Racing Rookie Finale 2011 melk Datzinger
Ein Kmapf bis zur Zieflagge.
 

High nun

Von fast 400 Teilnehmern sind nur mehr 26 übrig, und deren schwierigste Aufgabe kommt jetzt: Den Besten zu finden bis zum Ende des Tages, also den Racing Rookie 2011.

11.10.2011 Autorevue Magazin

Der Motorsportfan in seiner höchsten Reifestufe weiß natürlich um die Wichtigkeit sorgfältigen Aufwärmens, hier ein bisserl erschwert durch die Tatsache, dass Motoröl in der Früh nie nervös ist, 26 potenzielle Racing Rookies aber möglicherweise schon. Also ist die Drehzahl der Finalisten im klimatisierten Vortragszimmer noch ein wenig gedämpft, immerhin ist es erst 8:30 Uhr, und für feurige Stimmung sind ohnedies die roten Rennoveralls, die alle schon zur Begrüßung tragen, zuständig.

Stille, fast scheue Konzentration eröffnet also den Tag, so horchen wenigstens alle gut zu, als die Aufgaben des Vormittags ausgebreitet werden: Warmlaufen für den Nachmittag, wo es dann um alles gehen wird. Konkret: um ein ausfinanziertes Jahr im Ford-Fiesta-Werkscockpit, denn nur einer hier kann Racing Rookie 2011 werden. Alle anderen Talente werden sich einen anderen Weg suchen müssen zur nationalen, später auch interna­tionalen Spitze des Motorsports.

Racing Rookie Finale 2011 melk Datzinger

Alle ­Finalisten sind also wegen des Autofahrens gekommen und nicht, um zu hören, dass die Autos nicht kaputt gemacht werden sollen, weil das wissen eh alle.

Nach ein bisserl Theorie wird freudig hinters Lenkrad geschlüpft, es gilt jetzt die Sinne zu schärfen für die Ausscheidungsläufe des Nachmittags. Zum Training stehen also bereit: die Schleuderplatte, immer wieder hinterfotziger ­Simulator überraschenden Quertreibens; ein nasser Slalomkurs, künstlich bewässert heute, weil der Regen des Vortages längst im spätsommerlichen Sonnenschein aufgetrocknet ist; eine durchaus driftträchtige Kurve auf Schotter; direktes Matchen im Kart, weil ganz alleine auf der Strecke ist man im echten Sportler­leben nicht.

Diese Plakette wird natürlich nicht ans Auto geklebt, sondern als ­Gürtelschnalle getragen. Sie ist hoch begehrt an ­diesem Tag. Schließlich wird sie Christian Senghaus mit ­in eine schnelle Zukunft ­nehmen.

Racing Rookie Finale 2011 melk Datzinger


Die Mittagspause zeigt vor allem, dass der Obstsalat bei jungen Leuten kein Renner ist, die eigentliche Nachspeise liefert aber ohnedies Patrick Winter, 2004 erster Racing Rookie, seither erfolgreicher Motorsportler und neuerdings fertig ausgebildeter ÖAMTC-Instruktor. Er kredenzt einen kurzen Abriss seiner ­Motorsportkarriere mit essenziellen Erkenntnissen: Wer heute nicht gewinnt, muss seine Sponsoren selbst überzeugen, „aber wichtig ist es dranzubleiben, wenn man einen Traum hat.“ Wichtig ist auch Fitness im Motorsport: „Ich war ja früher ein fauler Hund, und nach ein paar Rallye-Kilometern ist die Soße geronnen, trotz Servolenkung.“

Erste Fitness ist dann beim Begehen des Rundkurses gefragt. Dass ein paar Finalisten abgeschlagen ins Ziel kommen, kann aber auch am angeregten Diskutieren über die Strecke liegen.

Dann wird die erste Vorausscheidung des Finales gefahren, noch ist jeder Teilnehmer alleine auf der Strecke: Wer am schnellsten durch den Slalomkurs wedelt, steigt auf. Von 26 Finalisten sind nach einer Stunde noch acht übrig, wer draußen ist, hat am Heimweg immerhin die Erinnerung an einen einzigartigen, lehrreichen Tag im Gepäck.

Für die anderen acht steigt die Spannung. Jetzt wird gegen die Uhr gefahren. Es geht um Gleichmäßigkeit, jeder fährt eine Referenzrunde, die beiden anderen Runden sollen möglichst gleich sein. Vier Fahrer bleiben über: Lukas Baschinger fuhr am exaktesten, dahinter kommen Christian Senghaus, Oliver Müller und Thomas Mayr.

Jetzt wird es aber wirklich ernst, denn es kommt der Speed ins Spiel, das innerste Wesen des Rennfahrens. Jeder der vier muss drei Runden absolvieren, die beiden Schnellsten kommen ins ­große Finale: Christian Senghaus und Oliver Müller. Die beiden trennen in der Gesamtzeit fast zwei Sekunden von­einander. Zwischen Platz zwei und drei, also zwischen Weitermachen und Rausfliegen, liegen hingegen gerade sieben Zehntel, die Lukas Baschinger auf Müller fehlen. Das ist schwer zu verdauen, aber Baschinger nimmt’s sportlich. Senghaus und Müller also, das sind die beiden ­Namen für ein Finale, das in die Geschichte des Racing Rookie eingehen wird.

Es ist ein Finale, in dem gegeneinander gefahren wird, zwei Autos gleichzeitig auf der Strecke, Überholmanöver möglich, ja nötig. Zwei Durchgänge zu je drei Runden werden gefahren, nach dem ersten werden zwecks Chancengleichheit die Autos getauscht.

Ein letztes Briefing noch.

Dann geht die Startflagge nach oben, Müller dröhnt los, Senghaus bleibt einen Moment lang hocken wie eine Kröte, er hat den Start verschlafen, wie er später sagen wird. Keine Ahnung, warum. „Vielleicht die Aufregung.“

Aber er kämpft. Schon in der ersten langen Rechtskurve ist er dran an Müller. Und verdammt, in einer engen Rechten kurz vor der Zielgeraden zieht er innen an Müller vorbei, den es ein Stück zu weit nach außen treibt. Ein Fehler, den man nicht machen darf, wenn man einen Senghaus im Nacken sitzen hat. Fazit: 117,304 gegen 118,625 Sekunden.

Zweiter Durchgang. Wieder versemmelt Senghaus den Start, diesmal tut er sich nicht ganz so leicht mit der Korrektur. Denn Müller fährt aggressiver, hält Senghaus auf Distanz. Dieser kommt ­näher, aber nie in Zugriff-Distanz. Müller fährt ein souveränes Rennen, gewinnt den zweiten Durchgang mit 115,106 Sekunden gegen 114,242 Sekunden.

Die Rennleitung muss rechnen. Den beiden Piloten bricht der kalte Schweiß aus den Poren. Jetzt entscheidet es sich: Eine knappe halbe Sekunde fehlen Müller. Senghaus jubelt, über Müller bricht das Unglück herein. Aber nur eine Sekunde. Dann gratuliert er dem Sieger. Ein wür­diger Zweiter. Und das dramatischste ­Racing-Rookie-Finale aller Zeiten.

Racing Rookie Finale 2011 melk Datzinger

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