgen.“

Mark Webber (australischer Ex-Formel-1-Fahrer): „Er ist der Inbegriff eines Champions. Er war ein Vorreiter, hat den härtesten Weg gewählt und es für uns alle einfacher gemacht.“

Ron Dennis (McLaren-Geschäftsführer): „Sogar als unbedarfter Jüngling konnte ich wahre Größe erkennen, wenn ich sie sah. Es war eine Ehre und ein Privileg, für Brabham zu arbeiten.“

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  • Ravenbird

    Das Überholmanöver mit Rindt habe ich als Kind damals „live“ im Radio gehört und bis heute nicht vergessen.
    Diese Rennfahrer waren echte Racer mit Herz und Verstand und haben den Mythos Formel Eins zum Leben erweckt. Die heutigen ferngesteuerten und abreglementierten Bubis und Mädis verdanken diesen Menschen, daß überhaupt noch jemand zusieht.
    R.I.P. Sir Jack.

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