Gerhard Berger mit Dietrich Mateschitz
Berger konnte den GP von Österreich nie gewinnen.
 

Formel 1: Berger über das Österreich-Comeback

Der ehemalige Formel-1-Pilot Gerhard Berger über das Comeback der Formel 1 in Österreich und seinen Neffen Lucas Auer.

15.06.2014 APA

„Das Heimrennen ist das wichtigste“, sagt Gerhard Berger, der in seiner aktiven Zeit als Rennfahrer nie in Spielberg gewinnen konnte. Wenn jedoch nicht die Staatsbürgerschaft sondern der Wohnort als Variable gewählt wird, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Heimsiegs in Monaco am Größten. Der WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, Vorjahressieger Nico Rosberg, Jenson Button und Daniel Ricciardo geben das Fürstentum als ihren offiziellen Wohnsitz an.

Größter Triumph und Druck

Ayrton Senna in Brasilien, Ferrari in Monza, Fernando Alonso in Barcelona, die Briten in Silverstone usw.: Heimsiege sind Erfolge, die selbst mit Platz eins beim Monaco-Kronjuwel mithalten können. Im eigenen Land zu siegen geht für viele Piloten und Teams über alles. Dort ist aber auch der Druck am größten. Das weiß auch Berger aus schmerzliche Erfahrung. Mehrmals hat der Tiroler versucht als Österreicher daheim zu gewinnen, gelungen ist dies aber nur Niki Lauda 1984.

Berger 1986 mit Pech

Berger selbst war zwei Jahre später knapp dran. 1986 machte aber dem in Führung liegenden Tiroler („Da war ich sicher, das Thema Heimsieg hat sich nun erledigt“) eine defekte Batterie im Benetton einen Strich durch die Rechnung. „Man ist stolz, vor heimischem Publikum auftreten zu können. Das geht dann auch meistens schief, weil man sich auch selbst unter Druck setzt“, erinnert sich Berger gut an seine vergeblichen Anläufe.

Ö-Comeback ohne Österreicher

Auch 2014 wird es am Red Bull Ring mangels heimischem Piloten keinen Heimsieg geben. Dennoch gerät Berger knapp einen Monat vor der Rückkehr der Motorsport-Königsklasse nach Österreich schnell und leicht ins Schwärmen, denkt er an vergangene Heimspiele.

Berger schwärmt vom Österreichring

Vor allem, wenn es um den ursprünglichen „Österreichring“ geht. „Ich habe es geliebt, dort zu fahren. Die alte Strecke war ein Klassiker. Die schnellen Kurven waren besondere Herausforderungen. Es gab keine Auslaufzonen, aber hohe Geschwindigkeit – da hat das Herz immer höhergeschlagen wenn es geheißen hat, wir fahren nach Zeltweg.“

Mit dem Hubschrauber zum Wörthersee und retour

Denn, so Berger: „Es ist eine richtig tolle Gegend für den Formel-1-Tross. Es ist ein traumhafter Platz, eine der schönsten Gegenden, die man in Österreich hat, das sieht auch die Formel-1-Gemeinde so.“ Der Tiroler ist sich sicher: „Die freuen sich schon wieder riesig darauf. Einige erinnern sich noch, als sie zwischen Wörthersee und Strecke mit dem Hubschrauber hin und her geflogen sind.“

„Da war man mit einem Fuß im Grab“

Einzig die neue und kürzere Strecke, auf der ab 1997 bis 2003 und nun auch von 2014 an wieder gefahren wird, hat es Berger nie besonders angetan. „Ich bin ein Fan des alten Layouts. Das war meine Welt, auf der Strecke bin ich groß geworden“, denkt er seufzend zurück. „Da hat man ‚Big Balls‘ gebraucht, das war ein Ritt auf der Kanonenkugel. Da war man mit einem Fuß im Grab.“

Weniger Spektakulär als früher

Natürlich solle letzteres im modernen Rennsport keinen Platz mehr finden. Die neue Strecke sei okay, „aber ich sage nicht wow. Es ist ein sehr sicherer Kurs, verkürzt, was ich schade finde, aber verstehe“, so Berger über den ehemaligen A1- und nun Red-Bull-Ring. „Der Kurs ist sehr gut, sehr sicher, sehr schön, aber nicht so spektakulär wie die ehemalige Strecke.“

Fahrende Legenden

Bald schon bekommt Berger – wenn sein verletzter Arm mitspielt – Gelegenheit, in einem alten Turbo-Ferrari aus 1987 wieder dort zu fahren. Alle lebenden Formel-1-Österreicher sollen am 22. Juni in den Formel-1-Boliden von damals antreten.

Ausverkauftes Großereignis

Echte Heimsiege wird man freilich höchstens in den Rahmenserien wie GP2 oder Porsche Supercup erleben können. Umso bemerkenswerter ist die riesige Begeisterung der Fangemeinde einzustufen, die dafür sorgte, dass auch nach zehn Jahren Renn-Pause der Event sofort ausverkauft war.

Mehrheit wünscht sich einen österreichischen Piloten

Heimrennen und ein österreichisches (Weltmeister-)Team sind mit dem Ring und Red Bull Racing gegeben, fehlt also nur noch ein heimischer Fahrer. Den fordern die Fans mittlerweile vehement. Eine klare Mehrheit bedauert in einer aktuellen Umfrage das Fehlen eines rot-weiß-roten Piloten und wünscht sich, dass Dietrich Mateschitz einen Österreicher aufbaut und ans Lenkrad setzt.

Bergers Neffe potentieller Kandidat

Dass mit Lucas Auer ausgerechnet Bergers derzeit in der Formel 3 engagierter Neffe als aktuell heißeste Aktie gehandelt wird, ist nicht nur Zufall. Der junge Tiroler hat 2014 auch schon ein Rennen gewonnen und ist in der Meisterschaft Dritter. „Es wäre super, wenn wir in Österreich in der Formel 1 was nachbekommen würden. Bei Lucas wäre es aber noch zu früh“, schwächte Berger aber ab.

  • Georg

    Berger hat regelmäßig das Material überfordert, das hört er nicht gerne aber die vielen Ausfälle waren nicht nur auf schlechtes Material zurück zu führen. Alle die in der F1 fahren sind gut, aber wenn man sich onboard-Videos ansieht und hört wie Berger runterschaltet wird einem schlecht. Er knallt die Gänge nur so rein, total unrythmisch, aber das hat er schon immer gemacht.

  • Ravenbird

    Gerhard Berger war ein Rennfahrer, der mich damals so dermaßen an den Bildschirm gefesselt hat, daß ich vergessen habe zu essen. Und das will was heißen.
    Ich will damit sagen, daß es nicht (immer) die Sieger sind, die Rennen spannend machen, sondern die Menschen, die im Cockpit sitzen und dort in Sekundenbruchteilen über Leben und Tod, Sieg oder Niederlage entscheiden müssen.
    Heute machen das die Bubis und Mädis in der Box. Ich finde das zum Kotzen und schaue kaum mehr zu.
    G.B. im Ferrari ist für mich immer noch DIE Kombination, mehr noch als Senna, Rindt oder Lauda. Hätte er damals die Brutalität eines Schumacher gehabt, wäre er x-fach Weltmeister geworden. Aber mit der (manchmal liebenswerten) italienischen Art zu arbeiten wird das nix. Damals nicht und heute nicht. Alonso ist der mit Abstand beste Rennfahrer der F1 und trotzdem schauen die Roten aus wie die Anfänger. Schumi hat sie so lange in den A… getreten, bis sie funktioniert haben.
    Das hätte ich auch dem Gerhard Berger gegönnt.

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