Interview mit KEn Block Racing Rookie 2013 Ford Fiesta ÖAMTC
Auch der Säulenheilige der Driftkunst hat als Rookie angefangen.
 

Ken Block: „Sorry, ich glaub’, das waren sogar viereinhalb Überschläge“

Ken Block über seinen Motorsporteinstieg als Spätberufener, wie man im Internet zum Star wird und einiges mehr.

12.11.2013 Autorevue Magazin

Überblick: alle Gymkhana Videos

Hier git´s alle Videos von Ken Block der Gymkhana-Serie gesammelt

Update: Gymkhana 6 Video

Ken Block präsentiert im November 2013 den sechsten Teil der Gymkhana Videos. Aus gegebenen Anlass nochmal das Interview, das wir im April mit ihm führten.

Ken, wann hast du angefangen, verrückte Dinge mit Autos anzustellen?

Ken Block: Schon als kleines Kind war ich total narrisch auf Rallyes. Mir hat Rallyeschauen mehr getaugt als jede andere Art des Motorsports, die damals in Amerika populär war. Die allradgetriebenen Gruppe B-Autos der Achtziger hab’ ich geliebt – und in den Neunzigern kam dann Colin McRae, von dem ich ein riesengroßer Fan wurde. Ich hab’ nicht gewusst, dass man auch in Amerika Rallye fahren kann, so hab’ ich nichts in dieser Richtung versucht. 2004 fuhr Travis Pastrana ein paar Rallyes in den Staaten, das hat mich dazu bewogen, es selbst zu probieren. Da bin ich dann zunächst in eine Rallyeschule gegangen – Team O’Neil in New Hampshire –, nur um rauszufinden, ob mir das überhaupt liegt. Tja, und irgendwie hab’ ich gesehen, dass ich ganz gut dabei bin. 2005 hab’ ich dann angefangen, in der Amerikanischen Meisterschaft zu fahren – und ich war ganz okay. Ich hab’ Travis Pastrana geschlagen (lacht) – naja, es blieb leider das einzige Jahr, wo ich ihn gebogen hab’. Und klar, das hat Spaß gemacht und ich hab’ es sehr genossen.

War Colin damals dein fahrerisches Idol?

Ken Block: Er ist immer noch meine größte Inspiration in Sachen Rallye. Die Art, wie er ­gefahren ist, seine Einstellung, hat mich gelehrt, den Rallyesport zu lieben. Ich muss zugeben, er ist wahrscheinlich der Hauptgrund, dass ich selber Rallye fahre.

Du hast auf Subaru angefangen und bist dann zu Ford gewechselt. Wie und warum ist das passiert?

Ken Block: Ich hab’ als Privater angefangen und einige Jahre eingezahlt. Als ich einen gewissen Level erreicht hatte und WRC und auch Rallyecross fahren wollte, war Ford die beste Option. Subaru hatte gerade mit WRC aufgehört, als Ford richtig loslegte – und im Rallyecross-Sektor hatten sie ein fertiges Siegerauto. Zu allem Überfluss bin ich von Kind auf Ford-geprägt, ­Daddy hatte einen Ford-Truck, in dem ich quasi aufgewachsen bin. Jedenfalls hatten sie das beste Paket, da gab es nix nachzudenken.

Ich hab’ dir über den Autorevue Racing Rookie erzählt. Hast du für unsere Nachwuchsracer ein paar Tipps?

Ken Block: Ganz klar darauf fokussieren, was man will und wie man es erreichen will. Ich hab’ auch zuerst behirnen müssen, dass ich noch jede Menge zu lernen hab’. Als wir beispielsweise testen waren, hab’ ich Jari-Matti Latvala jede Bewegung ­abgeschaut, das alles richtig aufgesaugt. ­Darüber hinaus hab’ ich noch andere Schulen gemacht: Ich war in einer Formel-1-Schule und bei vielen anderen Kursen in Amerika und hab’ überall ein Stück mitgenommen. Viel Wissen rund ums Fahren ist in jedem Fall hilfreich.

Hast du in Sachen Sponsoring gute Tipps? Du hast es ja relativ leicht …

Ken Block: (Lacht) Oh nein! Das glaubst du nur … Ich hab’ einen großartigen Agenten. Die Tatsache, dass ich so viel Präsenz gene­rieren kann, ist die leichtere Übung für mich und bringt mir natürlich die Aufmerksamkeit der Sponsoren. Trotzdem bleibt es schwer. Auf den Punkt gebracht: Du darfst als Fahrer nie vergessen, dass der Sponsor möglichst viel Präsenz will. Das ist ein knallhartes Geschäft. Und wenn du das Geschäft verstanden hast und weißt, warum die Leute Geld für dich ausgeben, weißt du, wie du dich ­präsentieren musst, damit du ihnen ein guter Fahrer bist.

Interview mit KEn Block Racing Rookie 2013 Ford Fiesta ÖAMTC

Wie bist du auf die Popularitätsmasche mit den Gymkhana-Videos gekommen?

Ken Block: Eigentlich hat das mit meiner Skate- und Snowboard-Vergangenheit zu tun. Vieles aus dieser Industrie baut auf visuellem Content – also Videos und Fotos – auf. Dort, wo ich eben herkomme (Anm. d. Red.: Ken Block war Mitbegründer von DC-Shoes), war das ganz normal, solche Marketingclips zu drehen. Eigentlich hat es mich überrascht, dass noch kein ­Motorsportler so was zuvor getan hat. Ich schaue mir gerne Motorsport von überall auf der Welt an – auf youtube siehst du DTM, die australischen V8-Supercars, Formel 1 und viel anderes Zeug, das nicht überall im Fernsehen übertragen wird. Da wollte ich uns halt präsentieren. Und als wir gesehen haben, welchen Bekanntheitsgrad das erreicht, ­haben wir eben weitergemacht.

Was war eigentlich dein allererstes Auto?

Ken Block: Pfuh, das war ein Toyota Corolla …

Zumindest ein heckgetriebener?

Ken Block: Nein, das war das Einkaufswagerl meiner Mutter (lacht). Ein viertüriger Kombi.

Was fährst du privat, wenn du nicht im Rennauto sitzt?

Ken Block: Ich wohne in den Bergen, deswegen habe ich einen Ford Raptor (ein 6,2-Liter-V8-Pickup mit 411 PS). Eigentlich ist der ja ein knallharter Offroader, aber mit dem weichen Fahrwerk funktioniert er auch brutal gut im Schnee.

Du bist mit deinen 46 Jahren nicht unbedingt ein Youngster, wie sehen deine Zukunfts­pläne aus?

Ken Block: Seit 2004 gibt’s immer einen Rallye-Event bei den Summer-X-Games in Los ­Angeles, heuer sind es gleich vier X-Games. Brasilien, Spanien, Deutschland und eben USA. Das ist ein Großteil meiner Beschäftigung heuer – auf das freu’ ich mich schon, das wird eine Hetz. Dann gibt’s eine Serie namens Global Rallycross: Da werde ich sechs Rennen in den Staaten fahren. Weiters sieben nationale Rallyes der US-Meisterschaft plus drei groß aufgezogene Gymkhana-Events.Und dann hab’ ich noch Sponsoren, die schauen, dass mir nicht fad wird: Wir waren heuer schon mit Monster bei den V8-Supercars in Adelaide. Aber eigentlich würde ich gerne mehr WRC fahren – ich hab’ heuer erst Mexico auf dem ­Zähler …

… Gratulation zum siebenten Platz, nebenbei …

Ken Block: Danke – aber es geht sich halt schwer aus. Jedenfalls schätze ich mich sehr glücklich, das alles machen zu können.

Letzte Frage: Wie fühlt es sich an, wenn man sich vier Mal mit einem Fiesta überschlägt?

Ken Block: (Lacht) Sorry, ich glaub’, das waren sogar viereinhalb Überschläge. Passiert ist mein schwerster Unfall bisher bei der Portugal-Rallye. Ich bin M-Sport und Ford sehr dankbar, dass sie so sichere Autos bauen – und der FIA für die Sicherheitsbestimmungen. Unfälle passieren halt – als ­Racer suchst du das Limit, und manchmal schießt du darüber hinaus …

Das Interview führte Christoph Jordan.

 

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