FORMEL 1-GP VON ÷STERREICH: TRAINING LEGENDENRENNEN / PROST; LAUDA
Die ehemaligen Formel-1-Piloten Alain Prost (l./FRA) und Niki Lauda am Samstag anlässlich eines Trainings für das Legendenrennen am Red Bull Ring in Spielberg.
 

GP von Österreich 2015: Die Ereignisse vom Samstag

Hamilton stellte mit der 45. Pole Vettels Marke ein. Rosberg schmiss im Finish die Pole hin. Bergers ehemaliger Ferrari brannte beim Training.

20.06.2015 APA

Beide Mercedes-Piloten neben der Strecke – und am Ende doch erneut ganz vorne. Lewis Hamilton hat sich am Samstag in einem turbulenten Qualifying in Spielberg die Pole Position für den Formel-1-Grand-Prix von Österreich gesichert. Der Weltmeister profitierte von einem Fehler seines Stallrivalen Nico Rosberg, der auf dem Weg zu einer möglichen Bestzeit in der Zielkurve von der Strecke rutschte.

Hamilton war aber selbst nicht ohne Fehler durchgekommen. In seiner letzten schnellen Runde drehte sich der WM-Leader von der rutschigen Piste. Sekunden später folgte aber auch Rosberg. Dritter wurde Ferrari-Star Sebastian Vettel vor Felipe Massa im Williams, der auf dem Red Bull Ring im Vorjahr sensationell zur Pole gefahren war – der bisher letzten, die nicht ein Mercedes-Pilot geholt hat.

Bereits zum 19 Mal in Folge steht nun ein Silberpfeil-Pilot auf Platz eins. Im achten Saisonrennen heißt der Pole-Setter zum siebenten Mal Hamilton, der am Sonntag (14.00 Uhr/live ORF eins, RTL und Sky) seinen ersten Österreich-Sieg anpeilt. „Es war eine ziemlich schwierige Qualifying-Session“, sagte der 30-jährige Engländer. Bei lediglich 13 Grad und schrittweise auftrocknender Piste war es besonders schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bringen – daher auch die vielen Ausrutscher.

Rosberg: „Habe es übertrieben“

Rosberg jagte im Finish die Bestzeit von Hamilton (1:08,455 Minuten). Der Deutsche, in den ersten zwei Quali-Abschnitten der Schnellste, lag zwei Kurven vor Schluss gleichauf, dann rutschte er ins Kiesbett. „Ich habe es einfach übertrieben“, gestand Rosberg. Das galt laut Niki Lauda auch für Hamilton. „Aber es ist leicht, zu übertreiben, wenn die Reifen so kalt sind“, sagte der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams. „Da mache ich ihnen keinen Vorwurf.“

Mit der 45. Pole Position seiner Karriere stellte Hamilton die Marke von Vettel ein. Kein aktiver Pilot ist öfter vom ersten Startplatz aus in ein Rennen gegangen. „Ich habe Glück, dass ich so ein gutes Auto hatte die letzten zwei Jahre“, sagte Hamilton. Vielleicht sei Vettel aber noch glücklicher als er, weil er bereits mehr WM-Titel (4) sein Eigen nennt. Hamilton: „Aber auch darauf arbeite ich hin.“

FORMEL 1-GP VON ÷STERREICH: HAMILTON (GBR/MERCEDES)
© Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Der Brite greift in dieser Saison nach seinem dritten WM-Titel. Der Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Rosberg beträgt 17, jener auf Vettel 43 Punkte. Ferrari hat zuletzt aber aufgeholt. „Ich glaube, unsere Rennpace ist ganz gut“, meinte Vettel. „Hoffentlich können wir die zwei ein bisschen ärgern.“ In den freien Trainings waren die Longrun-Zeiten von Ferrari sogar besser als jene von Mercedes.

Im Gegensatz zum Qualifying werden sich die Silberpfeile im Rennen keine Fehler leisten dürfen. „Ferrari und Williams sind in der Lage, die gleiche Pace zu gehen wie wir“, warnte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der zumindest zu Beginn des 71 Runden langen Grand Prix an der Spitze einen Zug erwartet. „Ich glaube nicht, dass wir wegfahren können.“

Der Vorjahresdritte Valtteri Bottas startet im zweiten Williams von Platz sechs – unmittelbar hinter dem Deutschen Nico Hülkenberg im Force India, der sich eine Woche nach seinem Triumph beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans in blendender Verfassung zeigte. Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen verpokerte sich bereits im ersten Quali-Abschnitt, als die Strecke nach davor starkem Regen auftrocknete, und schied als 18. aus.

Hinter dem Finnen starten aber noch die Red Bulls von Daniil Kwjat (8. der Qualifikation) und Daniel Ricciardo (14.). Beide werden wegen des fünften eingesetzten Verbrennungsmotors in dieser Saison um zehn Plätze zurückversetzt. Weil Ricciardo nicht die gesamte Strafe „bezahlen“ kann, muss er im Heimrennen seines Teams zudem eine fünfsekündige Zeitstrafe absitzen.

Noch schlechter ergeht es Fernando Alonso (15.) und Jenson Button (17.) im McLaren. Weil bei beiden Ex-Weltmeistern fast der gesamte Antriebsstrang und bei Alonso auch das Getriebe getauscht wurde, müssen sie auf dem Papier jeweils 25 Plätze zurück bzw. entsprechende Zeitstrafen in Kauf nehmen. Für Sonntag ist in Spielberg etwas besseres Wetter angesagt. Regenschauer sind aber nicht völlig ausgeschlossen.

Von Florian Haselmayer/APA aus Spielberg

Voraussichtliche Startaufstellung für den GP von Österreich 2015

Provisorische Startaufstellung für den GP von Österreich =

Spielberg (APA) – Provisorische Startaufstellung für den Formel-1-Grand-Prix von Österreich auf dem Red Bull Ring in Spielberg nach dem Qualifying am Samstag (Stand 20.00 Uhr):

1. Reihe:
1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes
2. Nico Rosberg (GER) Mercedes
2. Reihe:
3. Sebastian Vettel (GER) Ferrari
4. Felipe Massa (BRA) Williams
3. Reihe:
5. Nico Hülkenberg (GER) Force India
6. Valtteri Bottas (FIN) Williams
4. Reihe:
7. Max Verstappen (NED) Toro Rosso
8. Felipe Nasr (BRA) Sauber
5. Reihe:
9. Romain Grosjean (FRA) Lotus
10. Pastor Maldonado (VEN) Lotus
6. Reihe:
11. Marcus Ericsson (SWE) Sauber
12. Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso
7. Reihe:
13. Sergio Perez (MEX) Force India
14. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari
8. Reihe:
15. Daniil Kwjat (RUS) Red Bull *
16. Roberto Merhi (ESP) Manor
9. Reihe:
17. Will Stevens (GBR) Manor
18. Daniel Ricciardo (AUS) Red Bull **
10. Reihe:
19. Fernando Alonso (ESP) McLaren ***
20. Jenson Button (GBR) McLaren ****

* = wegen Verwendung eines fünften Elementes der Antriebseinheit zehn Startplätze zurück
** = wegen Verwendung eines fünften Elementes der Antriebseinheit zehn Startplätze zurück (resultiert im Rennen zusätzlich in einer fünf Sekunden Zeitstrafe)
*** = wegen Verwendung mehrerer fünfter Elemente der Antriebseinheit (+20) und eines Getriebewechsels (+5) insgesamt 25 Plätze zurück (resultiert im Rennen zusätzlich in einer Durchfahrtsstrafe)
**** = wegen Verwendung mehrerer fünfter und sechster Elemente der Antriebseinheit insgesamt 25 Plätze zurück (resultiert im Rennen zusätzlich in einer Stop-and-Go-Strafe)

Anmerkung: Die Startaufstellung wird erst eine Stunde vor dem Rennen am Sonntag (Start 14.00 Uhr/live ORF eins, RTL und Sky) offiziell.

 

 

Kwjat nach Rückversetzung von Startplatz 15

Die Startaufstellungen der Formel 1 sind aufgrund des unübersichtlichen Motorenreglement mittlerweile zu hoch komplizierten Angelegenheiten geworden. Selbst ein provisorischer „Grid“ wurde am Samstagabend vor dem Grand Prix von Österreich in Spielberg vom Automobil-Weltverband (FIA) erst vier Stunden nach Ende des Qualifyings veröffentlicht.

FORMEL 1-GP VON ÷STERREICH: KVYAT (RUS/RED BULL) / RICCIARDO (AUS/RED BULL) / ROSBERG (GER/FERRARI)
© Bild: APA/HERBERT NEUBAUER
Die Red-Bull-Piloten Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo starten demnach nach ihren Rückversetzungen um jeweils zehn Startplätze wegen des Einsatzes einer jeweils fünften Motorenkomponente in diesem Jahr von den Plätzen 15 bzw. 18. Ricciardo muss zudem im Rennen eine Fünf-Sekunden-Strafe absitzen.

Die letzte Startreihe bilden die um 25 Plätze zurückversetzten McLaren der Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Jenson Button. Alonso erhält im Rennen zudem eine Durchfahrtsstrafe, Button eine zehnsekündige Stop-and-Go-Strafe.

 

Bergers Ferrari ging bei Legenden-Test in Rauch auf

Unglücklich hat für Gerhard Berger der Legenden-Bewerb im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix von Österreich 2015 begonnen. Beim Einfahren am Samstagabend ging der Ferrari des Tirolers in Rauch auf und musste abgeschleppt werden. Interessierter Zuschauer der Legenden-Generalprobe war vor der Ferrari-Box Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel.

FORMEL 1-GP VON ÷STERREICH: TRAINING LEGENDENRENNEN / LAUDA; BERGER
© Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Die eigentliche Legenden-Parade steigt am Grand-Prix-Sonntag um 12.40 Uhr. Berger hofft, den Ferrari F1 87/88c, mit dem er 1988 nur einen Monat nach dem Tod von Firmengründer Enzo Ferrari in Monza triumphiert hatte, dennoch einsetzen zu können. „Gas geben, wie immer“, hatte sein Vorhaben vor dem Malheur gelautet.

FORMEL 1-GP VON ÷STERREICH: LEGENDEN RENNEN/BERGER
© Bild: APA/ERWIN SCHERIAU

 

„Elefantenrunde“ wünscht sich rasche Änderungen

Spätestens 2017 soll die aktuell kriselnde Formel-1-Weltmeisterschaft wieder spannender und attraktiver werden. Geht es nach den in der Motorsport-Königsklasse maßgeblichen Österreichern, könnten diese Änderungen sogar schon früher greifen. „Man sollte das 2017er-Projekt auf 2016 vorziehen“, hätte etwa Niki Lauda kein Problem mit noch schnelleren Neuerungen.

Der Aufsichtsratschef des Mercedes-Formel-1-Teams tat dies bei einer rot-weiß-roten „Elefantenrunde“ im ORF-Fernsehen anlässlich des Grand Prix von Österreich. Daran nahmen am Samstag auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, Red Bulls Berater Helmut Marko sowie die Wiener Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn teil.

Während Kaltenborn vorrangig auf eine Budget-Obergrenze hofft, gibt es speziell von Red-Bull-Seite schon seit längerem Kritik an der seit der Einführung der relativ leisen Turbo-Hybridmotoren von Mercedes beherrschten Formel 1. Vereinbart hat man nun für 2017 eine um sechs Sekunden schnellere und lautere Königsklasse sowie schwieriger zu fahrende Autos.

„Die Änderung der Autos sollte so schnell wie möglich kommen. Wenn alle wollen, schon 2016“, wäre auch Marko lieber, die Dinge würden sich rasch ändern. „Wenn schon, dann gleich auch mit einem anderen Motorenkonzept“, hakte der Steirer angesichts des eklatanten Rückfalls seiner Truppe, die hauptsächlich an Motorenpartner Renault festgemacht wird, nach.

Bemerkenswert ist, dass man nun offenbar auch bei Mercedes offen ist für Änderungen. „So ‚open minded‘ muss man sein, dass man im Sinne des Sports oder der Show Reglementänderungen zustimmen muss“, sagte Wolff etwa gegenüber der APA – Austria Presse Agentur. „Wir glauben, dass es die Formel 1 verbessert, wenn sie schneller und spektakulärer ist“, meinte der Wiener.

Auch laut Wolff könnte es schneller gehen als von der Strategiegruppe bisher geplant. „Man muss die Autos sofort spektakulärer machen und das alles auf 2016 vorziehen“, sagte der Österreicher und wünscht sich, sofort Reifenpartner Pirelli am Bord zu bekommen. „Damit wir in sechs Monaten einen schönen fetten Reifen haben.“

Ganz offensichtlich ist zumindest bei den Teams angekommen, dass eine Effizienz-Formel nicht das beliebteste Rezept ist, um weiterhin als Königsklasse zu gelten. Zudem forderte nicht nur Lauda, die Diskussion darüber nicht mehr in der Öffentlichkeit zu führen. „Wir umgeben uns mit lauter Blödheiten und reden uns die Formel 1 schlecht“, sagte der dreifache Weltmeister.

Laut Marko sollten die Fahrer künftig wieder mehr im Vordergrund stehen. „Früher war ein Grand Prix eine enorme körperliche Belastung, die Piloten sind nach einem Rennen fix und fertig aus dem Auto ausgestiegen. Heute schwitzt unser 17-Jähriger nicht einmal, weil die Autos viel zu leicht zu fahren sind“, wies Marko auf den eigenen Toro-Rosso-Teenager Max Verstappen hin. Wolff dazu: „Die Piloten sollen nach den Rennen aussehen wie Rennfahrer und nicht wie eine Ballerina.“

Zumindest verbal war dies ein erstaunlicher Schulterschluss, denn an sich geht in der Formel 1 auch deshalb nichts weiter, weil die Teams relativ viel Mitspracherecht haben und jedes seine eigene Agenda verfolgt. „Es ist ganz entscheidend, dass die Regeln den Teams aus der Hand genommen werden“, forderte deshalb Kaltenborn nicht zum ersten Mal.

„Es wird viel zusammengesessen und geredet, aber es kommt nichts raus. Es ist mit Sicherheit falsch, dass die Teams mitreden“, meinte auch Marko. „Das ist, wie wenn jeder Fußballverein an den Regeln mitredet. Es sollten nur die zwei Rechteinhaber bestimmen“, verlangte der Österreicher, der die Formel 1 für „überreguliert“ hält. „Der Sport hingegen gerät immer mehr in den Hintergrund. Strafpunkte wie in Flensburg sind Unsinn.“

Aber selbst da war sich Marko mit dem Mercedes-Motorsportchef einig. Wolff: „In den letzten zehn Jahren wurde das Ding mit vermeintlichen Sicherheitsargumenten kaputt reguliert“, sagte Wolff. „Die Rennen finden nun teilweise auf Strecken statt, die aussehen wie Supermarkt-Parkplätze.“

Kaltenborn warnte allerdings erneut vor den entstehenden Kosten und ist überzeugt, dass Kundenautos den Tod vieler kleiner Teams bedeuten würden. Wolff dazu: „Das sind Szenarien für den Notfall.“ Viel Lob gab es von Wolff für Red Bull als Veranstalter. „Was in Spielberg hingestellt worden ist, ist einzigartig. Es ist das beste Rennen des Jahres.“

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